Heinsberg-Porselen: Geocaching als Hobby: „Schatzsuche” mit modernster Technik

Heinsberg-Porselen : Geocaching als Hobby: „Schatzsuche” mit modernster Technik

Die geheimnisvollen Behältnisse sind überall verborgen. An idyllischen Feldwegen oder urbanen Straßenschluchten, in Mauerritzen oder Erdspalten, unter Steinhaufen oder Geäst, auf Bäumen oder felsigem Grund. Nahezu unsichtbar für den Laien, aber nicht für Andreas (29) und Alexandra (27) Rothe.

Das Paar aus Heinsberg-Porselen gehört zum ständig wachsenden Kreis der Eingeweihten, die sich einem ungewöhnlichen Hobby verschrieben haben: Geocaching.

Dabei handelt es sich um eine satellitengestützte „Schatzsuche” mithilfe mobiler GPS-Empfänger. Auf einzigartige Weise verbindet die immer beliebter werdende Freizeitbeschäftigung die Nutzung von hochmoderner Technik mit dem Aufenthalt an der frischen Luft. Über 900 so genannte „Caches”, also Verstecke, konnten Alexandra und Andreas bereits in ganz Deutschland ausfindig machen. „Wir streben unseren Tausendsten an”, verraten sie.

Eigenhändig angelegt haben sie rund 50 Caches im Kreis Heinsberg und darüber hinaus. „Manchmal kommt man irgendwo vorbei und denkt sich: Das ist ein schöner Platz, hier müsste man etwas machen”, so die Erzieherin. Gedacht, getan.

Die Ideen basieren nicht selten auf der Ortshistorie. Entlang der alten Gleisstrecke der ehemaligen Geilenkirchener Kreisbahn etwa haben die beiden auf einer Länge von rund 40 Kilometern zwischen Tüddern und Alsdorf eine ganze Serie von „Schätzen” versteckt.

Vor dreieinhalb Jahren erfolgte die Initialzündung. „Während eines Fluges haben wir im Bordmagazin einen Artikel über Geocaching gelesen.” Das Thema faszinierte ungemein und setzte sich fest in ihren Köpfen. Erstmals fündig wurde das Duo in einem Waldstück bei Kleingladbach. Damals waren sie noch mit einem tragbaren Computer unterwegs, den sie über eine spezielle Steckkarte GPS-tauglich gemacht hatten. Ein bisschen unhandlich sei das schon gewesen, gesteht Andreas. Gerade wenn man sich durchs Unterholz schlagen muss.

„So richtig los ging es erst, als wir in den Osterferien zu meinem Onkel nach Hamburg gefahren sind.” Dort angekommen, erwies sich die Jagd nach den verborgenen Fundgruben als ein kurzweiliges Vergnügen.

Die Welt im Wandel: Was früher der Kompass war, ist heute ein unscheinbares Navigationsgerät von der Größe eines Handys. Es zeigt nicht einfach bloß die Himmelsrichtung an, sondern führt den Suchenden nach Eingabe der exakten Längen- und Breitengrade metergenau zum Ziel. „Jeder, der mit einem Handy umgehen kann, kann auch so ein Gerät bedienen”, bekräftigt der Elektroniker die Alltagstauglichkeit der GPS-Empfänger.

Dreh- und Angelpunkt der Geocaching-Gemeinschaft sind Internetforen, in denen man sich zum Erfahrungsaustausch trifft und vor allem die dort veröffentlichten Koordinaten der Verstecke abruft - sortiert nach Schwierigkeitsgraden und unterteilt in verschiedene Kategorien. So gibt es neben den normalen Verstecken zum Beispiel „Multi-Caches”, die über mehrere Stationen laufen, oder „Rätsel-Caches”, die knifflige Aufgaben beinhalten. In der Regel sind die Behälter ausrangierte Munitionskisten oder wasserdichte Frischhalteboxen.

„Im Endeffekt ist es immer eine Überraschung, wo man auskommt”, weiß Alexandra aus Erfahrung. Das Ritual nach erfolgreichem Fund sieht immer gleich aus: Die Schnitzeljäger tragen sich zur Dokumentation in das Logbuch ein und machen einen Schnappschuss mit dem gegebenenfalls beiliegenden Fotoapparat. Oft finden Alexandra und Andreas auch Tauschmaterial - kleine Spielzeuge zum Beispiel, Überraschungseier oder anderen „Krimskrams”. Es gilt: „Wer etwas aus dem Versteck heraus nimmt, muss im Gegenzug etwas hinein legen.”

Zwar sind Geocacher nicht in Vereinen organisiert, doch müssen alle verbindliche Spielregeln einhalten. Trotzdem kommt es immer wieder zu Beschädigungen, wenn Verstecke zufällig gefunden werden. Deshalb ist eine gute Tarnung besonders wichtig

Und worin liegt nun der Reiz? „Man ist in Gesellschaft, wandert durch die Gegend und hat ein Ziel”, fasst Alexandra zusammen. Außerdem lerne man ständig neue Leute kennen. Demnächst machen die zwei Schatzjäger Urlaub in Schottland. Klar, dass es auch dort vor allem ums Suchen und Finden geht. Denn darin liegt der wahre Wert des Spieles.