Eschweiler: Goldglänzende „Ernte“: Rund 20 Kilogramm feinsten Honig vom Rathausdach

Eschweiler : Goldglänzende „Ernte“: Rund 20 Kilogramm feinsten Honig vom Rathausdach

Sie haben gute Arbeit geleistet, die rund 50.000 Bienen, deren Heimat das Dach des Eschweiler Rathauses ist. Zwei Bienenstöcke haben Eschweiler Imker dort vor rund einem Jahr aufgestellt. Jetzt fuhren Wolfgang Zylus und Andreas Rademacher zum ersten Mal die goldglänzende „Ernte“ ein: rund 20 Kilogramm feinsten Honigs.

Honig mitten aus der Stadt — geht das? Das geht. Das haben nicht nur Bienenvölker am Paul-Löbe-Abgeordnetenhaus gleich neben dem Berliner Reichstag, in Paris, München und im Ruhrgebiet längst bewiesen, das zeigt sich nun auch auf dem Dach der Eschweiler Verwaltungshochburg. Vor zwei Jahren schon hatten Eschweiler Imker um Wolfgang Zylus die Idee; im Jahr darauf schrieb auch die SPD sich die „Stadtbienen“ auf die Fahnen. Im vergangenen Sommer schließlich wurde eine Königin mit 2000 Vasallen aufs Rathaus umgesiedelt. Im Herbst hatte sich die Zahl der Bienen bereits auf 14.000 erhöht; heute summen dort zwei Völker mit insgesamt 50.000 Tieren um die beiden Bienenstöcke. Bis zum Herbst wird sich die Zahl wieder auf etwa 14.000 reduziert haben. Sommerbienen, so erklärt Wolfgang Zylus, werden nur etwa vier bis sechs Wochen alt. Die Königin dagegen bringt es auf drei bis vier Jahre.

Nur die Arbeiterinnen und die Königin überleben — die männlichen Tiere werden verstoßen.

Winterbienen haben übrigens eine weit längere Lebensperspektive als ihre Sommer-Artgenossen: Sie kommen im September zur Welt und sterben im Frühjahr.

Es gibt eine Menge Interessantes über Bienen zu erzählen. Und das tut Wolfgang Zylus auch gern und häufig. Bis Anfang des Jahres war er Vorsitzender des Eschweiler Bienenzuchtvereins, dessen Mitgliederzahl er in dreieinhalb Jahren von zehn auf 27 Mitglieder gesteigert hatte. Heute ist er Ansprechpartner für zahlreiche Gruppen — Schulklassen, Kita-Gruppen, Vereine —, die die „Stadtbienen“ auf dem Rathausdach bestaunen und gern mehr wissen möchten. „Das Rathausdach ist zu einem außerschulischen Lernort geworden“, sagt Stadtsprecher René Costantini.

„Es ist wichtig, dass wir die Leute für das Thema Bienen sensibilisieren“, sagt er, „gerade in Zeiten, in denen die Tiere so bedroht sind wie nie zuvor.“ Deshalb denken Zylus und Costantini derzeit auch über Schautafeln nach, die Rathausbesucher am Dachzugang im sechsten Stock über Leben und Probleme der Bienen informieren — inklusive eines Schaukastens, in dem ein Bienenvolk hinter Glas beobachtet werden kann.

Mit der Leidenschaft für Bienen und die Imkerei angesteckt hat sich auf dem Rathausdach auch Patrick Frenkel, Lehrer an der Gesamtschule Waldschule. Nach einem Besuch auf dem Rathaus startete der das „Bienenprojekt“ für Schüler. Seit Juni steht nun auch an der Waldschule ein Bienenstock, dessen Bewohnerzahl sich seither verdreifacht hat. Schon 2016 hat der Bienenzuchtverein zudem Bienenstöcke im Stadtwald, in der Nähe des Kopfweihers, aufgestellt.

Stadtwald — schön und gut. Aber mitten in der Innenstadt? „Schauen Sie sich mal um“, sagt Zylus auf dem Rathausdach. „Wohin Sie sehen, überall ist es grün. Die Bienen fliegen in einem Radius von zwei Kilometern. Und sie würden sich wundern, was alles an Pflanzen auf Dachterrassen und Balkonen wächst. Und fast nichts davon ist gespritzt.“ Beste Voraussetzungen für besten Honig also, von dessen Geschmacksqualität sich René Costantini gleich vor Ort überzeugte: „Lecker!“

Wer vom „Stadt-Honig“ kosten möchte, der muss sich noch etwas gedulden. Zunächst muss der frisch geerntete Honig geschleudert und gefiltert werden und noch etwas reifen, ehe er etwa ab Ende August an der Rathaus-Infotheke zu haben sein wird. Für sechs Euro das Pfund. Wovon zwei Euro einem guten Zweck zufließen.

(rm)
Mehr von Aachener Nachrichten