Erkelenz: Fast Aussteiger, dann ein Sieger

Erkelenz : Fast Aussteiger, dann ein Sieger

Nicht einmal Muskelkater hatte er am nächsten Tag.

Während andere Mitmenschen nach einem leichten Waldspaziergang über Schmerzen in den Waden klagen, legte Volker Spanier 100 Kilometer im Dauerlauf zurück, um am nächsten Tag zwar ermattet, aber schmerzfrei zurück in die Erkelenzer Heimat zu fahren.

Nach Biel in die Schweiz war der 43-Jährige aufgebrochen, um dort am 100-Kilometer-Lauf teilzunehmen. „Insgesamt war der Lauf mehr als hart und mein zweiter Ultra innerhalb von vier Wochen”, berichtete der Ausdauersportler nach der Rückkehr der EVZ.

Da Biel aber ebenso zum Europacup der Supermarathone zählt, genau wie der Rennsteiglauf vor vier Wochen über 73 Kilometer oder im Oktober der Schwäbisch Alb-Marathon über 50 Kilometer, musste, wer in die Wertung kommen wollte, auch in Biel laufen.

Pünktlich um 22 Uhr erfolgte der Startschuss für 1922 Läufer zum 100 Kilometer-Lauf. „Der Tag war sehr heiß, und auch in der Nacht sollte das Thermometer nicht unter die 20 Grad-Marke fallen”, berichtete Spanier, der rundum begeistert war von der Atmosphäre am Start.

Es ging hinaus in die Nacht, wo die ersten Steigungen bereits wenige Kilometer nach dem Start zu bewältigen waren. Die Dunkelheit bereitete wenig Probleme, da der Vollmond für ausreichende Beleuchtung sorgte.

In den zu durchlaufenden Dörfern herrschte angesichts der für Nichtläufer angenehmen Temperaturen mitten in der Nacht Volksfeststimmung. Ansonsten wurde der Lauf durch Einsamkeit an der Strecke geprägt, auch wenn der Sportler selten alleine lief.

Mal über glatte Steine, mal über Wurzeln

Einer der Höhepunkte des Laufs war die Bewältigung des fast zehn Kilometer langen so genannten Ho-Chi-Minh-Pfades, der kurz vor der 60 Kilometer-Marke erreicht wurde. Ein äußerst schmaler Pfad, mit wechselnden Bodenbelägen, mal glatt polierte runde Steine, zwischendurch Wurzeln, anfangs noch Wiese, immer wieder Äste, die einem durchs Gesicht peitschten und alles bei Dunkelheit.

Die ersten Nebelbänke stiegen auf den Wiesen empor und der Läufer wusste, warum der Weg seinen Namen hatte. Bei 82 Kilometern war der höchste Punkt des Laufs erreicht, und es ging danach steil abwärts.

„Die Sonne brach mit Macht hervor und sorgte dafür, dass die, zumindest für mich, letzten Kilometer zur Qual wurden. Die letzten Kraftreserven gingen dahin, es war gnadenlos. Die Verpflegungsstände, die recht gut waren, waren gerade auf den letzten Kilometern zu dünn aufgebaut und lagen teilweise 6,5 Kilometer auseinander.”

Die Marke 99 lag in einer Art Steinbruch, und so endete der Lauf fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Biel erreichte das Ziel um 9.50 Uhr, dass heißt nach 11:50 Stunden als 495. von zirka 1450 der Männerwertung.

Läufer, die gegen Nachmittag ins Ziel kamen, berichteten von am Asphalt klebenden Schuhen. Für Spanier blieb die Erkenntnis und der Stolz: „Für Biel kann nur gelten: Wer durchkommt, ist ein Sieger.”

Dabei hatte es gar nicht nach einem Sieg ausgesehen: „Nach 40 Kilometern wollte ich das Rennen beenden und in den Begleitbus steigen.” Aber dann lief Spanier doch weiter, als er sah, dass der Bus noch leer war. „Ich wollte nicht der erste Aussteiger sein.”