Kreis Düren: Große Einigkeit in Sachen neues Logistikzentrum

Kreis Düren : Große Einigkeit in Sachen neues Logistikzentrum

Eitelkeit ist für Peter Münstermann kein Thema. „Eitelkeit ist mir gänzlich fremd“, sagte der SPD-Landtagskandidat. „Ich bin auch kein Machtmensch. Aber ich bin sehr ehrgeizig.“ Amtsinhaber Wolfgang Spelthahn (CDU) sieht sich selbst anders.

„Eine gewisse Eitelkeit ist schon da. Und wenn ich in diesen Tagen meine Wahlplakate sehe, ärgere ich mich schon, dass ich mit meiner Diät nicht früher angefangen habe. Mit noch besseren Bildern würde ich mich wohler fühlen.“

 Rund 160 Leute waren zu der Veranstaltung in den Räumen der „Fabrik für Kultur und Stadtteil“ gekommen.
Rund 160 Leute waren zu der Veranstaltung in den Räumen der „Fabrik für Kultur und Stadtteil“ gekommen. Foto: Sandra Kinkel

Wolfgang Spelthahn (52) und Peter Münstermann (59) haben sich bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung den Fragen unserer Redakteure Ingo Latotzki und Stephan Johnen gestellt. Knapp 160 Bürger nahmen an der Veranstaltung in den Räumen der „Fabrik für Kultur und Stadtteil“ (Becker & Funck) teil — und konnten deutliche Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten ausmachen.

Finanzen, Strukturwandel und der neu aufzustellende Nahverkehrsplan waren die Themen, mit denen sich beide Politiker auseinandergesetzt haben. In einer Quizrunde mit Fragen zum Kreis Düren und beim Torwand-Schießen konnten die Politiker zudem ihre Fähigkeiten und ihr Geschick abseits der Politik unter Beweis stellen.

„Als Kind wollte ich Fußballer werden, später Jurist. Aber im Augenblick ist Landrat mein Traumberuf“, sagte Wolfgang Spelthahn. Peter Münstermann möchte ein „Landrat für die Bürger“ sein. „Ich bin gerne Landtagsabgeordneter“, betont der Sozialdemokrat. „Aber ich habe gemerkt, dass ich doch eher ein Praktiker bin. Ich glaube, dass ich im Kreis Düren etwas verändern kann. Und es wird Zeit, dass sich hier etwas verändert.“

Einer der großen Unterschiede zwischen Spelthahn und Münstermann liegt in ihrer jeweiligen Personalführung. Münstermann führte aus, dass es zunächst reiche, die Dezernenten und die Mitarbeiter, die ihm als Landrat persönlich zugeordnet sind, zu führen. „Ich kann Leute motivieren, ich werden allen Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen.“

Spelthahn dagegen will Rahmenbedingungen und Ziele für alle 1700 Kollegen der Kreisverwaltung setzen. Münstermann kündigte an, mit 2000 Euro seines Privatvermögens als Prämien für besonders motivierte Verwaltungsmitarbeiter auszuloben. „Das ist nur leider gar nicht erlaubt“, konterte der Amtsinhaber. „Ich lade die Leute einmal im Jahr schön zum Essen ein. Und glauben Sie mir, dafür gebe ich mehr als 2000 Euro aus. Und wir haben zusammen eine gute Zeit.“

In Sachen Finanzen setzt Spelthahn auf gute, innovative Ideen. „Mit Geld kann jeder gestalten. Aber knappe Kassen dürfen keine Entschuldigung sein.“ 80 Prozent seines Etats wendet der Kreis Düren für Jugend- und Sozialleistungen auf. „Hier haben wir durch kreative Ideen anderthalb Millionen netto eingespart. Das ist der richtige Weg.“ Es sei wichtig, die Schulsozialarbeit zu stärken. Spelthahn: „Wir müssen um jedes Kind kämpfen. Kinder, die die Schule verweigern, sind unsere Sorgenfälle von morgen.“

Peter Münstermann glaubt, dass im Kreis Düren mehr gegen Kinderarmut und Langzeitarbeitslosigkeit unternommen werden muss. „Es gibt viele Fördermöglichkeiten für Unternehmen, die bereit sind, Langzeitarbeitslosen eine Chance zu geben. Die müssen wir nutzen. Das wäre eine Aufgabe, die ich auf jeden Fall als Chef begleiten würde.“

Spelthahn reagierte prompt: „Komisch, dass wir diese Projekte im Kreis Düren seit Jahren haben und dafür sogar auch schon von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft gelobt worden sind.“ Überhaupt verstand es Wolfgang Spelthahn gut, die Bühne für sich zu nutzen, wohingegen der Herausforderer mit seinen Gedanken und Ideen bei den Zuhörern kaum punkten konnte.

Mehr Effizienz

In Sachen Nahverkehrsplan will Spelthahn auf „intelligente Kombinationen zwischen Bus, Bahn, Schnellbuslinie, Anruf-Sammeltaxi und Dorfauto“ setzen. „Mit den gleichen Kosten können wir in Sachen öffentlicher Personennahverkehr effizienter arbeiten.“ Auch über einen variablen Schulbeginn müsste konstruktiv diskutiert werden. „Wenn es uns gelingt, dass die Schulen nicht alle zur selben Zeit aufmachen, können wir damit die Kosten der Schülerbeförderung massiv senken.“

Einig waren sich die beiden Kandidaten, dass die Zeit der Braunkohle endgültig vorbei sei. Münstermann: „Der Kreis Düren ist in Bezug auf Tourismus, Handwerk, Landwirtschaft und Industrie vielfältig und breit aufgestellt. Die Arbeitsplätze, die durch den Tagebau wegfallen, müssen in Gänze in der Region bleiben.“ Münstermann kündigte an, einen „Struktur- und Gewerbeplan“ sowie einen Energiemasterplan erstellen zu lassen.

In Sachen Windenergie, ist Münstermann überzeugt, müsste es einen gemeinsamen Weg für den Kreis Düren, so dass alle Kommunen davon profitieren könnten. „Ich würde darüber hinaus allen Gemeinden helfen, ihre freien Gewerbeflächen zu vermarkten, um so Arbeitsplätze zu schaffen.“ Spelthahn verwies auf die bereits existierende Übersicht der freien Gewerbeflächen im Kreis Düren. „Und was die Ausweisung von Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen angeht: Das ist Hoheitsgebiet der Bürgermeister und Räte.“

Drittes Gleis muss kommen

Beide Kandidaten glauben, dass ein neues Logistikzentrum am Kraftwerk Weisweiler helfen kann, den Strukturwandel besser zu verkraften. Spelthahn: „Was wir brauchen, ist das dritte Gleis auf der Bahnstrecke zwischen Aachen und Köln.“ Es sei entscheidend, eine gute Infrastruktur vorzuhalten. Beide sind einer Meinung, dass das dritte Gleis benötigt werde, um ein Güterverkehrszentrum in Weisweiler wirklich realisieren zu können und um zukunftsfähige Unternehmen im Kreis Düren anzusiedeln. Dafür wolle man sich in Berlin stark machen.