Hückelhoven-Brachelen: Esskultur als Teppich der Erinnerungen

Hückelhoven-Brachelen : Esskultur als Teppich der Erinnerungen

„Die zwei Seminartage haben mich überzeugt. Und ich habe viele neue Ideen entwickelt.” Armin Leclou, Küchenchef des Alten- und Pflegeheimes Haus Berg in Brachelen, ist nach anfänglicher Skepsis von Markus Biedermann begeistert.

Der hat auf Einladung der Einrichtung in Kooperation mit dem Caritasverband Aachen das Seminar „Esskultur - als Teppich der Erinnerungen” angeboten. Dem diplomierten Küchenchef und Gerontologen aus der Schweiz und Gründer des „Forum 99 - Ihr Partner für Esskultur im Alter” ging es in erster Linie darum, Ideen und Methoden mit Zuhilfenahme der Biografiearbeit zu vermitteln, um alte bzw. an Demenz erkrankte Menschen zum Essen zu verführen.

Dabei legte er großen Wert darauf, Kontakt zwischen der Küche und den Bewohnern in den Wohngruppen herzustellen. Und so zog er durch das Haus, um mit den Senioren über das Thema Essen bzw. die Zubereitung zu sprechen und weckte so Erinnerungen an die eigene heimische Küche.

„Wir sind zwar in der Küche für die Versorgung der Bewohner zuständig, doch wir binden sie so nicht mit ein”, erkannte Armin Leclou. Er sei nun sensibilisiert für das Thema. Für Markus Biedermann ist das Konzept eigentlich ganz einfach. „Der Koch ist mit seinem Essen verantwortlich bis zum Bewohnerbett und hat ebenso Sorge dafür zu tragen, die Grundstimulation zu erreichen und den Bewohner zum Essen zu verführen wie die anderen Mitarbeiter”, wie er sagt.

Dazu gehört auch, dass die Bewohner, besonders die dementiell erkrankten Bewohner, in die Speisenplanung und Gestaltung des Essens mit einbezogen werden, das Essen planen und zubereiten wie es schon in den Wohngruppen von Haus Berg geschieht. Markus Biedermann stellte dar wie wichtig die jeweilige Essbiografie der Bewohner ist, um sie „zum Essen zu verführen”. Von ihm stammt der Satz, dass „eine gepflegte und bewohnerorientierte Esskultur einen wesentlichen Beitrag zur Lebens- und Erlebnisqualität vom Heimbewohnern leistet”.

Ihm ging es darum im Seminar zu vermitteln, dass gerade durch Düfte und Geräusche rund um die Essenszubereitung am Bett dem stark beeinträchtigten Bewohner eine Kommunikationsplattform geboten wird. „Man muss die Menschen immer wieder fragen, worauf und wozu sie Lust haben”, sagt er.

Außerdem müsse darauf geachtet werden, dass handfertige Produkte in der Küche verwendet werden und die Arbeitsplätze gut erreichbar sind, damit die Bewohner gut mit anpacken können. Und demente Bewohner, die ihr Besteck nicht mehr halten könnten, hätten die Möglichkeit trotz motorischer Beeinträchtigung selbstständig zu essen, wenn sie „Fingerfood” bekommen würden.