Baesweiler: Grenzlandkarneval: Größeres Museum auf der Wunschliste

Baesweiler : Grenzlandkarneval: Größeres Museum auf der Wunschliste

Glänzende Orden in Vitrinen, bunte Zeichnungen an den Wänden, uralte Zeitungsberichte, Fotos der Präsidenten und Figuren in traditionellen Kostümen schmücken das Haus des Grenzlandkarnevals in Würselen. Über 80.000 Archivalien von über 600 Organisationen werden hier aufbewahrt. Sie zeigen die Geschichte des jahrhundertealten Brauchtums Karneval.

Schon lange ist diese Ausstellungsstätte ein Herzensanliegen des Präsidenten des Verbandes der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise, Reiner Spiertz. Seit 2007 gibt es das Haus des Grenzlandkarnevals, und es füllt sich immer mehr mit historischen Schmuckstücken, auch aus Privatsammlungen. „Der Architekt riet uns, die Ordensammlung in den Keller zu verlegen“, sagt Spiertz und lacht. „Die 12.000 Orden bringen ein so hohes Gewicht auf, dass die Holzböden diesem dauerhaft nicht standhalten würden.“

Daher müssen neue Räume her: Wunsch ist es, das Archiv im Nebenhaus zu erweitern, das derzeit noch als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird. „Die finanziellen Mittel reichen bislang noch nicht aus für den Kauf und für die Renovierungsarbeiten“, erklärt Spiertz. „Doch unser Förderverein arbeitet intensiv daran.“

Die nächste Veranstaltung, die die Kassen wieder füllen könnte, ist die internationale Grenzlandbegegnung von Freitag bis Sonntag, 28. bis 30. Oktober, die in Baesweiler stattfindet. Alle fünf Jahre feiern die Vereine des Verbandes gemeinsam mit Karnevalsfreunden aus den Niederlanden, Belgien, Frankreich sowie aus Österreich und der Schweiz. „Ein Plus wäre schön, aber wir sind schon zufrieden, wenn wir keinen Verlust machen“, meint Spiertz zuversichtlich.

Mit Unterstützung von Spenden und Sponsoren wurde ein buntes Programm aufgestellt. Die Haupt-Acts des großen Festabends am Samstag sind „De Räuber“ aus Köln und die Schlager- und Musicalsängerin Sarah Schiffer aus Herzogenrath. Aber auch viele andere Künstler werden die Dreifachsporthalle an der Jülicher Straße, die für 900 Menschen Plätze bereithält, mit Stimmung erfüllen.

Doch nicht nur Feiern steht am Festwochenende auf dem Ablaufplan. „Karneval ist mehr als ,Alaaf‘ rufen“, sagt der Präsident im 22. Amtsjahr mit Deutlichkeit: „Viel wichtiger ist es, das Brauchtum zu erhalten und die Vereine in unserer Region zu präsentieren.“ Beim Begrüßungs- und Kennenlern-abend am Freitag vor dem Festabend treffen sich daher die Vereine, Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens und Politiker zum Gespräch. „Die Grenzbegegnung gibt Anlass zum Austausch und ermöglicht es, auch die Vereine aus anderen Regionen und aus dem Ausland kennenzulernen“, erklärt Spiertz.

Am Samstagmorgen um 10 Uhr wird Professor Dr. Werner Mezger, Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Uni Freiburg, zum Thema „Karneval — Gestern, Heute und Morgen“ vortragen. Veranstaltungsort ist das ITS am Arnold-Sommerfeld-Ring 2 und nicht, wie noch auf der Homepage angegeben, die Scheune der Burg Baesweiler, so der Hinweis Spiertz‘.

Neben Teilnehmern aus Karneval, Politik und Wissenschaft sind auch alle Bürger eingeladen. „Immer wieder hört man, Karneval werde weniger gefeiert: Ich vernehme das ganz anders und viele andere vielleicht auch“, sagt Spiertz, der nächstes Jahr 60 Jahre aktiver Karnevalist ist. Bei der internationalen Jugendbegegnung am Sonntag werden Kinder und Jugendliche zeigen, dass Karneval immer noch viel Anklang bei der jungen Generation findet.

Ein Programm junger Künstler der Region und aus den Niederlanden kann man sich ab 11 Uhr auf dem Kirchplatz in Baesweiler ansehen. Zahlreiche Zuschauer werden zum großen Folklore-Umzug erwartet, Aufstellung ist an der Roskaul.

Schon seit 1963 treffen sich die Vereine zur Grenzbegegnung. Entstanden ist diese Idee aus persönlichen Freundschaften in den Grenzstädten Herzogenrath und Kerkrade. Irgendwann kam die erste Einladung nach Kohlscheid. Der Weg über die Grenze, war damals noch mit Kontrollen und Zeitaufwand verbunden, was alle gerne in Kauf nahmen.

„So ist eine große Gemeinschaft entstanden“, blickt Spiertz stolz zurück. „Den Gedanken vom gemeinsamen Europa leben wir schon seit 1963.“ Der Austragungsort wechselt jedes Mal, so dass schon in jeder Gegend des Verbands eine Grenzbegegnung stattfand.

Eintrittskarten gibt es in Baesweiler bei Bustouristik Kapser, Kückstraße 23, bei Lotto-Schreibwaren Gerhards, In der Schaf, und unter www.grenzlandkarneval.de oder an der Abendkasse.

(ll)