Kreuzau: Gegen Fäulnisbakterien: Riesensieb reinigt Sandkästen

Kreuzau : Gegen Fäulnisbakterien: Riesensieb reinigt Sandkästen

Wolfgang Stawicki siebt Sand. Viel Sand. Allein in Kreuzau frisst sich sein „Sandmaster“ durch 4000 Quadratmeter — auf Spielplätzen, an Schulen, Kitas und in Dörfern. 40 Zentimeter tief frisst sich die schwere Maschine durch das feinkörnige Material, beständig rattert das Sieb hin und her. Alle paar Minuten kommen Stawickis Kollegen, um das Sieb zu leeren.

Sie schütten Blätter, Äste, Kippen und mancherorts auch Scherben und Kondome auf die Ladefläche des Pritschenwagens. Während der Müll in manchen Städten wegen Drogenspritzen als Sondermüll entsorgt werden muss, kommen auf dem Spielplatz „Im Reuter“ in Drove ein Förmchen und ein Püppchen ans Tageslicht. 80 bis 100 Quadratmeter Sandkasten schafft die Maschine pro Stunde — je nach Sand und Wetter.

Einmal im Jahr müssen die Kommunen ihre Sandkästen entweder reinigen lassen oder den Sand austauschen. 40 Zentimeter tief muss ein Sandkasten etwa mit Klettergerüst aus Sturzsicherheitsgründen sein. „Unten im Sand leben Bakterien, die keinen Sauerstoff brauchen, die sogenannten Fäulnisbakterien“, erklärt Stawicki.

Diese verursachen, dass der Sand schwarz werden kann und stinkt. Das Spezialgerät lockert diese Schichten auf und sorgt so dafür, dass Sauerstoff an den Sand kommt. „Die schlechten Bakterien sterben, die guten können sich vermehren“, erklärt der Experte das Prinzip. Diese guten Bakterien würden zum Beispiel die biologische Selbstreinigung leisten, beispielsweise den Abbau von Katzenurin. Bei der Reinigung setzen die Fachleute ausschließlich auf dieses biologisch-mechanische Prinzip, Desinfektionsmittel und Chemikalien werden nicht eingesetzt.

Bis 2013 wurde der Sand in den mehr als 30 Sandkästen in der Gemeinde Kreuzau jährlich ausgetauscht, das kostete 21.000 Euro im Jahr, seitdem wird gesiebt. Das spart laut Verwaltung 6000 Euro jährlich ein. „Zudem ist die Reinigung auch gut für die immer knapper werdende Ressource Sand“, sagt Stawicki. Zudem sei neuer Sand steril, und bis sich dort Bakterien ansiedeln, die Laub und Vogelkot abbauen, dauere es mindestens drei Monate.“

Wenn der Sand regelmäßig von Laub befreit würde, könne er mit der Reinigung und dem Auffüllen bis zu 20 Jahre halten. Eine Tiefenmessung liefert die Firma gleich mit, damit die Kommunen wissen, wo sie Sand auffüllen müssen.