Freiwillig sozial und Spaß dabei

Freiwillig sozial und Spaß dabei

Kreis Heinsberg (an-o) - Freiwillig sozial sein - und das ein ganzes Jahr? Daniel tut es, Sina tut es, und 70 Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren aus dem Bistum Aachen tun es auch: Sie leisten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ).

Um 5 Uhr hat heute morgen der Wecker für Sina Wieland geklingelt. Es war noch dunkel, als sich die 16-Jährige auf ihren blauen Roller schwang, um zum Hermann-Josef Krankenhaus in Erkelenz zu düsen. Freiwillig: "Ich möchte Krankenschwester werden", sagt sie. Das weiß sie, seit ihr Opa einmal längere Zeit im Krankenhaus gelegen hat.

Jetzt ist sie mit der Schule fertig, hat den Realschulabschluss in der Tasche - und darf trotzdem nicht durchstarten. Sie ist zu jung. Am ersten Oktober müssen junge Lernschwestern 17 Jahre alt sein, aber Sina hat erst 20 Tage später Geburtstag. Trotzdem zieht sie sich seit ein paar Wochen einen weißen Kittel an, desinfiziert ihre Hände und kommt, wenn Patienten nach der "Schwester" rufen. Sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus.

Blutdruck messen, Betten machen, Patienten waschen, das darf sie ganz selbstständig. "Eine gute Gelegenheit, schon einmal in den Job reinzuschnuppern", findet die Hückelhovenerin. Für junge Männer, die sich nicht dem militärischen Drill des Wehrdienstes unterwerfen wollen, bekommt das FSJ jetzt noch einen besonderen Reiz. Denn seit dem 1. August können sie statt Zivildienst ein Freiwilliges Soziales Jahr machen.

Daniel Segun aus Heinsberg kennt beides. Er hat seinen Zivildienst schon hinter sich. Trotzdem macht der 20-Jährige jetzt noch ein soziales Jahr. Dabei möchte er weder Krankenpfleger noch Sozialpädagoge werden. Diplom-Biologe ist sein Traumberuf. Allerdings hat es mit dem Studium oder einer Ausbildung zum Biologielaboranten in diesem Jahr noch nicht geklappt. Ein Jahr Leerlauf.

Rumjobben oder nur Urlaub machen kam für ihn nicht in Frage. "Ich wollte etwas Sinnvolles tun." So ganz nebenbei sieht es auch im Lebenslauf gut aus, sich sozial engagiert zu haben. Er arbeitet jetzt bei der Lebenshilfe in Heinsberg. Der Unterschied zum Zivildienst? "Beim FSJ wird man besser betreut", findet er.

Alle zwei Monate treffen sich die FSJ-ler zu einer Seminarwoche. Dann tauschen sie sich aus, trösten sich, können unter pädagogischer Betreuung ihre Erfahrungen verarbeiten.

Und hat das soziale Engagement ihn beeinflusst? Nicht in der Berufswahl, aber: "Meine Freunde sagen, ich sei viel sozialer geworden, höflicher." Er selbst allerdings kann keine Veränderung an sich feststellen. Er spielt immer noch leidenschaftlich gerne Fußball beim 1. FC Heinsberg-Lieck und geht mit seinen Freunden aus.

Als sich allerdings die Möglichkeit bot, mit der Arbeitsgemeinschaft Freiwillige Soziale Dienste nach Klosterbuch an der Mulde bei Grimma zu fahren, um den Opfern der Flutkatastrophe beim Wiederaufbau zu helfen, hat er sofort ja gesagt.

Vielleicht ist ja doch was dran mit der sozialen Ader.