Heinsberg: Gläserner Aufzug auf dem Burgberg

Heinsberg : Gläserner Aufzug auf dem Burgberg

Zugverkehr zwischen Heinsberg und Aachen im 60-Minuten-Takt, ein Stadtbus, der die Gäste innerhalb von 15 Minuten zu jedem gewünschten Punkt Heinsbergs bringt, ein liebevoll restaurierter Burgberg mit gläsernem Außenaufzug oder gar ein städtisches Biogaskraftwerk.

Die freie Spitze in Höhe von 3,5 Millionen Euro, die im Verwaltungshaushalt erwirtschaftet wurde, ließ die Grünen-Chefin im Rat, Gisela Johlke, geradezu träumen. Das Plus auf dem Konto der Stadt „eröffnet Spielraum für Innovationen”, wollte Johlke ihre „Phantasiereise” bis zum Stadtjubiläum im nächsten Jahr nicht als bloße Utopie verstanden wissen.

Und obwohl die Grüne eine „Nullrunde” in Sachen Landschafts- und Naturschutz beklagte oder mangelnde Information über die Fortschreitung des Stadtmarketing-Prozesses, konnte ihre Fraktion sich letztlich nicht dem vorgelegten Haushaltsentwurf verschließen.

Bereits zuvor hatten die anderen Fraktionsvertreter im Rat sich bei ihren Haushaltsreden voll des Lobes gezeigt. Allen voran Wilfried Louis (CDU). „Viele werden sich fragen, wie schaffen die Heinsberger das nur? Dabei ist die Antwort relativ einfach”, meinte er.

„Wir haben einen sehr emsigen und fachlich herausragenden Bürgermeister, Ratsvertreter, die nicht in erster Linie nach Parteibuch und persönlicher Interessenlage entscheiden, sondern danach, was für die Stadt und ihre Bürger am besten ist, und eine gut funktionierende Verwaltung mit ausgezeichneten Fachkräften.”

Das Ergebnis sei nicht zuletzt ein Haushalt, mit dem Investitionen von über 8,8 Millionen Euro getätigt werden könnten. Und dies sei der Stadt „keineswegs wie eine reife Frucht in den Schoß gefallen”, was schon die IHK bemerkt habe.

Obwohl im Verwaltungshaushalt die stattliche Summe von 5.230.000 Euro für die Schulen zur Verfügung gestellt würden, erteile die CDU dennoch der Einrichtung von Ganztagsschulen als schlichte Verwahranstalten eine Absage.

Der Städtetag NRW habe bereits festgestellt, dass das Konzept „keine nachhaltige Verbesserung im Bildungsbereich” darstelle. Zudem bürde es den Kommunen organisatorische und finanzielle Lasten auf, die sie nicht tragen könnten.

„Würde beispielsweise an den Grundschulen Heinsberg und Oberbruch die Offene Ganztagsschule angeboten, würden hier ab 2007 die Angebote Schule von acht bis eins, Silentien, Kinderhort Heinsberg und SIT-Programm Oberbruch nicht mehr mit Landesmitteln gefördert.”

SPD-Fraktionschef Ralf Herberg unterstrich in seiner Rede - wie schon Wilfried Louis - die gute Kooperation im Rat und mit der Verwaltung als Ursache für die beeindruckende Bilanz der Stadt in schwieriger Zeit.

„Vielleicht geben sich nicht alle Bürgermeister und alle Dezernenten so viel Mühe, wie diejenigen der Kreisstadt. Diese verantwortlichen Personen der Verwaltung beziehen alle Stadtverordneten, über Fraktions- und Parteizugehörigkeiten hinweg in die Entscheidungsfindung mit ein.”

Bei der zurzeit laufenden Wohnumfeldverbesserung Heinsberg-Innenstadt sei seine Fraktion allerdings gespannt, „mit welchem prozentualen Anteil die Anwohner sich an der Maßnahme beteiligen müssen. Da hatten wir beim Ausbau der Hochstraße-Erzbischof-Philipp-Straße 1998 bereits unterschiedliche Auffassungen. Unseres Erachtens wurden die Innenstädter gegenüber den Randgebieten klar bevorteilt.”

Der Haushalt sei auf eine „in den letzten Jahren erfolgreiche Ansiedlung von Wirtschafts-, Gewerbe-, und Handels- und Handwerksunternehmen zurückzuführen”, lobte auch Walter Leo Schreinemacher (FDP). „Heinsberg hat Vorbildfunktion für viele.”´