Erkelenz: „Glückauf” führte durch die Jahrhunderte

Erkelenz : „Glückauf” führte durch die Jahrhunderte

„Musik, Du himmlisches Gebilde voll hoher Macht”, intonierte der Werkschor „Glückauf” der Firma Wirth im Alten Rathaus von Erkelenz.

Diese Zeile stammt aus Anton Bruckners Liedschöpfung „Trösterin Musik”. Des Trostes bedurften die vielen Zuhörer im Grunde jedoch nicht, denn die Sänger demonstrierten auf vielfältige Weise, dass sie sich nicht nur mit Maschinen und Bohrgeräten bestens auskennen:

Auch ihre Stimmbänder waren gut geölt während des Konzertes zugunsten der „Lebenshilfe für Behinderte” (Werkstätten Oberbruch). 1500 Euro kamen zusammen, eine Summe, mit der die Musiker sicherlich zufrieden sein können.

Im Gegenzug entführte der Chor das Publikum auf eine „Musikalische Reise durch die Jahrhunderte”. Die Gesamtleitung hatte Dirigentin Alexandra Simons.

Neben englischen sowie kroatischen Volksliedern standen deutsche Tänze, Unterhaltungsstücke und sogar Opernszenen auf dem Programm. Unterstützt wurden die Sänger von Baritonist Wolfgang Tombeux.

Am Klavier begleitete den Chor Karsten Seefing. Gleich zu Anfang des Konzertes ging es nach Italien auf die malerischen Wasserwege Venedigs, um alsbald „in das weite Meer der Harmonie abzudriften”. Franz Schubert bearbeitete dieses Thema in dem Stück „Der Gondelfahrer”.

Etwas später dann unternahm der Chor einen Streifzug durch die Nacht. In „Der Wanderer an den Mond” textet Schubert idealistisch: „Glücklich wer, wohin er geht, auf der Heimat Boden steht.”

Eher bedrückend wirkte da schon seine Vertonung von Goethes schonungslosem Gedicht „Wanderers Nachtlied”.

Als wahrer Schnellsprech-Spezialist entpuppte sich Baritonist Tombeux, als er den englischen Schüttelreim „Oliver Cromwell” anstimmte.

„Es ist vorbei, bevor es angefangen hat und schwer zu sprechen”, so sein Fazit. Auch auf dem Feld der klassischen Musik hatte er einiges zu bieten.

So gehörte zu seinen Soloauftritten die Opernszene „Chor der Gefangenen” - allerdings nicht aus Verdis „Nabucco”, sondern aus Beethovens einziger Oper „Fidelio”.

Darüber hinaus führte Tombeux die Arie des wütenden Grafen aus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro” sowie den Ausschnitt „Mein Sehnen, mein Wähnen” aus Erich Wolfgang Korngolds modernem Bühnenwerk „Die tote Stadt” auf.

Nach dem Ausflug in dramatische Gefilde bot der Werkschor zum Ausgleich leichte Unterhaltungskost in Form von „kleinen Kunstwerken auf Abwegen”:

Die Musiker gaben unter anderem das heitere Lied „Der Junggeselle” von Zoltan Kodaly wieder, sangen vom Tempo der Zeit, von Fischen und Schmetterlingen sowie vom Kartenspielen und Kegelschieben.

Der lang anhaltende Applaus verwies noch einmal auf die Begrüßungsworte von Wirth-Geschäftsführer Niko Kleuters: „Der volle Saal zeigt, wie attraktiv diese Veranstaltung ist.”