Kreis Heinsberg: Freie Wähler wollen „Kreiskulturerbe“ - CDU: „Nicht sinnvoll“

Kreis Heinsberg : Freie Wähler wollen „Kreiskulturerbe“ - CDU: „Nicht sinnvoll“

Die Diskussion um die mögliche Bebauung vor der unter Denkmalschutz stehenden Gangelter Stadtmauer, die jüngst für viel Wirbel gesorgt hatte, aber erst einmal vom Tisch ist, hatte aus Sicht der Freien Wähler die Frage aufgeworfen, ob die Kulturgüter des Kreises Heinsberg über das bekannte Denkmalschutzgesetz ausreichend geschützt seien.

Sie beantragten daher, der Begriff „Kreiskulturerbe“ solle in den Sprachgebrauch des Denkmalschutzes, der Stadtplanung, der Regionalplanung und der Tourismusförderung im Kreis Heinsberg aufgenommen werden. Der Ausschuss für Kultur, Partnerschaft und Tourismus sollte beauftragt werden mit der Erarbeitung einer Liste von schützens- und erhaltenswerten Objekten, die als Kreiskulturerbe benannt werden sollten.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg sollte die Kreiskulturerbe-Objekte in das Tourismuskonzept für das Heinsberger Land aufnehmen. Und die Liste der Kreiskulturerbe-Objekte sollte allen Schulen im Kreis für Unterrichtszwecke zur Verfügung gestellt werden, damit diese sie unter dem Oberbegriff „Heimatqualität“ in den Unterricht aufnehmen mögen.

Im Kreisausschuss erklärte Landrat Stephan Pusch (CDU), der Antrag ziele darauf ab, die Begrifflichkeit „Kreiskulturerbe“ einzuführen und eine eigenständige Bestandsliste auf Kreisebene zu erstellen. Im Kreis Heinsberg seien laut Denkmalstatistik bis Ende 2016 insgesamt 1608 Denkmäler unter Schutz gestellt und vier Denkmalbereiche ausgewiesen worden.

Zuständig für die Führung der Denkmallisten sowie alle sonstigen denkmalrechtlichen Entscheidungen seien originär die Städte und Gemeinden als Untere Denkmalbehörden. Diese würden im Benehmen mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR-Amt für Denkmalpflege und LVR-Amt für Bodendenkmalpflege) über die Eintragung entscheiden und einen Bescheid erteilen.

Die Baudenkmäler im Kreisgebiet seien in den Heimatkalendern der Jahre 2004 bis 2018 — nach Stadtgebieten geordnet — beschrieben und teilweise fotografisch dargestellt worden. Es gebe auch eine als Privatinitiative erstellte Internet-Seite. Der Landschaftsverband führe ebenfalls auf einer Internetplattform ein digitales Informationssystem über die historische Kulturlandschaft und das landschaftliche kulturelle Erbe.

„Der Begriff Kreiskulturerbe wäre rechtlich nicht relevant, inhaltlich nicht ohne weiteres definierbar und ohne Mehrwert für die Bevölkerung, führt aber zu einem erheblichen administrativen Aufwand“, so der Landrat.

Das sah auch die CDU-Mehrheitsfraktion so, für die Kulturausschussvorsitzender Erwin Dahlmanns sagte, einen solchen Begriff einzuführen, wäre „nicht sinnvoll, unnötig und wenig hilfreich“. Zudem solle sich der Kreis nicht in Zuständigkeiten der Städte und Gemeinden einmischen.

Auf Vorschlag des SPD-Fraktionsvorsitzenden Ralf Derichs wurde der Antrag der Freien Wähler schließlich in den Fachausschuss, sprich in den Ausschuss für Kultur, Partnerschaft und Tourismus, verwiesen.

Die Freien Wähler haben — wie ihr Fraktionsvorsitzender Walter Leo Schreinemacher ergänzend erklärte — bei der Idee des Kreiskulturerbes nicht nur an Denkmäler und Gebäude, sondern auch an anderes Schützenswertes wie die Tradition der Schützenbruderschaften gedacht.

Jetzt ist auf jeden Fall erst einmal der Kulturausschuss am Zug. Der Landrat gab die Anregung mit auf den Weg, über andere Formen als das vorgeschlagene „Kreiskulturerbe“ nachzudenken.

(disch)