Heinsberg: Heinrich Koulen: Nur kurze Zeit der Erbauung...

Heinsberg : Heinrich Koulen: Nur kurze Zeit der Erbauung...

Nur die ältere Generation Heinsberger Bürger hat ihn noch in der Erinnerung, den Marienaltar in der Heinsberger Pfarrkirche der Vorkriegszeit, geschaffen von dem Heinsberger Bildhauer Heinrich Koulen.

Am Fuße des Burgberges, in der Josefstraße 9, hatte Heinrich Koulen, der am 19. Oktober 1922 verstarb, sein „Atelier für christliche Kunst”.

Der größte Teil seines Schaffens galt der Gangolfuskirche, darunter das Triumpfkreuz, der Taufaltar, die Kreuzigungsgruppe und die Annaselbdrittgruppe im Hochaltar, die großen Figuren der Heiligen Gangolfus und Aloysius und zwei Engel am Choraufgang. Beim Bombenangriff am 16. November 1944 wurden sie fast restlos zerstört.

Auch sein Hauptwerk, der schöne Marienaltar im nördlichen Seitenschiff mit der Darstellung der Krönung Mariens. Dieser Altar war dem berühmten Altar des Michael Pacher in der Kirche von Sankt Wolfgang in Österreich nachempfunden, ohne das große Vorbild einfach zu kopieren.

Nach jahrelanger Arbeit erstrahlte vor 100 Jahren, genau am 14. September 1902, den Besuchern der Kirche zum ersten Male der Altar in seiner goldenen Pracht. Die Kosten für diesen Altar betrugen 20.000 Mark, die von den Frauen und Jungfrauen der Pfarrgemeinde aus Spendengeldern aufgebracht wurden.

Der Kunstmaler Alwin Windhausen aus Roermond schuf die Gemälde der seitlich angebrachten Altartafeln, und der Maler Leonhard Palm aus Aachen hatte den Altar unter der reichlichen Verwendung von Goldtönen polychromiert.

Im geschlossenen Zustand zeigten die Gemälde auf den Flügeln des Klappaltares links die Verkündigung Mariens und rechts die Geburt Christi mit der Anbetung der Hirten.

Auf der Mittelleiste zwischen beiden großen Gemälden war ein Engel mit dem Heinsberger Wappen dargestellt. Im geöffneten Zustand zeigten die Flügel links die Anbetung der Heiligen drei Könige und rechts den auferstandenen Christus.

Zwischen diesen Gemälden und der Hauptgruppe standen links der Heilige Laurentius und rechts der Heilige Nikolaus. Das Mittelstück des Altares zeigte die Krönung Mariens durch ihren göttlichen Sohn.

Engel hielten und trugen den als Hintergrund dienenden Teppich. Engel musizierten und sangen das Lob Mariens. Darüber schwebte in Gestalt einer Taube der heilige Geist.

Im oberen Teilstück waren Gott Vater und die heilige Familie dargestellt, flankiert in den Seitenfilialen durch die figürlichen Darstellungen der Heiligen Agnes und Maria Magdalena.

Über dem Altartisch befanden sich sieben Reliquienschreine, die nach vorne mit vergoldeten Gittern abgeschlossen waren. Bei der Einweihung des Altares sprach Oberpfarrer Dr. Schneider den Wunsch aus: „Möge er immer seinen hehren Zweck erreichen; zu dienen als Lob der Himmelskönigin und zur Erbauung der Gläubigen”.

Doch nur kurz war die Zeit der Erbauung. Denn nach nur 42 Jahren fiel fast das gesamte Lebenswerk eines rechtschaffenen Künstlers der Vernichtung anheim.