Gangelt: Gründung der Amselschule in Gangelt geht in die entscheidende Phase

Gangelt : Gründung der Amselschule in Gangelt geht in die entscheidende Phase

Geht es in Gangelt um die Amselschule, dreht sich das Gespräch in aller Regel darum, inwieweit sie sich von einer Regelschule unterscheiden wird. Die drei ganz grundlegenden Bestandteile der Idee Schule bleiben aber die gleichen wie seit hunderten von Jahren: Gebäude, Kinder, Lehrer.

Dass das Erreichen einer ausreichenden Zahl an Schülern mehr oder weniger zu einem Selbstläufer würde, war den Schulgründern früh klar. In den kommenden Wochen wollen die Familien, die hinter der Amselschule stehen, auch hinter Gebäude und Lehrer ein Häkchen setzen.

Es ist rund ein Dreivierteljahr her, dass die Idee, im Kreis Heinsberg eine freie Grundschule zu gründen, öffentlich wurde. Seitdem hat sich viel getan. Mittlerweile zählen die Schulgründer mehr als 60 Elternpaare, die die Entstehung der Amselschule vorantreiben, und für die kommenden Jahre sind 80 Kinder angemeldet. Die Gründerinitiative ist zu einer kleinen Bewegung gewachsen. Neben dem Förderverein ist ein Trägerverein gegründet worden, also die Instanz, die die Schule betreiben soll. Mittlerweile geht man auch davon aus, dass inklusiv unterrichtet werden kann.

Unverändert geblieben ist hingegen der angepeilte Starttermin: Das Schuljahr 2019/2020. Bis das beginnt, vergeht noch ziemlich genau ein Jahr, weshalb man sagen kann, dass das Projekt Amselschule langsam, aber sicher in die entscheidende Phase eintritt.

Im Mittelpunkt der Gründerinitiative stehen Kristina und Marlon Dahlmanns sowie Katrin und Markus Salden, beide Ehepaare sind aus Gangelt. Was das Gebäude betrifft, liegt ihnen mittlerweile ein fertiger architektonischer Entwurf vor. Sie sind zuversichtlich, in Kürze auch das Grundstück präsentieren zu können, auf dem der Entwurf verwirklicht werden soll. Bleibt also die Suche nach Lehrer beziehungsweise Lehrerin — und die fällt nun auf das Ende eines Sommers, in dem ganz Deutschland über den Lehrermangel gesprochen hat.

Dabei handelt es sich um ein Thema, das auch an den Grundschulen im Kreis Heinsberg nicht vorbeigeht. Laut Bezirksregierung sind zum Schulstart diese Woche nur 23 von 69 offenen Stellen besetzt worden, was einer mageren Quote von 37 Prozent entspricht. Noch etwas schlechter sieht es im Kreis Düren aus, wo 34 Prozent der verfügbaren Stellen für Grundschullehrer besetzt werden konnten.

Die 59-prozentige Abdeckung der offenen Stellen in der Städteregion Aachen nimmt sich da fast paradiesisch aus. Kein Wunder also, dass die Schulgründer ihre Suche bewusst nicht auf den Kreis Heinsberg beschränken. Am liebsten würden sie anderthalb Stellen vergeben. Sozialpädagoge, Sonderpädagoge und Lernbegeleiter würden das Team vervollkommnen.

Wahrscheinlich wäre es trotz der geringen Zahl an vorhandenen Lehrern gar nicht so schwer, zwei zu finden, die sich von der Aussicht, an der Amselschule zu arbeiten, angesprochen fühlen. Allerdings könnte die Sache auch dadurch kompliziert werden, dass Lehrer mit Beamtenstatus auf das Wohlwollen der Schulbehörde angewiesen sind. Und die Schulbehörde ist ja gerade Teil des Staates, dessen Schulen die freien Schulen Konkurrenz machen.

Verbeamtete Lehrer müssen eine Beurlaubung beantragen, um an der Amselschule unterrichten zu können. Das können sie laut den Schulgründern fünf Jahre lang, ohne ihren Beamtenstatus zu verlieren. Angestellte Lehrer oder solche, die zurzeit noch ihr Referendariat leisten, haben es natürlich leichter. Sie können ohne behördlichen Segen entscheiden, ob sie Amselschullehrer werden wollen.