Wegberg/Wassenberg: Fall TCE: Ermittlungen führen zu giftiger Spur

Wegberg/Wassenberg : Fall TCE: Ermittlungen führen zu giftiger Spur

Diallylamin, Allylamin, Chlorgas oder Natriumfluorid klingen für die meisten Ohren wie Chemiechinesisch. Der Fachmann fasst sie jedoch unter einem Oberbegriff zusammen: Gefahrenstoffe.

Die Universität Bayreuth hält in ihrem Internetlexikon für diese Chemikalien noch eine Warnung bereit: Gefahr für Mensch und Umwelt.

„Diese und andere Gefahrgüter hat TCE auf dem Flugplatzgelände Wildenrath gelagert”, bestätigte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, Ralf Möllmann.

Für die Lagerung einiger sei eine Genehmigung einzuholen, für die anderer erst ab einer gewissen Menge. „Und diese Grenze von zehn Tonnen hat TCE überschritten”, erklärte Möllmann weiter. So habe das Unternehmen beispielsweise in dem Zeitraum zwischen 1997 und 2000 insgesamt 2050 Tonnen Giftstoffe für eine Firma gelagert.

Dass ein „unerlaubtes Betreiben einer Anlage”, wie es im Paragraphen heißt, stattgefunden hat, steht ganz offensichtlich außer Frage. Und TCE-Geschäftsführer Karl-Heinz Geiger räumte wiederholt selbst ein: „Das Chlorgas haben wir offiziell, die anderen Giftstoffe haben wir durch die Blume bestätigt.”

Die Frage für die Staatsanwaltschaft lautet: Wann lag was in welchem Umfang dort? „Im Wesentlichen geht es um die Mengen”, erläuterte Sabine Wengst, ermittelnde Staatsanwältin. Daneben müsse eben geklärt werden, ob die Güter giftig seien oder nicht und ob die Lagerung genehmigungspflichtig sei.

Aber eines kann die Staatsanwältin jetzt schon klarstellen: „Es gibt Zeiten, in denen die Grenze bei den Mengen überschritten wurde.” Als Beispiel nannte Sabine Wengst den Gefahrenstoff Chlorgas, der überhaupt nicht gelagert werden darf. Mit einer Ausnahme: „Natürlich haben Hallenbäder immer kleine Mengen davon vorrätig, weil sie es für das Wasser brauchen.”

Aber auch von diesem Gut habe TCE über zehn Tonnen gelagert. So weit seien die Ermittlungen abgeschlossen. Und auch mit neuen Enthüllungen ist nach Ansicht der Staatsanwältin nicht zu rechnen, die das Verfahren als „äußerst umfangreich” bezeichnete. Ein ähnlicher Fall habe ihr noch nie vorgelegen, so dass sie auch die Höhe der Strafe nicht einschätzen könne: „Das kann von einer Geld- bis zu einer Freiheitsstrafe alles sein.”

Karl-Heinz Geiger wollte sich nicht zu den neuen Ergebnissen der Ermittlung äußern. „Wir haben die Akten angefordert, und diese Akten liegen uns nach meinem Kenntnisstand nicht vor”, erläuterte Geiger sein Schweigen, „aber wir rechnen täglich damit”.

Womit wiederum die Staatsanwaltschaft in Mönchengladbach nicht gerechnet habe, wie Wengst („So viel ich weiß, ist die Akteneinsicht schon erfolgt”) und Möllmann („Ich meine, die hätten die Akten erhalten”) einstimmig mitteilten.

Diallylamin und Allylamin

Diallylamin ist eine farblose Flüssigkeit mit ammoniakalischem Geruch. Mit Luft bildet der Stoff ein explosionsfähiges Gemisch. Beim Kontakt kann es zu Schleimhautreizungen, Atemnot oder Verätzungen kommen. Allylamin ist eine farblose bis blassgelbe Flüssigkeit mit ebenfalls ammoniakalischem Geruch.

Es ist giftig beim Einatmen, Verschlucken oder Berühren mit der Haut. Außerdem besteht die Gefahr einer Resorption über die Haut. Es kann Müdigkeit und Kopfschmerzen verursachen. Allylamin verdampft sehr leicht und bildet mit Luft ein Explosionsgemisch.

Chlor ist ein gelbgrünes Gas von stechendem Geruch. Es ist giftig beim Einatmen und reizt Augen, Atmungsorgane und Haut. Explosive Reaktionen kann es mit zahlreichen Stoffen geben, wie etwa Ammoniak, Benzin oder Wasserstoff.

Gefährliche Gase können in Kontakt mit Methanol oder Öl entstehen. Natriumfluorid ist ein farblos-weißer oder grünlicher Feststoff (Kristalle). Giftig ist es, wenn es verschluckt wird. Bei Berührung mit Säure entwickelt es Gas: Fluorwasserstoff.

Bei starkem Kontakt hat Chlor Knochenveränderungen und Zahnschäden zur Folge.