Kreis Heinsberg: Großalarm bei Schlafhorst: 350 Kräfte zur Übung vor Ort

Kreis Heinsberg : Großalarm bei Schlafhorst: 350 Kräfte zur Übung vor Ort

Großalarm bei „Saurer.Schlafhorst“ in Übach-Palenberg: Am Samstagvormittag wurden bei einem Betriebsunfall in der Galvanikabteilung 15 Menschen durch austretende Chemikalien verätzt und verletzt. Zum Glück war dies nur ein Übungsszenario, das dennoch dafür sorgte, dass der Verkehr rund um das Maschinenbauunternehmen und den angrenzenden CMC-Komplex großflächig umgeleitet werden musste.

Schließlich mussten bei der konzertierten Aktion der Feuerwehr Aachen und des Kreises Heinsberg gut 350 Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens gebracht werden.

 Ralf Johnen (r.) von der Berufsfeuerwehr Aachen geleitete die hochrangigen Gäste durch das Übungsszenario.
Ralf Johnen (r.) von der Berufsfeuerwehr Aachen geleitete die hochrangigen Gäste durch das Übungsszenario.

In Windeseile wurde der „Behandlungsplatz 50“ (BHP 50), der rund 50 Patienten pro Stunde behandeln und an die umliegenden Krankenhäuser weiterleiten kann, aufgebaut. Der riesige Parkplatz des Firmengeländes erwies sich dabei als ideal, denn hier wurden die nötigen Stationen in einer guten Dreiviertelstunde aufgebaut. „Der BHP 50 war nötig, weil das endgültige Ausmaß des Ereignisses nicht abzusehen war“, schilderte Ralf Rademacher von der Berufsfeuerwehr in Aachen das Szenario.

 Feuerwehr und Dekontaminationseinheit arbeiteten Hand in Hand.
Feuerwehr und Dekontaminationseinheit arbeiteten Hand in Hand.

Der BHP 50 der Berufsfeuerwehr Aachen, der die Opfer des Unfalls in drei verschiedenen Schweregraden von schwer bis leicht umfassend vorbehandeln kann und durch im Fischgrätenmuster bereitstehende Transportfahrzeuge eine sichere Verlegung in Krankenhäuser sicherstellt, wurde so erstmals getestet.

Daneben wurde im Verbund der Rettungskräfte mit der Berufsfeuerwehr Aachen, der Freiwilligen Feuerwehr Aachen, der Freiwilligen Feuerwehr Übach-Palenberg, der Feuerwehr im Kreis Heinsberg, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser Hilfsdienst, der Johanniter-Unfallhilfe, dem Technischen Hilfswerk Aachen und der Bezirksregierung Köln nicht nur die Koordination im Ernstfall geprobt.

„Solch ein Einsatz ist auch das Abbild der Landeskonzeption für derartige Einsatzlagen“, betonte Jürgen Wolff, Leiter der Berufsfeuerwehr Aachen. Denn was am Samstag bei Schlafhorst geprobt wurde, könnte demnächst auch bei realen Einsätzen oder weiteren Übungen in NRW zum Einsatz kommen. „Diese Teile der Landeskonzeption haben wir bisher nicht miteinander geübt, es hat aber gut funktioniert“, freute sich Wolff.

ABC-Einheit vor Ort

Dabei gelang auch die Integration der ABC-Einheit der Feuerwehr im Kreis Heinsberg. Denn sie übernahm nach der Sichtung der Lage durch den betriebseigenen Brandschutz und den Transport der geschädigten Personen die Dekontamination der Menschen. Dafür schlüpften sie in gelbe Schutzanzüge, transportierten die Opfer in einen eigens aufgestellten Dekontaminationscontainer, wo die Personen auf der einen Seite mit Verätzungen und Chemikalienanhaftungen eingeliefert, in der Mitte gereinigt und auf der anderen Seite vorbehandelt zum Abtransport zum BHP 50 vorbereitet wurden.

„Neben den betroffenen Mitarbeitern sind auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr Übach-Palenberg zu dekontaminieren“, erklärte Ulrich Hollwitz, Pressesprecher des Kreises Heinsberg. Schließlich waren diese Wehrleute zuerst am Einsatzort. Um die 100 Fahrzeuge kamen zum Einsatzort.

Die Zahl der Schaulustigen blieb dabei erstaunlich gering. Da es sich um eine Übung handelte, lief zumindest auf der Seite der Zaungäste alles entspannt ab, während die Einsatzkräfte die Übung natürlich ernst nahmen und am Ende durchweg gute Noten bekamen. „Die Bezirksregierung Köln hat ein sehr hohes Interesse an der Anwendung solcher Sicherheitskonzepte“, stellte Bezirksbrandmeister Manfred Savoir fest.

Solche Termine und deren Ergebnisse seien unverzichtbar, „und ich habe den Eindruck, dass von der Mobilmachung der Kräfte bis zum Ablauf alles bemerkenswert erfolgreich abgelaufen ist“, lobte Savoir.

Spontane Übung

Erfolgreich ist übrigens auch die eigene Gefahrenabwehr im Werk, wie Jan Röttgering von der Geschäftsführung von „Saurer.Schlafhorst“ abschließend anfügte.

„Die Galvanik ist ein seit vielen Jahren unfallfreier Bereich“, freute er sich, und dass die betriebsinternen Sicherheitskonzepte greifen, sei auch daran ablesbar, dass eine spontane Alarmübung vor eineinhalb Wochen mit 500 Teilnehmern ebenfalls reibungslos verlaufen sei. Insofern durfte es am Ende der gelungenen gemeinsamen Katastrophenschutzübung gleich mehrfach Entwarnung geben, denn nicht nur Landrat Stephan Pusch vom Kreis Heinsberg sah den Einsatz als „sehr gelungenes Beispiel für regionale interkommunale Zusammenarbeit“ an.

(mabie)