Städteregion: Großes Personalproblem bei den Kitas der Städteregion

Städteregion : Großes Personalproblem bei den Kitas der Städteregion

Abwarten ist für die Verantwortlichen keine Option mehr. Weil schon heute zahlreiche Erziehungsfachkräfte fehlen und dieser Mangel sich angesichts steigender Geburtenraten noch verschärfen wird, will die Städteregion Aachen nun handeln.

Als Trägerin von neun Berufskollegs (BK) will sie neue Klassen am BK Simmerath Stolberg schaffen, an denen Fachkräfte für die Betreuung von Kindern ausgebildet werden. Eine davon soll in der Eifel entstehen und bis zu zwei weitere in Stolberg. Zusätzlich will man die Hürden für Quereinsteiger in den Erzieherberuf abbauen.

100 Stellen unbesetzt

Es ist ein Sittenbild des Mangels, das sich derzeit in der Kinderbetreuung zeigt. Rund 100 Stellen sind in diesem Bereich in der Städteregion derzeit unbesetzt; etwa jede fünfte davon in leitender Funktion. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die meisten Kitas in der Städteregion zu viele Kinder mit zu wenig personal betreuen müssen.

„Das ist eine gewaltige Menge zusätzlicher Stellen, die wir nicht auf einen Schlag werden besetzen können. Da müssen wir uns heranrobben und vielleicht auch Abstriche bei der Qualität machen müssen“, so Markus Terodde, Bildungsdezernent der Städteregion. Ihm schwebt etwa eine Abstufung der Tätigkeiten vor, so dass auch weniger qualifizierte Arbeitskräfte einfachere Aufgaben übernehmen können.

Nicht nur personell, auch strukturell gilt es dieser Entwicklung entgegenzutreten. Alleine in der Stadt Aachen entstünden daher gerade 20 neue Kinderbetreuungsstätten, sagt Alexander Franzen, Arbeitsgruppenleiter Kindertagesbetreuung der Städteregion.

Er sehe jedoch vor allem bei der Besetzung der offenen Führungspositionen eine Herausforderung, da das Management von Personal und Finanzen noch einmal ganz neue fachliche Ansprüche stelle. Zudem müsse man auch mehr männliche Bewerber in die Erzieherberufe locken: „Der Anteil der Männer wächst zwar langsam, ist aber noch immer sehr gering. Dennoch kann man beobachten, dass sich die gesellschaftliche Akzeptanz für männliche Erzieher verbessert“, sagt Franzen.

Um die zugespitzte Personalsituation bei der Erziehern etwas abzufedern, könnten etwa auch Tagespflegepersonen in die Lücke springen, so die Vorstellung von Sebastian Heyn, dem Jugendamtsleiter der Städteregion. Da diese die Betreuung von Kleinkindern aber nur bis zu einem Alter von drei Jahren übernehmen könnten, sei dies nur ein Baustein von vielen. Ebenso müsse man Quereinsteigern die Erzieherberufe durch Umschulungen besser zugänglich machen — und der Lohn für diese Arbeit müsse stimmen. „Die Bezahlung in den sozialen Berufen ist sicherlich verbesserungswürdig, aber das ist vor allem eine Frage des politischen Willens“, sagt Heyn.

Ein Blick auf die breite fachliche Qualifikation, die Erzieher aus ihrer Ausbildung mitbringen, bestätigt dieses Defizit. „Das Bild der Erzieherin hat sich grundlegend gewandelt. Es gibt mittlerweile ein Bewusstsein, dass sie eben nicht nur auf der Holzbank sitzt und den Kindern beim Spielen zusieht“, erklärt Andrea Schäpermeier, die Leiterin der Abteilung Sozial- und Gesundheitswesen I am Berufskolleg Simmerath Stolberg. Auf dem Lehrplan stünden heutzutage ebenso naturwissenschaftliche Bildung, Motorik, handwerkliche Fähigkeiten, Sport, künstlerische Bildung und Forschung. Und das alles — wohl bemerkt — zusätzlich zur eigentlich pädagogischen Grundausbildung.

Nun mögen sich manche fragen: Wer tut sich das alles an? Zum Beispiel Lena Bierbach, die gerade am BK Simmerath Stolberg mitten in der Ausbildung zur Erzieherin ist. Trotz allem ist sie von ihrer Berufswahl überzeugt, was aber auch am persönlichen Einsatz der Lehrkräfte liege, wie sie sagt. „Die sind immer mit Leidenschaft dabei und sorgen für eine gute Durchmischung mit den anderen Schulen, dass man es nicht immer mit denselben Leuten zu tun hat.“ Wichtig sei dabei auch, dass man für Situationen geschult werde, die in einem reibungslosen Lebenslauf nicht vorgesehen seien, wie etwa der Tod eines Elternteils oder die Verlegung in ein Kinderheim.

Mehr Anerkennung

Die Erzieher arbeiten im Übergang vom Kleinkind-Dasein in die Schulzeit und damit an einem entscheidenden Knotenpunkt im Leben der Kinder. So sieht es auch die Schulleiterin des BK Simmerath Stolberg, Ingrid Wagner, weshalb dieser Beruf und dessen Ausbildung mehr Anerkennung brauche. „Und“, so ergänzt Arbeitsgruppenleiter Franzen: „Man muss bedenken, dass die Kita gerade in der Eifel häufig noch die letzte öffentliche Einrichtung in den Gemeinden sind.“