Griff ins Portemonnaie der Eltern

Griff ins Portemonnaie der Eltern

Kreis Heinsberg. Die Sommerferien sind noch nicht zu Ende, da mag niemand gerne an Schulbücher denken, schon gar nicht die Schüler.

Um so mehr haben sich Eltern, Schulpflegschaften und -konferenzen sowie die Schulämter mit diesem Thema beschäftigen müssen.

Die Landespolitiker haben dies nämlich schon vor ihnen getan und so ist zum 1. August die jüngste Änderung des Lernmittelfreiheitsgesetzes NRW in Kraft getreten - die „Sonderregelung zur Entlastung der Kommunen”.

Kurz gesagt: Eltern müssen ab sofort mehr Geld für die Schulbücher ihrer Sprösslinge ausgeben. Die HZ hakt nach.

Eltern müssen ab diesem Schuljahr für die Schulbücher ihrer Kinder tiefer in die Tasche greifen.

Grob über den Daumen gepeilt, hat sich mit der vom NRW-Landtag beschlossenen „Sonderregelung zur Entlastung der Kommunen” der Elternanteil nahezu verdoppelt - quer durch alle Schulformen. Also eine spürbare Entlastung der gebeutelten Städte und Gemeinden? Keineswegs.

„Das ist für uns ein Plus/minus-Null-Geschäft”, erläutert Leo Vraetz von der Gemeindeverwaltung Waldfeucht. „Das ist keine Einsparung, ne, ne. Nur auf den ersten Blick sieht das so aus.”

Zwar würden die Eltern stärker herangezogen, aber da der von Kommunen und Eltern gemeinsam aufzubringende Durchschnittsbetrag je Schüler ebenfalls aufgestockt worden sei, werde der höhere Elternbeitrag aus Sicht des Schulträgers wieder kompensiert. Von einer Entlastung der Kommunen könne da keine Rede sein.

Im vergangenen Schuljahr hat die Gemeinde Waldfeucht 21.900 Euro für Lernmittel aufgewendet, im kommenden werden es voraussichtlich 24.000 Euro sein, da die Schülerzahl der Hauptschule Haaren gestiegen ist.

Rechne man diesen Anstieg heraus, so Vraetz, sei man wieder bei „plus/minus Null”.

Von einem „Nullsummen-Spiel” für die Stadt Wegberg spricht auch Gerd Pint, Sachgebietsleiter Schulamt. Ein ähnliches Bild ergibt sich in Heinsberg. Hier erwartet Kämmerer Friedel Ullrich sogar einen leichten Anstieg der städtischen Ausgaben für Lernmittel: von rund 112.000 Euro im letzen Schuljahr um zirka 3500 Euro auf 115.000 bis 116.000 Euro.

BuchkaufaufeigeneRechnung oder als Sammelbestellung

Die Form der Anrechnung des Eigenanteils der Eltern erfolgt je nach Kommune in der Regel auf zwei verschiedene Arten: Entweder erhalten die Eltern ein Schreiben, in den ihnen mitgeteilt wird, welches Buch bzw. welche Bücher sie - nach Entscheidung der Schulkonferenz - im Wert des Eigenanteils selbst zu kaufen haben;

so zum Beispiel in der Gemeinde Selfkant, in Heinsberg und an einigen Hückelhovener Schulen. Oder die Eltern schließen sich freiwillig - von den Schulen eigenverantwortlich organisiert - zu Sammelbestellungen zusammen, etwa in Wassenberg und Waldfeucht sowie an vielen Erkelenzer und Wegberger Schulen.

Die Vorteile einer Sammelbestellung liegen auf der Hand: Man kann zumeist Rabatte aushandeln und so Geld für andere Lernmittel sparen. Zudem brauchen die Eltern nicht alle einzeln zum Buchhändler zu gehen.

An diversen Hückelhovener Schulen wird nach Auskunft der Stadt eine dritte Variante praktiziert - hier bieten einige Schulen an, einen Pauschalbetrag in Höhe des Elternanteils direkt einzuziehen.

Für die Kommunen ein Nullsummen-Spiel, für die Eltern eine deutliche Anteils-Erhöhung - wo ist der Nutzen der „Sonderregelung”?

Sowohl der 1. Beigeordnete der Stadt Erkelenz, Dr. Hans-Heiner Gotzen, als auch der Wegberger Sachgebietsleiter Schulamt, Gerd Pint, betonen, dass ab diesem Schuljahr insgesamt mehr Geld für Lernmittel zur Verfügung stehe, da auch der Durchschnittsbetrag der je Schüler anzusetzenden Lernmittelkosten angehoben worden sei.

Dieses zusätzliche Geld gehe direkt in die Qualität der Lernmittel und in eine bessere Ausstattung der Schulen mit Lernmitteln.

Einen weiteren positiven Effekt zeigt die Anhebung des Elternanteils offenbar schon jetzt: Mit selbst bezahlten Büchern wird offensichtlich pfleglicher umgegangen, denn in einzelnen Heinsberger Geschäften wird eine verstärkte Nachfrage nach Schutzhüllen festgestellt!