Aachen/Alsdorf: Familie bedeutete ihm Glück und ganze Zufriedenheit

Aachen/Alsdorf : Familie bedeutete ihm Glück und ganze Zufriedenheit

Als der sonst so gar nicht aggressive Faruk E. seiner 36 Jahre alten Ehefrau Gertrud die Kehle durchschnitt und seine 45-jährige Schwägerin Elke schwer verletzte, habe er im affektiven Ausnahmezustand gehandelt.

Allerdings habe der zweifache Vater noch nicht unter einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung gelitten. Zu diesem Ergebnis kommt Gutachterin Konstanze Jankowski, forensische Psychiaterin und Nervenärztin aus Köln, die am Freitag vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Aachen aussagte.

Aber was bedeutet dieses Ergebnis rechtlich gesehen? Dass Faruk E. zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig war. Damit reduziert sich der vom Strafgesetzbuch vorgegebene Rahmen. Der 40-Jährige ist des Totschlags und des versuchten Mordes angeklagt.

Aber nach einem Hinweis des Vorsitzenden Richters Gerd Nohl am Freitag wird Faruk E. wohl doch nur wegen Totschlags und versuchten Totschlags verurteilt. Was wiederum bedeutet, dass ihn eine Höchststrafe von elf Jahren und drei Monaten erwartet.

Konstanze Jankowski beschrieb den Tatverdächtigen als leistungsorientierten, zuverlässigen und gewissenhaften Mann, der besonders auf seine Familie bezogen war, daraus sein Glück und Zufriedenheit zog. Dieser Mann sei nach Entdecken eines außerehelichen Verhältnisses seiner Frau - von dem die Schwägerin wusste - existenziell erschüttert gewesen.

Ein unterkühlter, provozierender Spruch seiner Frau, die ihm ein klärendes Gespräch verweigerte, habe ihn wie ein Blitz getroffen und das von einer hohen Dynamik geprägte Geschehen ausgelöst. Er selbst habe es bei der psychiatrischen Exploration so gesagt: „Da habe ich die Kontrolle, den Verstand, mich selbst verloren.”

Blut an den Händen

Die Erinnerungslücke an die Taten selbst sei, so die Sachverständige, Folge eines Verdrängungsprozesses. Sofort nach der Tat hatte sich Faruk E. bei der Polizei gestellt. „An seinen Händen lief das Blut herunter und er sagte: Ich habe meiner Frau die Kehle durchgeschnitten”, erinnerte sich vor Gericht ein Polizist aus Baesweiler. Der Mann, der darum bat, in Handschellen gelegt zu werden, sei dabei ganz ruhig gewesen, habe lediglich schwer geatmet, wie nach einem Treppenaufstieg.

Die 15 Jahre alte Tochter des Angeklagten, die ihre Mutter nach der Tat blutüberströmt am Boden liegen sah, und ihre Tante verzweifelt um Hilfe bat, verfolgt den Prozess als Zuschauerin.

Auf ihre Aussage als Zeugin hatten alle Prozessbeteiligten bereits am ersten Verhandlungstag verzichtet, um das Mädchen nicht noch mehr zu belasten. Immer wieder kämpfte sie am Freitag mit den Tränen.