Städteregion: Gesprächsbedarf nach schwerem Unfall mit Euregiobahn

Städteregion : Gesprächsbedarf nach schwerem Unfall mit Euregiobahn

Am Tag nach dem schweren Unfall auf dem Bahnübergang „Bahnhofstraße“ in Alsdorf läuft der Betrieb dort reibungslos, als wäre nichts geschehen. Brav halten sich Autofahrer und Fußgänger an die Signale, die auf das Herannahen eines Zuges der Euregiobahn hinweisen. Blinkendes Rotlicht und ein gut zu vernehmender akustischer Hinweis kündigen das Schließen Schranken an.

Geduldig wird gewartet, bis der Zug die Stelle passiert hat und die Querung wieder freigegeben wird.

Das war am Mittwochabend leider anders. Gegen 18 Uhr war ein 44-jähriger Mann hier von einem Zug der Euregiobahn erfasst und lebensgefährlich verletzt worden. Nach Zeugenangaben war er unter der geschlossenen Bahnschranke hindurchgegangen, berichtet Polizeisprecher Paul Kemen. Der Mann hatte offensichtlich, mit Lebensmitteln bepackt, hastig die Schienen überqueren wollen. Dabei wurde er von der Lok, die mit sehr gedrosselter Geschwindigkeit in Richtung Haltepunkt unterwegs war, erfasst und zur Seite geschleudert.

Nach Angaben von Umstehenden hatte der Lokführer keine Möglichkeit mehr, diesen Unfall zu verhindern. Er und die Fahrgäste blieben unverletzt. Christoph Simon ergänzt aus Sicht der Alsdorfer Feuerwehr, dass der Lokführer durch die Feuerwehr betreut wurde. Über die Leitstelle wurde der Notfallmanager der Bahn informiert. Bis 19.30 Uhr war die Bahnhofstraße aufgrund der Bergungsarbeiten und Unfallaufnahme gesperrt. Alles traurige Routine.

Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetzt GmbH, bedauert natürlich den schweren Unfall, sieht aber den Übergang hinreichend gesichert, wenn sich denn alle Beteiligten an die Regeln halten würden. Vor Schließen der Schranken überprüft eine direkt am Gleis installierte so genannte Freimeldeanlage, ob sich noch Fußgänger oder Fahrzeuge auf dem Übergang befinden. Erst dann schließen sich die rot-weißen Latten.

Falls anschließend noch jemand, wie am Mittwoch wohl geschehen, die Gleise quert, kann das sensible Gerät, das Fürpeil mit Blick auf die Form als „Ei“ bezeichnet, den heranrollenden Zug jedoch nicht mehr stoppen lassen. Der Bahnübergang wird nicht per Video überwacht, der Haltepunkt Annapark indes schon. Aber selbst wenn per Videoüberwachung bemerkt werden würde, dass eine Person bei geschlossener Schranke losläuft, würde die Zeit zur Reaktion fehlen.

Bislang habe es seitens der DB Regio, die die Euregiobahn betreibt, noch keine Meldungen gegeben, dass sich Personen unerlaubt auf dem Gleiskörper bewegen, sagt Fürpeil. Allerdings werde bei der regelmäßigen Streckenkontrolle sehr wohl festgestellt (etwa mit Blick auf niedergetretenes Grün am Rand), dass Anwohner offenbar auch an nicht gesicherten Stellen die Gleise überqueren. Aber nicht wenn gerade die Bahn heranrollt.

Dass die Bahn durch unangemessen lange Schließzeiten die Wartenden zum vorzeitigen Queren der Gleise verleite, weist Fürpeil entschieden zurück. Es gebe eindeutige Richtlinien und gesetzliche Regelungen (Stichworte Eisenbahngesetz, Landeseisenbahnaufsicht in Köln), nach denen die Schließzeiten einzuhalten sind. „Wir bewegen uns an allen Übergängen innerhalb der Normen“, versichert Fürpeil.

Bei Bedarf werde mit den Kommunen über Verbesserungen der Rahmenbedingungen nachgedacht. So zum Beispiel auch im Falle des Übergangs „Langwahn“ in Eschweiler. Hier wurde schon intensiv mit der Stadt und der Städteregion verhandelt. Ein Gutachten dazu wird erarbeitet. Weitere Besprechungen würden sicher folgen. Klar sei aber jetzt schon, dass eine Verkürzung der Warte- bzw. Schließzeit Investitionen erfordert.

„Letztlich ist das eine Fragen, inwieweit sich das in den betroffenen Etats darstellen lässt“, warnt Fürpeil vor der Erwartung, dass sich dies schnell und günstig regeln ließe. Beschwerden wie aus der Stadt Eschweiler, in der mehrere kurz hintereinander folgende Übergänge für durchgehend längere Schließung sorgen würden, seien ihm aus der Stadt Stolberg nicht bekannt. Sollte sich dies ändern, sei die EVS natürlich bereit, hier mit der Stadt nach Lösungen zu suchen.