Waldfeucht-Braunsrath: Für Jürgen Becker sind Religion und Humor untrennbar

Waldfeucht-Braunsrath : Für Jürgen Becker sind Religion und Humor untrennbar

Mit einer Mischung aus Karneval, Kirche und Klösch fesselte Kabarettist Jürgen Becker auf Einladung der Raiffeisenbank Heinsberg mit seinem aktuellen Soloprogramm „Ja, was glauben Sie denn” zweieinhalb Stunden lang sein Publikum in der Braunsrather Festhalle.

Mehr als 450 Besucher erlebten den aus den „Mitternachtsspitzen” des WDR bekannten Kabarettisten live und in Farbe und waren am Ende restlos begeistert von dessen „kabarettistischen Götterspielen”. Die erhielten ihre besondere Würze durch die immer wieder einbezogene aktuelle Politik und die Politiker, über die er kräftig lästerte.

Auch dass Bankdirektor Hans-Hubert Hermanns in der ersten Reihe saß, hinderte ihn nicht daran, den Banken mit Blick auf die Finanzkrise die Leviten zu lesen und den Kapitalismus aufs Korn zu nehmen.

Es hört sich auch ganz logisch an, wenn Jürgen Becker auf rheinische Art die Unterschiede zwischen den Weltreligionen erklärt und dabei sogar noch die Begründung liefert, warum sich Juden, Christen und Muslime „immer wieder die Köpfe einschlagen müssen”. Wie Jürgen Becker durch die Welt der Religionen wandert und seine Zuhörer dabei noch mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit nimmt, ist gleichermaßen faszinierend wie erheiternd. So macht sogar Religions- und Zeitgeschichte richtig Spaß.

Warum für Jürgen Becker Religion und Humor untrennbar zusammen gehören, dafür hatte er an diesem Abend unzählige Beispiele parat. Wer außer ihm käme wohl auf die Idee, dass Kirche und Banken Gemeinsamkeiten aufweisen. Klar, dass er die Lacher auf seiner Seite hatte, als er anmerkte: „Die Kirche muss etwas verkaufen, was noch nie jemand gesehen hat, die Banken ebenfalls, nämlich das elektronische Geld. Die Kirche kann das allerdings seit Jahrhunderten sehr viel besser.”

Er liebt es auch zu provozieren, dann nämlich, wenn er einem Totenschädel die rheinische Narrenkappe aufsetzt, um den Versuch zu starten, anhand des Zwischenkieferknochens den Unterschied von Mensch und Tier zu erklären - der Mensch stammt vom Affen ab - oder doch nicht? Immerhin sei der Mensch das Wesen, das lachen könne, so Becker.

Seine Ausführungen zum Vergleich von Paradies und Parasit erheiterten die Zuhörer ebenso wie zahlreiche weitere vergleichende Wortspielereien, von denen sein Publikum gar nicht genug bekommen konnte.

Natürlich gab es auch einen Ausflug in den Karneval, und hier brauchte Jürgen Becker nur anzustimmen, und der ganze Saal sang weiter.

Als „gehörnter Schützenoffizier” mit geliehener Grüner Jacke - er hatte seine eigene angeblich vergessen - sorgte er schließlich für ein stimmungsvolles Finale, das er dann allerdings noch einmal mit einer echten Überraschung toppen konnte. Mit einer Stange Sion-Kölsch prostete er seinem Publikum zu und lud es ein, ihm bei Freibier auf der Bühne Gesellschaft zu leisten. Das Kellnern übernahm er dabei sogar selbst, bis ihm die ersten Autogrammjäger ihre Stifte in die Hand drückten, um Bücher und CDs zu signieren.