Selfkant-Tüddern: Graf Zwentibold sorgt für tiefe gemeinsame Wurzeln

Selfkant-Tüddern : Graf Zwentibold sorgt für tiefe gemeinsame Wurzeln

Eine große Zeitreise durch die Geschichte erlebten zahlreiche Gäste im großen Sitzungssaal des Rathauses Tüddern. „Mit der heutigen Vorstellung des historischen Jahrbuches Van het Land van Zwentibold wird uns zum wiederholten Male unsere gemeinsame kulturelle Wurzel und Geschichte vor Augen geführt”, begann der Selfkanter Bürgermeister Herbert Corsten seine Rede.

Aus der Geschichte heraus gilt der Namensgeber der Stifung, Graf Zwentibold, König von Lothringen, einerseits als unbegabt und hemmunglos, andererseits als Förderer für den Bau von Kirchen und Klöstern.

Der Graf kam bei einem Gefecht nahe Susteren gegen die Grafen Matfrid und Stephan ums Leben. Er hat in der Abtei Susteren seine letzte Ruhestätte gefunden. Franz-Josef Dahlmanns, Leiter der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg, blickte auf rund 1400 Veranstaltung der VHS, sah aber die offizielle Übergabe des Jahrbuches durch die Stiftung als eine besondere Veranstaltung an.

Im späteren Verlauf der Feierstunde wurde deutlich, wie sehr die Wurzeln im Maasland bis weit ins deutsche Gebiet reichen. Dabei ist die Historie des Maaslandes mit jener des Grafen Zwentibold sehr eng verbunden. Dies zeigt die Namensgebung von Isenbruch mit Isebroek und Ijzerenbosch, ferner durch die Burg Millen mit ihrem besonderen Status vergangener Tage.

Die „Stiftung Jaarboek van het Land van Zwentibold” griff das Jubiläumsjahr im Selfkant - 40 Jahre Gemeinde Selfkant und 60 Jahre Auftragsverwaltung - auf und überreichte offiziell die erste Ausgabe des Jahrbuches an Bürgermeister Herbert Corsten.

Drs. Guss Janssen blickte ebenfalls auf eine sehr enge Verbindung im großen Maasland. „1949 kam der niederländische Löwe in den Selfkant, 1963 wurde dieser gegen den Adler eingetauscht und fünf Jahre später holt ihr euch den Löwen wieder zurück”, hatte Drs. Guus Janssen die Lacher auf seiner Seite.

Janssen erinnerte an Dr. Jan Theunisse, der über 25 Jahre lang Vorsitzender der Stiftung war. „Jetzt habe ich Zeit mich um andere Dinge zu kümmern, kann mich mit einem großen Nachlass des Drostambts Tüddern von der Auftragsverwaltung geschäftigen”, so Theunisse vor Jahren.

Das Jahrbuch zeigt dann auch das Titelbild mit der Anbringung des neuen Amtschildes am Rathaus Tüddern. Die Zeit der Auftragsverwaltung hat im Jahrbuch einen würdigen Platz gefunden.

Für 14 Jahre war die Region Selfkant in der Zeit von 1949 bis 1963 durch die Auftragsverwaltung mit den Niederlanden vereint. Josef Laumen, erster Gemeindedirektor nach der Rückgliederung berichtete von dieser kurzen Etappe der Selfkanter Geschichte.

Nach der Rückgliederung im August des Jahres 1963 unterstützte der Kreis Heinsberg die Gemeindeverwaltung beim Wiederaufbau. Am 12. Dezember 1963 wurde Josef Laumen als erster Gemeindedirektor der Gemeinde Selfkant gewählt, trat dann offiziell zum 1. Januar 1964 sein Amt an.

Der frisch gekürte Gemeindedirektor Laumen erlebte keinen leichten Wiederaufbau mit Problemen bei der Wasserversorgung, der Müllabfuhr, Grundstücksfragen sowie bei Grenzgängen von Arbeitnehmern. Ansätze grenzüberschreitender Verbindungen gab es bereits, dennoch wirkte die Bürokratie auf beiden Seiten als Hemmschwelle.

Vieles lag am Westzipfel damals im Argen. Von den Schwierigkeiten im deutsch-niederländischen Grenzgebiet und den Lösungsansätzen ist im Jahrbuch nachzulesen.