Frist verstrichen: Schwerverbrecher frei

Frist verstrichen: Schwerverbrecher frei

Mönchengladbach (an-o) - Die Kriminalpolizei in ganz NRW hatte monatelang nach der Bande gefahndet. Durch Zufall war man im April auf den offenbar führenden Kopf der so genannten "Home-Jacker" gestoßen. Jetzt ist er wieder auf freiem Fuß.

Der 29 Jahre alte Kosovo-Albaner ist wieder in Freiheit und wahrscheinlich untergetaucht. Die Bande soll in Wohnungen eingebrochen sein, die Schlüssel von Luxusautos gestohlen haben, um dann mit den Fahrzeugen zu verschwinden.

Der Kosovo-Albaner profitierte mit seiner Freilassung offenbar von der Überlastung der Justiz. Der mutmaßliche Bandenchef durfte die Untersuchungshaftanstalt in Mönchengladbach verlassen, weil Fristen nicht eingehalten werden konnten.

Unterlagen aus Zeitgründen nicht vorgelegt

Das bestätigte der zuständige Oberstaatsanwalt im Gespräch mit den "Nachrichten". Normalerweise ist sechs Monaten nach der Verhaftung der erste Haftprüfungstermin. Liegt eine Anklage vor, ist bereits der Termin für die Hauptverhandlung bestimmt, oder liegen weitere Haftgründe vor, gibt es keine Entlassung. Allerdings konnten in dem Fall des 29-Jährigen die Mönchengladbacher Ermittler aus Zeitgründen die nötigen Unterlagen nicht abliefern. Der Grund: Der ermittelnde Staatsanwalt ist zwischenzeitlich in Pension gegangen. Erst als Mitte September der abschließende Bericht der Polizei bei der Staatsanwaltschaft eintraf, wurde bemerkt, dass der Haftprüfungstermin unmittelbar bevor stand.

Auf freiem Fuß

In den verbleibenden zwei Wochen sei es dann allerdings nicht mehr möglich gewesen, eine Anklage zu fertigen. So die Staatsanwaltschaft. Der Mann musste aus der Haft entlassen werden. Er bleibt bis zum Beginn der Hauptverhandlung auf freiem Fuß

Nach Einschätzung von Ermittlern besteht Fluchtgefahr. Derzeit ist offen, ob sich der Kosovo-Albaner noch in Deutschland aufhält. Möglicherweise ist er schon in Belgien untergetaucht. Die so genannten Home-Jacker sollen über einen langen Zeitraum Luxusautos gestohlen und verschoben haben. Der 29-Jährige war im April nach einem schweren Unfall mit einem gestohlenen 7er BMW, bei dem ein Komplize starb, in der Nähe von Jülich festgenommen worden.