Erkelenz: Ganztagsschule: Abwarten und Kakao trinken

Erkelenz : Ganztagsschule: Abwarten und Kakao trinken

Mit „offenen Ganztagsgrundschulen” gegen „Pisa”: Das ist ein Weg, den die Schulpolitiker in Nordrhein-Westfalen gehen wollen, um das Bildungsniveau zu heben.

Die Landesregierung hat auch ein Konzept entworfen, nach dem sich Kommunen bis zum 31. Mai entscheiden müssen, ob sie in diesem Jahr Grundschulen in offene Ganztagsschulen umwandeln wollen oder nicht.

Geld und Lehrer soll es geben: einen Zuschuss von 615 Euro pro Schüler und Schuljahr, 0,1 Lehrerstellen pro 25 Schüler - so lockt das Land. Gleichzeitig fordert es, die Kommunen müssten 410 Euro pro Kind und Schuljahr als Eigenanteil berappen und auch die Eltern müssten monatlich bis zu 100 Euro für ihr Kind bezahlen.

Die Stadt Erkelenz begrüßt grundsätzlich die Überlegungen der Landesregierung zum Ausbau von Grundschulen zu offenen Ganztagsschulen. So äußerte sich die Verwaltung in einer Antwort auf eine entsprechende Anfrage der SPD-Fraktion.

Offene Ganztagsschulen könnten einen wichtigen Beitrag darstellen, Schulkinder im Primarbereich intensiver zu fördern sowie mehr Bildungsqualität und Chancengleichheit herzustellen. „Auch Schulleiter der Grundschulen im Stadtgebiet Erkelenz haben die Bestrebungen zur Einführung von Ganztagsschulen begrüßt”, sagte der Erste Beigeordnete und Schuldezernent Dr. Hans-Heiner Gotzen.

Dennoch sieht sich die Stadt außer Stande, zum jetzigen Zeitpunkt in das Modell einzusteigen. „Leider eröffnen jedoch die augenblicklich bekannten Rahmenbedingungen der Landesregierung aus kommunaler Sicht nicht die Möglichkeit einer kurzfristigen Umsetzung des Konzeptes.” Also abwarten und Kakao trinken.

Zur Begründung der Ablehnung verweist die Verwaltung auf zwei Aspekte. Zunächst vermisst sie beim Ausbau der Ganztagsschulen ein pädagogisches Konzept. „Ganztagsschule setzt eine pädagogische Begleitung, auch in den Nachmittag hinein, voraus. Die augenblicklichen Vorstellungen der Landesregierung gehen jedoch dahin, lediglich eine Ganztagsbetreuung vorzusehen.”

Zum zweiten sehe die vorgesehene Finanzierung des Ausbaus zur offenen Ganztagsschule eine Beteiligung der Kommunen für innere Schulangelegenheiten vor. „Dies entspricht jedoch nicht dem Finanzierungsgrundsatz, wonach das Land als Verantwortlicher für die inneren Schulangelegenheiten auch die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellen muss.”

Zweifelhaft sei insbesondere die Verpflichtung der Kommunen, notwendiges Betreuungspersonal selbst einzustellen. „Die Stadtverwaltung Erkelenz sieht hierin eine Verschiebung der Finanzierungs- und auch Organisationszuständigkeit zwischen dem Land und den Kommunen und beabsichtigt, solange diese Frage nicht endgültig auch zu Lasten des Landes geregelt ist, keine Anträge an das zuständige Ministerium zu richten.”

Zwar ergebe sich damit für die Stadt nicht die Möglichkeit, an dem Veränderungsprozess hin zu Ganztagsschulen mitzuwirken, das erkennt die Verwaltung, die allerdings auch das Finanzgebaren des Landes nicht übersieht: „Die Erfahrung aus den letzten Jahren lehrt jedoch, dass insbesondere Landesmaßnahmen durch Anschubfinanzierung in die kommunale Hand übertragen wurden und weitere finanzielle Mittel in den Folgejahren nicht mehr zur Verfügung gestellt wurden.”

Mit anderen Worten: Erkelenz befürchtet, dass sich nach kurzer Zeit das Land aus der Finanzierung zurückzieht und die Kommune dann auf allen Kosten sitzen bleibt. „Angesichts der angespannten Haushaltslage der Kommunen kann ein solches Vorgehen für die Zukunft nicht mehr akzeptiert werden”, sagte Gotzen.

Nur am Rande erwähnt sei, dass für die jetzt aufgelegte Initiative des Landes überhaupt kein Geld im Etat eingeplant ist.