Kreis Heinsberg: Gewerkschaft fordert einen „Berufstest für Wirte“

Kreis Heinsberg : Gewerkschaft fordert einen „Berufstest für Wirte“

Zehn Betriebe aus der Gastronomie im Kreis Heinsberg haben im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet. Dies teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit. Sie berief sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes. Oft sei das Kneipensterben „hausgemacht“, so die NGG.

„Längst nicht jede Wirtschaft kann wirtschaftlich überleben. Denn ein Kneipenwirt muss immer auch Betriebswirt sein — heute mehr denn je“, erklärte Peter Mogga, Geschäftsführer der NGG-Region Aachen. Ideen, kreative Konzepte und ein gutes Marketing seien notwendig, um eine Gastwirtschaft solide zu führen. Genau daran hapere es aber häufig. Leidtragende seien dann insbesondere die Beschäftigten. Ihnen drohe Job-Verlust und Arbeitslosigkeit.

Die NGG fordert deshalb jetzt einen „Berufstest für Wirte“. Die Gewerkschaft will damit die Qualität in der Gastronomie steigern. „Wir brauchen einen ‚Gastro-Führerschein’, um von der Hygiene bis zu den Standards in der Lebensmittelverarbeitung endlich eine Messlatte für die heimische Gastronomie zu legen“, so Mogga. Pfusch könne sich die Gastronomie nicht erlauben. Wer auf Billig-Lebensmittel — etwa auf Imitate wie Analog-Käse oder Gel-Schinken — setze, habe am Markt kaum eine Chance. „Die Gastronomie ist der falsche Ort, um einen schnellen Euro zu machen.“

Neben wirtschaftlichen Aspekten seien auch Arbeitsschutz, Personalmanagement und Arbeitszeitregelungen wichtiges Know-how für angehende Gastronomen. „Immerhin geht es bei jeder Betriebsgründung auch um neue Arbeitsplätze, die möglichst sicher sein sollen. Denn jede Pleite bedeutet verlorene Jobs“, betonte Mogga. Jede Wirtin und jeder Restaurantchef müsse auch einen Tarifvertrag lesen und erfüllen können.

Eine „Lizenz zum Zapfen“ gibt es nach Angaben der NGG bislang nicht. Ein Gesundheitspass, eine saubere Schufa-Auskunft und ein Abendkurs bei der Industrie- und Handelskammer — der sogenannte „Frikadellenkurs“ — würden reichen. Diese „Gastro-Light-Lösung’“ müsse endlich durch einen echten Qualifikationsnachweis abgelöst werden, forderte Mogga. Die Branche brauche eine professionelle Basis. „Beschäftigte, die die Zeche dafür zahlen, dass der Chef blauäugig ins Gastronomiegeschäft eingestiegen ist, darf es nicht länger geben.“