Erkelenz: Gemeinsam den Weg aus der Trauer finden

Erkelenz : Gemeinsam den Weg aus der Trauer finden

Geduckt sitzt eine kleine Gruppe Menschen in einem Kreis. Das Zimmer ist in ein weiches, leicht abgedunkeltes Licht gehüllt. Auf einem Tisch inmitten des Sitzkreises flackert eine wärmende Kerze.

Draußen ist es kalt, der Winter hält Einzug, und nach und nach erreichen die letzten Nachzügler den angenehm beheizten Gruppenraum. Jede Woche treffen sie sich hier, um miteinander zu reden - und sie treffen sich, um miteinander zu weinen.

„Die Menschen, die zu unserer Beratung kommen, haben eines gemeinsam: Sie haben einen lieben Menschen verloren und wissen nicht, wie sie mit diesem Verlust alleine fertig werden sollen.”

Das ist eine Situation, wie sie Theo Sommer immer wieder erlebt. Er ist der Leiter der Trauerberatung und Trauerbegleitung der Katholischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen. Um jenen Menschen zu helfen, wieder mit ihrem Leben zurecht zu kommen, gibt es seit acht Jahren dieses Beratungsangebot.

Theo Sommer ist Theologe. Er hat sympathische, funkelnde Augen und strahlt eine große innere Ruhe aus. Vielleicht ist das der Grund, warum ihm die verzweifelten und Hilfe suchenden Menschen ihr Vertrauen schenken.

„Der Kummer nach dem Tod des Lebenspartners, eines Elternteiles, eines Kindes oder auch eines Freundes schlängelt sich dahin wie ein Labyrinth”, erklärt Theo Sommer. „Manchmal ist die Trauer sehr stark, und manchmal spürt man sie nur ganz dumpf im Hintergrund.”

Eine kurze Erinnerung, eine leise Melodie kann ausreichen, und der Verlust, den man vielleicht schon glaubte überwunden zu haben, bricht wieder mit ganzer Kraft über einem zusammen.

„Es ist wichtig, so etwas mit anderen zu besprechen. Mit Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind und verstehen können, was mit einem los ist”, stellt Theo Sommer fest. Darum bietet er Treffen an, um den Trauernden zu helfen, sich gegenseitig zu helfen.

Dabei muss er selber gar nicht viel machen. Die Trauernden bekommen einfach die Gelegenheit zu erzählen. Auch ganz alltägliche Dinge - wie geht es mir heute, was habe ich in der letzten Woche unternommen - sind wichtig.

„Es gibt viele verschiedene Arten der Trauer”, weiß Theo Sommer aus Erfahrung. „Es ist etwas anderes, ob jemand bei einem Unfall ums Leben gekommen oder nach langer Krankheit gestorben ist.” Je plötzlicher ein geliebter Mensch aus dem Leben gerissen wurde, desto schwieriger ist es oft, den Verlust zu akzeptieren. „Und am schwersten ist es bei Suizid-Fällen”, fügt er leise hinzu.

Trotz all dieser Unterschiede können die Betroffenen viel füreinander tun. Sie spenden Trost und dürfen selber Trost empfangen. Sie tauschen Erfahrungen aus und sehen, dass sie mit ihren Gedanken nicht alleine sind.

„Ich möchte Wege aufzeigen, wie man seine Trauer aktiv gestaltet. Die Hinterbliebenen sollen sich ganz bewusst Zeit für Erinnerungen, aber auch für andere Dinge in ihrem Leben nehmen.”

Außerdem sollen die Trauernden ihre Gefühle akzeptieren lernen. Viele spüren selber eine gewisse Todessehnsucht. Darum ist es hilfreich, wenn sie erkennen, dass sie mit diesen Gedanken nicht alleine da stehen. Oft haben sie ein schlechtes Gewissen dem Verstorbenen gegenüber, wenn sie sich erlauben, einmal aufzuatmen, Pläne für die Zukunft schmieden, eine Reise machen wollen.

„Aber es ist wichtig, wieder etwas zu unternehmen, sich vielleicht sogar ein paar neue Freunde zu suchen”, rät Theo Sommer. Was man allerdings auf gar keinen Fall tun sollte, ist die Sache zu verdrängen. „Es hilft nichts, die Trauer zu ignorieren. Man sollte sich nicht gleich wieder voll ins Leben oder in eine neue Liebe stürzen, sondern sich bewusst mit seiner Trauer beschäftigen.”

Für Theo Sommer ist es eine befriedigende Arbeit, den Trauernden zu helfen. Aber, so sagt er nach einem kurzen Zögern: „Es ist auch oft eine Belastung. Es ist unmöglich, die eigenen Gefühle aus den Gesprächen herauszulassen.” Die Trauer der anderen springt auf ihn selbst über, erinnert an die eigenen Erfahrungen mit dem Tod von geliebten Menschen.

Dennoch ist es für den Theologen ein Erfolgserlebnis, wenn er nach einigen Sitzungen eine Veränderung feststellt. „Am Anfang ist die Stimmung erdrückend. Aber je mehr Treffen vorbei sind, desto freundlicher wird die Atmosphäre. Die Menschen lachen miteinander.”

Die Taschentücher werden gegen neue Freundschaften, die auch nach den zehn Treffen oft noch weiter bestehen, eingetauscht.
Besonders im Winter empfinden viele Menschen die Trauer nach dem Tod eines nahe stehenden Menschen am erdrückendsten.

Darum bietet die Katholische Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen auch in dieser Zeit ihre Trauerberatung an.

Der nächste Kurs beginnt am Dienstag, 5. November, in der KAB-Altenstube in Erkelenz, Johannismarkt 15. Insgesamt achtmal trifft sich die Gruppe dort, jeweils von 18.30 bis 20.30 Uhr.

Die Kurse sind kostenlos. Informationen und die Möglichkeit sich anzumelden, auch zu Einzelgesprächen, gibt es unter 02452/23646.