Kreis Heinsberg: „Gewalt trennt, Gewalt fällt aus dem Rahmen”

Kreis Heinsberg : „Gewalt trennt, Gewalt fällt aus dem Rahmen”

Den Opferschutz zu verbessern, Beratungs- und Hilfemöglichkeiten bekannter machen und einen Runden Tisch gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch zu gründen: Dies waren die Ziele einer Opferschutz-Fachtagung unter dem Titel „Gewalt trennt - Gewalt fällt aus dem Rahmen” am Donnerstag - am Tag des Kriminalitätsopfers - in der Stadthalle von Heinsberg.

Über 100 Multiplikatoren aus verschiedenen Bereichen (von Pädagogik über Medizin und Justiz bis zur Jugendbetreuung und Sozialarbeit) waren der Einladung des Arbeitskreises gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch gefolgt. Die Organisatoren wollten vor allem Berufsgruppen erreichen, die unter Umständen erste Hinweise auf Misshandlung oder Missbrauch erlangen könnten oder denen sich Opfer häufig anvertrauen. Erfreulich war auch die Beteiligung einer kompletten Klasse einer Krankenpflegeschule.

Zu Beginn der Veranstaltung, die von ZVA-Regionalredakteur Dieter Schuhmachers moderiert wurde, sagte Landrat Stephan Pusch als Schirmherr: „Wenn am Ende dieser Fachtagung als Ziel die Bildung eines so genannten Runden Tisches erreicht worden ist, so ist das sicherlich ein weiterer guter Schritt in Sachen Opferschutz. Mir kommt es darauf an, dass über dieses schwierige und nicht sonderlich publikumswirksame Thema ernsthaft gesprochen wird, damit auch die Öffentlichkeit darüber informiert wird, dass sich die relevanten Kräfte im Kreis auf dieses Thema fokussieren.”

Im Mittelpunkt stand ein Referat von Dr. Claudia Bundschuh, Fachberaterin vom Deutschen Kinderschutzbund, Landesverband NRW. Sie thematisierte „Kinder als Opfer häuslicher Gewalt” und stellte dabei insbesondere heraus, dass auch „das Miterleben von häuslicher Gewalt gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern hat und folglich als eine Form der Kindeswohlgefährdung zu begreifen ist”.

Sie unterstrich die Bedeutung so genannter Interventionsprojekte gegen häusliche Gewalt. Diese kennzeichne ein Zusammenschluss von Vertretern sämtlicher Einrichtungen, Institutionen, Projekte und Professionen einer Region, die zum Thema häusliche Gewalt arbeiten würden. Sie seien darauf ausgerichtet, ein gemeinsam getragenes Verständnis von häuslicher Gewalt zu entwickeln und auf dieser Grundlagen die Verfahrensweisen aufeinander abzustimmen.

Ein Zusammenschluss in Form eines Runden Tisches - quasi als „Dach” über den bestehenden Netzwerken, Arbeitskreisen und Institutionen - wird nun im Kreis Heinsberg realisiert. So sollen die Öffentlichkeit zu diesem Thema verstärkt sensibilisiert und die konkrete Hilfestellung für Opfer verbessert werden.

Die Notwendigkeit zur Kooperation und deren hilfreiche Bedeutung für die eigene Arbeit unterstrichen in der Podiumsdiskussion mit Erfahrungsberichten aus der Praxis Silke Kubaink, Schulsozialarbeiterin in Oberbruch, und Ralf Schwarzenberg, Leiter des Jugendamtes in Hückelhoven. Unterstützung des Kreises - dessen Verwaltung auch die Geschäftsstellenfunktion für den Runden Tisch wahrnehmen wird - signalisierte Willi Paffen, der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses.

Die Teilnehmer der Tagung hatten die Chance, viele Informationen zu gewinnen. Nicht nur im Auditorium des großen Saals, sondern zusätzlich in schriftlicher Form in der umfangreichen Tagungsmappe sowie am Nachmittag in speziellen Themenzirkeln. Sie konnten aber vor allem auch in den Dialog treten mit anderen Akteuren aus dem Bereich der Arbeit an diesem wichtigen Thema.