Heinsberg: Fasten bedeutet nicht nur Essensverzicht

Heinsberg : Fasten bedeutet nicht nur Essensverzicht

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei”, lautet der Text eines für eingefleischte Karnevalisten wehmütigen Liedes.

Der christliche Aschermittwoch setzt der Narretei und dem feucht-fröhlichen Prassen ein jähes Ende und bedeutet gleichsam den Beginn für die 40-tägige Fastenzeit bis zu Karsamstag. Sie entstand erst im vierten Jahrhundert und fand ihre Vorbilder in religiösen Persönlichkeiten wie Moses oder Jesus, die 40 Tage lang auf jegliche Nahrungsaufnahme verzichtet haben sollen.

Der freiwillige und bewusste Verzicht stellt für den Gläubigen eine Vorbereitung auf das Leiden Jesu dar, das letztlich in das christliche Freudenfest, die Osterzeit, mündet. Schon die Bedeutung des Wortes Fasten lasse darauf schließen, ist bei einer Internetrecherche zu lesen. Seinen Ursprung finde es im Mittelhochdeutschen bei dem Wort „vaste” für „fest”.

Vom Fasten wurde demnach auch das Wort „Fastnacht” (vasthaht) hergeleitet, was im katholischen Kirchenjahr als Nacht vor der Fastenzeit definiert ist. Früher war es den Gläubigen verboten, in dieser Zeit bestimmte Speisen zu sich zu nehmen. „Es bezog sich alles auf das Essen, obwohl die Menschen viel weniger gegessen haben als wir”, erklärt Heinsbergs Propst Günter Meis.

Die moderne Sicht des „Fastens” sei jedoch eine völlig andere, erläutert er. „Es geht nicht primär um Essen und Trinken. Es geht nicht um Diät oder Heilfasten, sondern um ein Fasten, das mich zum Heil führt oder zum Heiland, zum inneren Wohlbefinden im Einklang mit mir, Gott und der Welt.”

Dabei handele es sich nicht um einen Verzicht um des Verzichtes Willen, es sei schließlich keine Olympiade. Das Ziel formuliert Propst Meis so: „Durch Verzicht soll eine innere Leere erreicht werden, um sich zu öffnen für wesentliche Fragen, die im Auf und Ab des Alltags untergehen.” Fragen wie „Was macht mich zum Menschen?”, „Befinde ich mich auf dem richtigen Weg, bedarf es einer Korrektur?” oder „Welchen Wert nimmt Gott in meinem Leben ein?” sollten mit sich geklärt werden, so Meis.

Dabei könne sich durchaus herausstellen, dass es nicht das Essen und Trinken sei, dem der Mensch vielleicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt habe. Vielleicht sei auch schleichend eine Art Besessenheit für die Bundesliga entstanden oder die Vernachlässigung der Familie. „Wer es ernst meint mit sich, sieht darin eine Chance zu einer Neubestimmung seines eigenen Lebens.” In allen Religionen habe die Fastenzeit, wenn auch zu unterschiedlichen Anlässen, ihren festen Platz. „Es ist ein Urempfinden des Menschen”, meint der Geistliche, „irgendwann eine Kurskorrektur vorzunehmen.”