Wegberg-Beeck: Gesang ermöglicht eine innere Reise in Richtung Seele

Wegberg-Beeck : Gesang ermöglicht eine innere Reise in Richtung Seele

Wer hätte das zu Anfang des Orgelkonzertes, als Abschlusskonzert des Wegberger Musikfrühlings, in der Beecker St. Vincentius-Kirche gedacht, als die 1952 geborene litauische Musikprofessorin Jurate Bundzaite mit der relativ konservative Sonata für Orgel c-moll von Baldassare Galuppi begann?

Denn das Konzert, veranstaltet vom Kulturförderverein Opus 512, nahm einen wundersamen Verlauf, verführte die Organistin zusammen mit der bildhübschen Sopranistin Lina Navakaite die Zuhörer in den Spagat zwischen kirchlicher Andacht und musikalischen Wahnsinn.

Georg Friedrich Händels Arie „Lascia ch´io pianga” - des Lebens holde Lust verschlang der Abgrund - wurde von der 30-jährigen Lina Navakaite herzzerreißend ob ihrer eiskristallklaren Stimme vorgetragen, dazu noch ihre Gestalt als blondes, engelhaftes Wesen. Die beiden Künstlerinnen, Meisterinnen an der Orgel und in der Stimme, waren aufeinander eingespielt, so wie in Antonio Caldaras A-Dur-Arie aus der Pastorale „La costanza in amor vince Pingano”, als die Orgel feinsinnig hinter den Gänsehaut machenden Gesang trat, um im nächsten Lied wieder lustvoll aufzubegehren. Die Stimme Navakaites nahm den Zuhörer wegen ihres voluminösen Klangraums mit auf eine innere Reise - mit vielen Bildern und Assoziationen in Richtung Seele.

Unbestrittener Höhepunkt in einem begeisternden Konzert waren die Stücke „Via del Silenzio” des Tschechen Lubos Sluka und „Vigilia” des 1950 geborenen litauischen Komponisten Algirdas Martinaitis, in denen mit kraftvollen Tönen auch die Schattenseiten des Lebens dargestellt und verdammt nahe gebracht wurden.

Es waren moderne Stücke um Leiden, Verwirrtheit und dramatische Traumvisionen in der Nacht: einfach faszinierend! Zuweilen erinnerten diese Stücke an Rockopern, wie sie von Emerson, Lake & Palmer aufgeführt worden sind. Mit zwei litauischen Volksliedern, das erste „Ant kalno klevelis” (Auf dem Berg) a cappella gesungen, wurde die aufgewühlte Seele wieder etwas verwöhnt, um gleich darauf jedoch in Milos Sokolas „Toccata für Orgel” erneut mit tiefen schnellen Tönen unter die eigene Haut zu reisen.

So wird ein Kirchgang zu einem besonderen Genuss. Möge der Veranstalter ein Wiedersehen mit diesen beiden wundervollen Künstlerinnen sehr bald wieder ermöglichen.