Wassenberg: „Florentinische Krankheit” ähnelt den Folgen der Völlerei

Wassenberg : „Florentinische Krankheit” ähnelt den Folgen der Völlerei

„Die Florentinische Krankheit - ein Textkonzert” von und mit Willi Achten und Heribert Leuchter in der Aula der Gemeinschaftsgrundschule Wassenberg hätte sicherlich mehr Zuhörer verdient gehabt, denn die Veranstaltung des Vereins „Bürgerbücherei Wassenberg - Bücherkiste” bot sowohl literarisch als auch musikalisch Unterhaltung auf hohem Niveau.

Einfühlsam, eindringlich und spannend sind Adjektive, mit denen man die Lesung von Willi Achten charakterisieren kann. Mit sanfter Stimme entführte er das Publikum in Sphären der Lust, der Liebe, der Kunst und der Faszination, die eine Stadt wie Florenz für ihre Besucher bereithält.

Heribert Leuchter brachte zusätzlich Klangfarben in den Vortrag hinein, indem er den Texten musikalisch Gestalt verlieh mit Klarinette, Querflöte und Saxophon. Der Aachener Autor Willi Achten entführte die Zuhörer mit der Lesung aus seinem Roman „Die Florentinische Krankheit” in eine andere Welt - die Welt der Kunst und des Kunstgenusses.

Angeblich verursacht zu viel von Letzterem ebenso wie die Völlerei Beschwerden und zwar die „Florentinische Krankheit”. Willi Achten: „200 bis 300 Leute im Jahr verfallen dieser Krankheit. Zumeist Amerikaner, die Florenz besuchen.” Von den Erkrankten seien, so Achten leicht schmunzelnd, die meisten weiblichen Geschlechts, davon wiederum die meisten Alleinreisende. Heilung verspreche die Abreise aus Florenz oder die Poesie.

„Zuviel schöne Kunst macht krank”, so der Autor, eines Romans, der viele Erzählstränge mit einander verknüpft. Da gibt es eine nie aufgeklärte Serie von Morden an Frauen im Florenz der sechziger bis achtziger Jahre; auf die weitere Morde folgen, deren Opfer nach bekannten Motiven der Florentiner Kunstgeschichte stilisiert wurden. Das Schöne neben dem Abgründigen und Bösen sind wesentliche Elemente von Willi Achtens Roman, der auch ein Kriminalroman ist.

Kräftiger Beifall belohnte Autor und Musiker, die beide das Engagement der „Bücherkiste” zu würdigen wissen und daher zum wiederholten Mal nach Wassenberg fanden. Dass sich die Zahl der Besucher in Grenzen hielt, nahm Moderatorin Irmgard Stieding bedauernd zur Kenntnis. Sie hofft, dass durch Mund-zu-Mund-Propaganda dieses hochkarätige kulturelle Angebot in der Stadt Wassenberg demnächst mehr Anhänger finden wird.

Für eine ganz besondere Veranstaltung der „Bücherkiste” gibt es jetzt schon Karten. Am Samstag, 3. Dezember, 19.30 Uhr, heißt es auf der Burg Wassenberg „Und die Titanic fährt doch”.

Es gibt ein „Untergangsdinner” im Vorfeld des hundertsten Jahrestags des Titanic-Desasters. Burg Wassenberg serviert drei Gänge aus dem letzten Bord-Menü der Titanic, und der Autor Ulrich Land liest aus seinem neuen Krimi „Und die Titanic fährt doch”. Dazu spielt Michael Burger auf der akustischen Gitarre. Wer „mit untergehen” möchte, reserviert Karten unter Telefon 02432/9490. Ticketverkauf im Burghotel und in der Buchhandlung „Bücherstube Wassenberg” in der Roermonderstraße 5.