Explosion: Ecstasy-Abfall heiß entsorgt

Explosion: Ecstasy-Abfall heiß entsorgt

Haaren / Echt. Durch eine heftige Explosion wurden am späten Montagabend gegen 22 Uhr die Anwohner der Straße „Waldweg” im Waldfeuchter Ortsteil Haaren aufgeschreckt.

Unmittelbar nach dem lauten Knall war im angrenzenden Waldgebiet auf holländischer Seite Feuerschein weithin zu sehen. Sofort gingen etliche besorgte Anrufe bei der Feuerwehr-Leitstelle in Erkelenz ein.

Ein Sprecher der Polizei-Region Limburg-Nord und der Einsatzleiter der niederländischen Feuerwehr, Rob Hamelink, bestätigten am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung, dass im Grenzgebiet bei Haaren ein Lastwagen in Brand gesetzt worden sei, auf dessen Ladefläche sich zahlreiche Behälter mit Chemie-Abfällen befunden hätten - Abfälle, die vermutlich aus der illegalen Produktion der Designer-Droge „Ecstasy” stammten.

Der Lkw habe ein HS-Kennzeichen gehabt und sei der niederländischen Polizei von deutscher Seite bereits als gestohlen gemeldet worden, erklärte der Polizei-Sprecher.

Das Feuer habe eine solch enorme Hitze entwickelt, dass alles komplett verbrannt sei, und so stelle es sich als äußerst schwierig dar, eine genaue Bestimmung der Stoffe und Mengen vorzunehmen.

Derzeit untersuche das niederländische Forstamt, ob im Umfeld der Brandstelle möglicherweise Chemikalien in den Boden gelangt seien.

Gefällt werden müssen an der Brandstelle auf jeden Fall mehrere alte Buchen, deren Stämme verkohlt sind. Hätten die Täter den Lkw in einem Mischwaldgebiet angesteckt, hätte das Feuer sicher erheblich größeren Schaden angerichtet, meinte ein Sprecher der Feuerwehr.

Die niederländische Polizei sei bemüht zu klären, wem der Lkw gehöre.

Die Feuerwehr Haaren wurde per Meldeempfänger und Sirene alarmiert. Auf dem Weg zur Einsatzstelle sahen die Wehrmänner bereits aufjagende Stichflammen. Einsatzleiter H.J. Hermanns informierte über die Leitstelle unverzüglich auch die Echter Brandwehr.

An der Einsatzstelle bot sich den Feuerwehrleuten ein ungewöhnliches Bild: Ein Lastwagen brannte in voller Ausdehnung mitten in einem Buchenwald. Auf der Ladefläche befanden sich nach Angaben des niederländischen Einsatzleiters drei 1000-Liter Fässer, neun 200-Liter-Fässer und mehrere 20-Liter Kunststoffgebinde, teils geöffnet, teils von Explosionen zerrissen.

Da erkennbar war, dass die 2500 Liter Wasser, die die Löschgruppe Haaren mit sich führte, nicht ausreichen würden, ließ die Haarener Einsatzleitung die Löschgruppe Brüggelchen mit ihrem Tanklöschfahrzeug nachalarmieren, so dass schließlich auf deutscher Seite vier Fahrzeuge und rund 30 Mann im Einsatz waren.

Bis zum Eintreffen der Echter Brandwehr, die mit zwei Löschfahrzeugen anrückte, beschränkte sich die Aufgabe der Haarener Kollegen darauf, den Wald aus einer Deckung heraus zu löschen und ein Ausbreiten der Flammen zu verhindern.

Nach zirka 30 Minuten, so teilte die Haarener Feuerwehr mit, seien die Echter Kameraden mit 13 000 Litern Wasser vor Ort gewesen. So habe ein teils unter Atemschutz geführter intensiver Wassereinsatz mit zwei B-Rohren gestartet werden können, und nach weiteren 30 Minuten sei der Brand unter Kontrolle gewesen.

Die Löscheinheit Brüggelchen, die bis dahin im Pendelverkehr Wasser zur Einsatzstelle gebracht hatte, konnte nun wieder abrücken.

Trotz der abgeschiedenen Lage des „Tatorts” waren zahlreiche Schaulustige zur Stelle.

Ein „Obsporing-Team” der Feuerwehr Roermond stellte bei einer ersten Untersuchung den Stoff Aceton fest. Aceton ist ein Abfallprodukt der Herstellung von Ecstasy-Tabletten und wurde in der letzten Zeit bereits mehrfach im Raum Limburg „heiß entsorgt”.

Alle zwei, drei Monate, so der niederländische Einsatzleiter, habe es in der Vergangenheit solche Fälle gegeben, etwa im Meinweg-Gebiet oder in Midden-Limburg. In diesem Raum sei es der erste Fall gewesen.

Er bestätigte, dass es sich um eine vergleichsweise große Menge - möglicherweise bis zu 5000 Liter - gehandelt habe. Meist bewegte sich die gewohnte Abfallmenge dieser illegalen Labors zwischen 200 und 500 Litern.

Auf deutscher Seite der offenen Grenzen wurden in der Vergangenheit schon des Öfteren Fässer mit Rückständen aus der Ecstasy-Produktion „entsorgt” - zumeist im Raum Selfkant und durch einfaches Ablagern der Fässer.

Nach Angaben der Feuerwehr dauerte der Einsatz etwa fünf Stunden.