Städteregion: Hendrik Schmitz setzt in der CDU auf eine starke Basis

Städteregion : Hendrik Schmitz setzt in der CDU auf eine starke Basis

Man könnte vermuten, dass er den Blick die ganze Zeit auf Düsseldorf gerichtet hat. Schließlich ist Hendrik Schmitz erster Nachrücker der CDU für den nordrhein-westfälischen Landtag. „Ich starre da nicht unentwegt drauf“, beteuert der 39-Jährige und verweist auf seinen landwirtschaftlichen Betrieb in Baesweiler. „Da gibt es auch im Winter viel zu tun.“

Und nicht nur dort: Nach seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden am 20. Oktober hat Schmitz angekündigt, den städteregionalen Kreisverband Aachen-Land neu- und umgestalten zu wollen. Gut drei Monate später hat er im Gespräch mit unserer Zeitung eine erste Zwischenbilanz gezogen.

Sie haben unmittelbar nach Ihrer Wahl gesagt, dass die CDU wieder mehr Mut zur inhaltlichen Kontroverse aufbringen müsse. Haben Sie seitdem denn schon fleißig diskutiert?

Schmitz: Die ersten Schritte in diese Richtung sind gemacht. Am Freitag wird der Kreisvorstand über die Bildung von Arbeitskreisen abstimmen. Wir wollen allen Mitgliedern die Möglichkeit geben, darin mitzuwirken.

Wie heißt es doch: Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis…

Schmitz: Den Spruch kenne ich natürlich, aber er trifft auf uns sicherlich nicht zu. Wir haben im Kreisverband fast 4000 Mitglieder. Sie bilden den Kern der CDU, und wir haben mit ihnen ein unglaublich großes Potenzial. Wir wollen unsere Partei zu einer Mitgliederpartei machen. Und damit jedes Mitglied sich entsprechend seiner Interessen und Stärken einbringen kann, bilden wir mit den Arbeitskreisen eine weitere Plattform.

Worum wird es inhaltlich gehen?

Schmitz: Geplant sind verschiedene Arbeitskreise mit den Schwerpunkten Sicherheit und Ordnung, Familie, Generationen und Soziales, Strukturwandel, Wirtschaft, Infrastruktur und Digitalisierung, Forschung und Bildung sowie ländlicher Raum.

Das geht zum Teil aber weit über die Städteregion hinaus.

Schmitz: Wir haben ganz bewusst regionale und überregionale Themen gewählt, weil sich vieles gar nicht trennen lässt. Uns geht es darum, dass die Mitglieder sich an der inhaltlichen Gestaltung beteiligen können. Ich habe den Eindruck, dass sie darauf gewartet haben, wieder mehr mitmachen und diskutieren zu können.

Das klingt so, als hätte Ihr Vorgänger Axel Wirtz einiges falsch gemacht.

Schmitz: Nein, ganz und gar nicht. Parteien verändern sich derzeit stark, die Welt wird wieder politischer. Vor diesem Hintergrund hat sich bei den Mitgliedern ein noch stärkeres Interesse entwickelt, mitzureden und mehr eingebunden zu werden. Das finde ich sehr gut, und das ermöglichen wir Ihnen. Denn wer in Prozesse eingebunden ist, der ist auch eher motiviert sich zu engagieren.

Was bedeutet das konkret?

Schmitz: Wir sehen die Arbeitskreise als Ideenschmiede. Sie sollen den Mitgliedern den Zugang zu inhaltlichen Diskussionen vereinfachen. Wir haben in der CDU ganz unterschiedliche Vereinigungen: die Junge Union, die Frauen-Union, die Senioren-Union, die Mittelstandsvereinigung, die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft und die Kommunalpolitische Vereinigung. Darin sind ganz verschiedene Charaktere vertreten. Die CDU ist eben keine Klientelpartei, sondern lebt von ihrer Vielfalt. Und wenn man Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet und diskutiert, dann kommt am Ende meistens das beste Ergebnis heraus. Das ist mehr als einfach nur ja oder nein sagen zu können.

Und was geschieht mit diesen Ergebnissen?

Schmitz: Aus ihnen werden politische Positionen entwickelt, die dann auf den Kreisparteitagen diskutiert und verabschiedet werden und in die Arbeit unserer Fraktionen und in die Landes- und Bundesebene der CDU einfließen sollen. So wie zuletzt mit unserem Positionspapier zum Strukturwandel.

Erreichen Sie auf diesem Weg auch junge Leute?

Schmitz: Auch, aber nicht nur auf diesem Weg. Darüber hinaus entwickeln wir mit der Bundespartei gerade eine App, die den Mitgliedern das Mitmachen und den Austausch erleichtern soll. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf den sozialen Netzwerken liegen. Dort wird Meinung gemacht. Deshalb muss man als moderne Partei dort auch vertreten sein, seine Standpunkte kundtun und verstärkt in den Dialog mit den Menschen treten. Wir werden uns in den sozialen Netzwerken noch professioneller aufstellen. Hierzu gibt es sehr gute Ansätze, die schon in unseren Orts- und Stadtverbänden praktiziert werden.

Stichwort Professionalität: Im Herbst 2020 wird ein neuer hauptamtlicher Städteregionsrat als Nachfolger von Helmut Etschenberg gewählt. Sie gelten als einer der möglichen Kandidaten.

Schmitz: Ich bin als Kreisvorsitzender in der Position, dass ich die Kommunalwahl gemeinsam mit unseren Verbänden plane. Wir werden uns als Team aufstellen und zu gegebener Zeit auch einen Kandidaten für das Amt des Städteregionsrates präsentieren. Dafür ist aber noch viel zu früh. Wir werden sicherlich nicht den Fehler machen, uns mehr als zweieinhalb Jahre vor der nächsten Kommunalwahl durch eine Kandidatensuche von der Sachpolitik ablenken zu lassen.

Was das Nachrücken in den Landtag angeht, sind Sie bereits Kandidat, und zwar der allererste auf der Liste Ihrer Partei.

Schmitz: Natürlich ist der Draht nach Düsseldorf auch nach meinem Ausscheiden aus dem Landtag nach der letzten Wahl im Mai 2017 weiterhin gut, schließlich gehöre ich unter anderem weiterhin dem Landesvorstand an. Sollte irgendwann der Fall eintreten, dass ich nachrücken könnte, dann stehe ich natürlich bereit. Als Selbstständiger habe ich mir 2012 gut überlegt, in die Politik zu gehen. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich etwas für unsere Region und die Menschen erreichen möchte. Das hat gut funktioniert und würde sicherlich auch wieder gut funktionieren.

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