Es geht um Inhalte, nicht um das Etikett der Hilfe

Es geht um Inhalte, nicht um das Etikett der Hilfe

Kreis Heinsberg. Im Kreis Heinsberg möchte man Hilfe für Not- und Krisengebiete in der Welt künftig so bündeln, dass schnell, wirksam und nachhaltig da geholfen werden kann, wo Hilfe am nötigsten ist.

Das ist das Ergebnis einer Zusammenkunft von Vertretern aus Politik, Kommunen, Hilfsorganisationen und in der Hilfe tätigen Privatpersonen am Dienstagabend im Heinsberger Kreishaus. Dabei will man die Hilfe nicht nur auf die Flutgebiete in Südasien beschränken, sondern auch die Regionen berücksichtigen, die nicht in den Medien präsent sind, wo aber Hilfe dennoch nötig ist.

Landrat Stephan Pusch freute sich über die gute Resonanz auf seine Einladung und stellte die Frage, was ein Kreis tun könne und wo und wie am nachhaltigsten und wirksamsten geholfen werden könne. „Mir geht es nicht um das Etikett der Hilfe, sondern um Inhalte”, stellte Pusch fest.

Der Landrat lobte die vielen Hilfs- und Benefizaktionen zugunsten der Fluthilfe und stellte fest, dass es dem Kreis darum gehe, die Hilfsbereitschaft zu kanalisieren. „Wir wollen als Kreis keine Konkurrenzveranstaltung zu den Hilfen von Städten, Gemeinden und anderen aufziehen.” Er dankte allen Bürgern des Kreises, die sich bisher für die Fluthilfe eingesetzt haben.

Ein kritischer Wortbeitrag von Dr. Bernd Bierbaum („Wir für Ruanda”) gab letztlich aber schon die Richtung vor: „Indonesien und Thailand sind Schwellenländer, keine Entwicklungsländer. Im Kongo sind in den letzten fünf Jahren vier Millionen Menschen getötet worden, von denen kein Mensch spricht. Im Sudan sterben Hunderttausende, mehr als bei der schlimmen Flutkatastrophe in Südasien, auch das wird verdrängt.”

Im Flutgebiet seien 30 Nationen mit großen Hilfsorganisationen vor Ort, um Hilfe zu leisten. „Ich warne davor, zu viel Geld dorthin zu pumpen”, sagte Bierbaum. Das leiste nur der Korruption und der Bereicherung der führenden Schicht Vorschub, schilderte er seine persönliche Erfahrung aus 28 Jahren humanitärer Hilfe. Hilfe sei sinnvoll, wenn Spendengelder direkt und gezielt vor Ort für konkrete Projekte verwendet würden.

Gleiches bestätigte Heribert Kamps vom Indien-Hilfswerk, das von Heinsberg aus im Raum Madras seit vielen Jahren wirksam und nachhaltig Hilfe leistet. „Die kleineren, ehrenamtlich arbeitenden Gruppen mit Kontakten am Ort helfen besser”, stellte Kamps fest. Dies bestätigten auch die Vertreter der großen Hilfsorganisationen, die ebenfalls an der Zusammenkunft teilnahmen.

Als Resultat der Veranstaltung wurde festgehalten, dass der Kreis Heinsberg nun versucht, eine Plattform für alle Hilfsangebote aus dem Kreis Heinsberg zu schaffen. Darauf basierend könnten alle künftigen Spendenaktionen und Benefizveranstaltungen gezielt auf diese Angebote ausgerichtet werden. „Dann lässt sich eine gemeinsame Anstrengung im Kreis Heinsberg über Veranstaltungen und Projekte organisieren und über Patenschaften nachdenken”, resümierte der Landrat.

Gruppierungen, Vereine, Privatpersonen, aber auch Schulen oder Einrichtungen, die zurzeit Projekte in der Dritten Welt betreuen oder aktiv unterstützen, werden gebeten, dies dem Kreis Heinsberg mitzuteilen.

Benötigt werden folgende Angaben: Ansprechpartner im Kreis Heinsberg mit Adresse, Rufnummer (gegebenenfalls Faxnummer und E-Mail-Adresse), Beschreibung des unterstützten Projektes, Durchführender des Projektes vor Ort.

Die Angaben können formlos an die Kreisverwaltung, Haupt- und Personalamt, Valkenburger Straße 45, 52525 Heinsberg, geschickt werden. Natürlich können die Angaben unter 02452/131095 auch gefaxt werden. Einsendungen sind auch per E-Mail an die Adresse mailto:info@kreis-heinsberg.de unter der Betreffzeile „Hilfsprojekte aus dem Kreis Heinsberg” möglich.

Der Landrat wird darüber hinaus ein Schreiben an in Frage kommende Adressaten versenden, in dem er zur Nennung von Hilfsprojekten aufruft, die aus dem Kreis Heinsberg initiiert worden sind oder betreut werden.