Städteregion: Fliegen mit Behinderung: Ein Segelflugzeug für Rollstuhlfahrer

Städteregion : Fliegen mit Behinderung: Ein Segelflugzeug für Rollstuhlfahrer

Fliegen mit Behinderung? Na klar! „Dass Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung eigenständig mit dem Auto fahren, gehört mittlerweile zum Alltag“, sagt Bernd Orban. „Aber selbst ein Segelflugzeug zu fliegen, das ist die große Ausnahme.“ Der Vorsitzende der Philips-Fluggruppe Aachen und die Mitglieder des Vereins wollen das ändern.

So begab man sich vor einigen Monaten auf die Suche nach einem passenden Segelflugzeug. Die Seitensteuerung, die sonst mit den Füßen bedient wird, muss schnell auf Handsteuerung umbaubar sein. Auch sollte das Flugzeug eigenstartfähig sein, das heißt keine Seilwinde und kein Schleppflugzeug notwendig sein, damit es ohne großen Helferaufwand starten kann. Es sollte bezahlbar sein und den strengen Auflagen des Luftfahrtbundesamtes genügen.

In Schweden wurde man fündig. In den nächsten Tagen wird die ASK 21 Mi von Kristianstad nach Aachen überführt. Ab Frühjahr 2017 soll die Maschine allen Menschen, die diesen Flugsport lernen möchten, ob behindert oder nicht, zur Verfügung stehen. Das neue Flugzeug ist für die Ausbildung zugelassen und gleichermaßen für Flüge in die Umgebung geeignet.

Jetzt nehmen Mitglieder der Philips-Fluggruppe Kontakt mit Verbänden und Einrichtungen in der Städteregion auf, damit dieses in der Region einmalige Angebot schnell bekannt wird. „Wir wünschen uns sehr ein Projekt mit Organisationen wie der Aktion Mensch“, sagt Bernd Orban, der auch Fluglehrer ist und sich freut, die Inklusion im Luftsport vorantreiben zu können.

Vollständiges Neuland wird damit in der Städteregion nicht betreten. Bereits acht Mal hat ein anderer Aachener Verein, der Luftsportverein Aachen, mit Unterstützung der Flugplatzgesellschaft Aachen-Merzbrück und der Städteregion ein integratives Jugendcamp veranstaltet. „Wir können nicht allen Menschen den Sprung ins Cockpit ermöglichen“, sagt Hans-Günther Mohr, Geschäftsführer der Philips-Fluggruppe. „Aber gerade bei den in ihrer Mobilität eingeschränkten Menschen erlauben die gesetzlichen Bestimmungen eine Tätigkeit als Pilot. Somit ist es möglich, vom Rollstuhl in das Segelflugzeug zu steigen und eigenverantwortlich zu fliegen.“ Mohr weiter: „Unser Ziel ist es, unser schönes Hobby im Kreis von Menschen mit und ohne Handicap zu betreiben. Ob jung oder alt, Mann oder Frau: Segelfliegen darf man bereits ab 14 Jahren, und nach oben gibt es keine Grenze. Und noch eines ist wichtig: Anders als bei anderen Sportarten kommt es nicht darauf an, wer am stärksten ist, am höchsten oder weitesten springen oder am schnellsten laufen kann. Bei uns siegen die, die sich engagieren, Biss haben und sich in der Gemeinschaft wohlfühlen.“ Da spielten körperliche Handicaps keine Rolle.

„Ohne Gemeinschaft geht im Luftsport gar nichts“ ergänzt Achim Lürken, der bei der Philips- Fluggruppe für die Technik verantwortlich ist. „Wir sind in Aachen fünf Luftsportvereine unter dem Dach der Fluggemeinschaft Aachen. Und nur gemeinsam können wir unser ehrgeiziges Ziel erreichen.“

(red)