Segnungen unter den drei Linden: Gläubige feiern Vintelner Kräuterweihe

Segnungen unter den drei Linden : Gläubige feiern Vintelner Kräuterweihe

Im Grunde ist es seit 30 Jahren das Gleiche — und doch jedes Mal anders und immer wieder schön. Die Kräuterweihe an der Vintelner Feldkapelle feierte an Mariä Himmelfahrt ihr kleines Jubiläum, und über 500 Gäste ließen sich dieses Fest nicht entgehen.

Die Sonne ließ sich nach einem wolkigen Tag noch einmal im Westen sehen, ein leichter Wind rauschte durch die Blätter der drei prächtigen Linden, die die Kapelle aus dem Jahre 1880 einrahmen, und ein Blick auf die Stoppelfelder ringsum rundete das wunderbare Bild ab.

Die Pfarrer Daniel Wenzel, Andreas Krieg, Rene Mertens und Paul Li teilten sich die Aufgaben der Messfeier. In einer solchen Umgebung klingen die Marienlieder dann besonders schön. Musikalisch wurde der Abend wieder von den Kevelaer-Musikern mit ihrem Dirigenten Josef Lutzenburg begleitet. Pastor Krieg freute sich bei seiner Predigt, dass wieder so viele Gläubige den Weg zur Kapelle gefunden hatten: „Unser Einzugsgebiet geht mittlerweile weit über die Grenzen der Gangelter Weggemeinschaft hinaus!“ Er nahm Bezug auf das Evangelium, in dem davon berichtet wird, wie Maria — mit Jesus schwanger — sich auf den Weg zu Elisabeth gemacht hat.

„Auch wir haben uns auf den Weg gemacht; wir wären nicht hier, wenn wir keine Begeisterung für Christus hätten!“ Frauen aus den einzelnen Pfarren der Weggemeinschaft trugen die Fürbitten vor, und viele von ihnen hatten in den Tagen vor dem Fest wieder fleißig Kräutersträuße gebunden, die reißenden Absatz fanden. Nach deren Segnung finden sie oft Einzug in die Haushalte und werden das Jahr über bei Nöten und Krankheit ebenso eingesetzt wie bei Gewittern oder anderen Naturgewalten.

Maria kommt, Ernst und Christel Horrichs gehen. Nach 30 Jahren gibt es Veränderungen in der Organisation der Kräuterweihe. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Für jede Krankheit gibt es ein Kraut, und ältere Gangelter wissen zu berichten, dass früher bei schweren Gewittern alles auf eine Karte gesetzt und der gesamte Strauß im Ofen verbrannt wurde. Soweit der Rauch aus dem Kamin herausgeblasen wurde, soweit blieb der Blitz vom Haus entfernt, hoffte man.

Pastor Wenzel griff das Thema „Miteinander reden“ auf und warb für die Aktion „Heute bei Dir“ des Aachener Bistums. Natürlich war er an den „großen“ Themen interessiert, bat aber auch darum, lokale Themen, Probleme und Wünsche anzusprechen und zu Papier zu bringen.

Eine Johannes-Figur findet sich schon in der Kapelle zu Vinteln. Was immer fehlte, war eine Maria. Die wurde jetzt von Anita Heinrichs aus Gangelt gespendet und — genau wie der Johannes — von Renate von Birgelen aus Breberen wunderbar restauriert. Nach der Einsegnung fand auch sie ihren Platz und rundet nun das Bild im Inneren des Gotteshauses ab. Maria kommt, andere gehen.

Nach der Messe lud Ernst Horrichs in seiner humorvollen Art die Gäste auf seinen Hof ein, wo das ein oder andere Gläschen Vintelner Kräuterlikör kredenzt wurde. Er bestellte Grüße von Pastor Ralf Freyaldenhoven, der zusammen mit Christel Horrichs diesen Höhepunkt im kirchlichen Jahreskalender ins Leben gerufen hatte. Für ihn und seine Frau Christel sei es nach 30 Jahren Zeit, die Organisation des Festes in jüngere Hände zu legen, so Ernst Horrichs. Ob die Frauen und Bräute der vier Horrichs-Jungs das vorher gewusst haben, sei einmal dahin gestellt. Jedenfalls übertrug Ernst Horrichs das Fest nun seinen Kindern und Schwiegertöchtern.