Kreis Düren: Frost erwischt die Dürener Obstbauern kalt

Kreis Düren : Frost erwischt die Dürener Obstbauern kalt

Die Kälte der vergangenen Woche hat die Obstbauern schwer getroffen. „Es ist ein herber Schicksalsschlag“, sagt Bernhard Levenig. Fast 90 Prozent der Früherdbeeren seien kaputt, rund 40 Prozent der Himbeer- und Brombeerblüten seien hinüber, und selbst die Stachelbeeren hat es erwischt. Nichts zu machen.

Seit 1975 betreibt der Landwirtschaftsmeister seinen Beerenhof in Nörvenich-Pingsheim. Dass selbst die noch tief im Herz der Späterdbeeren sitzenden Blüten erfrieren, hat er noch nie erlebt. „Das ist ein wirtschaftlicher Totalausfall“, sagt er. Einen Ernteverlust von bis zu 20 Prozent könne man noch durch höhere Preise kompensieren. Alles darüber gehe zu Lasten des Betriebs. „So teuer kann man die Früchte gar nicht verkaufen, dass die Einnahmen den Ausfall decken könnten“, sagt er.

Aus den Blüten werden keine Erdbeeren mehr. Die Kältewelle der vergangenen Woche hat sie zerstört. Obstbauern im Kreis Düren befürchten Ernteausfälle historischen Ausmaßes. Auf dem Obsthof Wollseifen sollen Frostschutzberegnungsanlagen das Schlimmste verhindern (kleines Bild).
Aus den Blüten werden keine Erdbeeren mehr. Die Kältewelle der vergangenen Woche hat sie zerstört. Obstbauern im Kreis Düren befürchten Ernteausfälle historischen Ausmaßes. Auf dem Obsthof Wollseifen sollen Frostschutzberegnungsanlagen das Schlimmste verhindern (kleines Bild). Foto: Wollseifen

Alles braun und vertrocknet

Auch Walter Franken aus Kreuzau-Boich kann sich nicht erinnern, jemals zuvor vom Wetter so geneckt worden zu sein. „Die Pflanzen waren wegen der warmen Tage im März alle schon auf Frühling programmiert und haben Blüten ausgetrieben wie verrückt“, erzählt der Obstbauer. „Doch jetzt ist alles braun und vertrocknet.“ Er verkauft seine Ernte auf Wochenmärkten und in seinem Hofladen. Überschüsse gebe er in guten Jahren an die Großhändler ab — doch daraus wird in diesem Jahr wohl nichts.

„Es ist zum Haare raufen, dass sechs bis sieben Stunden Frost die Ernte einer ganzen Saison über den Haufen werfen“, sagt er. Ein Temperaturminimum von null Grad könnten die Blüten mit etwas Glück aushalten. „Alles darunter ist tödlich.“ Es habe immer mal schlechte Jahre gegeben. Auch Hagelschäden sei man gewohnt. Doch ein Ausfall, wie er jetzt bevorsteht, sei ihm in seiner fast 60-jährigen Berufslaufbahn noch nicht untergekommen.

Natürlich habe man die Frostwarnung bekommen, sagen Franken und Levenig, doch dass die Kälte selbst vor Folienabdeckungen nicht haltmacht, damit habe man nicht gerechnet. Frostschutzberegnungsanlagen seien kostspielig — von Heißluftanlagen oder Helikopterflügen zur Luftumwälzung ganz zu schweigen.

Hans-Peter Wollseifen hat eine solche Frostschutzberegnungsanlage — allerdings nur für die besonders empfindlichen Aprikosenbäume und die Süßkirschen. Doch auch ihn hat die Heftigkeit des Frosts überrascht. „Die Kältewelle war so extrem, dass selbst höhere Luftschichten noch Minusgrade hatten“, sagt er. Trotzdem hat ihn die erhöhte Lage seines Hofs in Kreuzau-Boich vor dem Schlimmsten bewahrt. „Meine Stachelbeeren und Johannisbeeren leben noch. Auch die Äpfel haben es ganz gut überstanden“, sagt er. „Aber eine Pflaumenparzelle, die etwas tiefer liegt, ist komplett hinüber.“ Wichtig sei jetzt, dass es so schnell wie möglich wieder wärmer wird.

Viele Hobbygärtner setzen ihre Pflanzen deshalb erst ab Mai in die Beete. Doch für Obstbauern ist das keine Option. Erdbeeren werden bereits im Herbst des Vorjahres gepflanzt, damit sie über den Winter kräftig werden und reiche Ernte bringen. Die Obstbäume und -sträucher sind ohnehin mehrjährig. Ist die Blüte kaputt, ist die Jahresernte dahin. Es ist also zu befürchten, dass die Obstpreise in diesem Jahr etwas höher ausfallen als sonst. Eine wirkliche Prognose möchte Erich Gussen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Düren, jedoch nicht abgeben. „Wir müssen erstmal abwarten, wie die Ernte in den anderen Regionen Deutschlands ausfällt“, sagt er. Doch wenn die Ausbeute überall gering ist, seien erhöhte Preise unvermeidlich.

Das ganze Ausmaß des Schadens wird erst in einigen Wochen sichtbar. „Wenn sich dann herausstellt, dass auch noch die Apfelblüte hin ist, dann sind wir wirklich richtig schlecht dran“, sagt Walter Franken. Außerdem ist die Kälte noch nicht ganz überstanden. Für die kommenden Nächte hat der Deutsche Wetterdienst erneut eine Frostwarnung herausgegeben. Der April macht eben, was er will.