Wegberg-Beeck: Flachsmuseum: Waschechtes Diplom für die Reinheit

Wegberg-Beeck : Flachsmuseum: Waschechtes Diplom für die Reinheit

Wäsche waschen können viele. Aber wer kann schon von sich behaupten, ein waschechtes Waschdiplom zu Hause an der Wand hängen zu haben?

Nicht nur um diese Auszeichnung zu ergattern, sondern auch, um jede Menge Spaß zu haben und dabei noch etwas zu lernen, haben sich fast 40 Kinder beim „großen Waschtag wie anno dazumal” im Beecker Flachsmuseum versammelt.

Bepackt mit schmutzigen Kleidungsstücken, die geradezu nach Waschmitteln und sauberem Wasser schreien, reisen die kleinen Saubermänner und -frauen gerne anhand von Waschutensilien aus Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts in diese Zeit zurück.

Besonders der „Ritsch-Ratsch”, auch bekannt als Wasserstampfer, hat es den Jungen und Mädchen angetan. Mit ganzem Körpereinsatz stemmen sie sich auf das urige Gerät, das genau wie die Waschbretter und die Wannen normalerweise ein ruhiges Leben im Museum fristet.

Bei so viel spritzendem Nass bleiben auch die eifrigen Arbeiter nicht verschont. Ein Mädchen stampft mit einer solchen Begeisterung, dass nicht nur die Wäschestücke aus der Wanne, sondern auch die von ihr getragenen auf der Leine landen.

Als ganz groß im Wäscheaufhängen entpuppen sich die Jungen. „Obwohl das eigentlich was für Frauen ist”, erwähnt Moritz nebenbei. Zu Hause helfe der Neunjährige jedoch seiner Mutter auch beim Wäsche aufhängen. Doch in Sachen Schnelligkeit kann er Anne nicht das Wasser reichen. In sage und schreibe 58 Sekunden hing jedes Kleidungsstück über der Leine.

„Das Aufhängen mit Zeitstoppen fand ich super”, kann die zehnjährige Gewinnerin nachher natürlich leicht von sich geben. Die erste Fuhre Wäsche hängt, jetzt muss sich um die zweite gekümmert werden. „Meins ist ganz voller Schmutz”, klagt eine kleine Waschfrau nicht ohne Stolz.

„Meins auch”, bestätigt ihre Mitwäscherin am Trog. Nachdem beide nach erneutem Schrubben auf dem Waschbrett ihre Arbeit für gut befunden haben, stellen sie sich in die lange Schlange, die vor der Wringe wartet. Jedes Kind, über dem Arm ein sauberes Kleidungsstück, darf selbst die schwere Kurbel drehen, die das Wasser aus dem Stoff presst.

Quietschend bewegen sich die Rollen, als die neunjährige Felicitas den Holzgriff im Uhrzeigersinn dreht: „Anstrengend”, schnauft das dunkelhaarige Mädchen. Marcel hat sich hingegen darauf spezialisiert, die Wäsche, die die beiden schwere Rollen passiert hat, entgegenzunehmen.

„Selbst wenn wir so eine Maschine hätten: Zu Hause würde ich das nicht machen”, stellt der Elfjährige klar. Doch Heinz Gerichshausen, Leiter des Flachsmuseums, weist schnell auf den pädagogischen Effekt hin: „Jetzt wissen die Kinder einmal, wie viel Kraft und Handarbeit das früher gekostet hat.”