Aachen/Städteregion: Erpressung im Netz: Erst wird es intim, dann will „Pia“ Geld sehen

Aachen/Städteregion : Erpressung im Netz: Erst wird es intim, dann will „Pia“ Geld sehen

Die Aachener Polizei warnt vor einer neuen Art der Erpressung und hat auch schon einen Namen dafür gefunden: „Erpressung auf sexueller Grundlage“. In den vergangenen drei Wochen seien allein in Stadt und Altkreis Aachen bis zu acht solcher Erpressungen bekannt geworden, erklärte am Donnerstag Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Fälle ähneln sich, und um zu begreifen, wie die Täter ihre Opfer um ihr Geld bringen wollen, schilderte Kemen am Donnerstag exemplarisch diesen Fall: Ein junger Mann aus Aachen hatte während der vergangenen Wochen im Internet gechattet. Mit einer Nutzerin namens Pia, die er kennengelernt hatte, sprach er zunächst über Nebensächlichkeiten: Personalien, Beruf, Arbeitsstelle, Alltag. Man fand sich sympathisch, man skypte, man schaltete die Webcam ein, um sich gegenseitig sehen zu können. „Da fand man sich auch noch nett“, sagte Kemen. So nett, dass beide sich vor der Webcam auszogen. Letztendlich wurde die Lust so weit gesteigert, dass der junge Mann sich vor der Kamera selbst befriedigte. „Die Frage ist natürlich, wie es so weit kommen konnte. Der junge Mann hat sich mitreißen lassen“, sagte Kemen.

Als der Aachener fertig war, sagte Pia ihm, dass sie alles aufgenommen habe und den Film ins Internet stellen werde, wenn er ihr nicht sofort 500 Euro überweise. Pia schickte ihm die Kontonummer einer Bank mit Sitz in der Republik Elfenbeinküste in Westafrika. Sollte er die Summe nicht zahlen, werde der Film in sozialen Netzwerken veröffentlicht und auch an seinen Chef geschickt.

Der junge Mann löschte daraufhin alle seine Accounts im Internet, aber die Sache ließ ihm keine Ruhe. Kemen sagte, der junge Mann sei verzweifelt gewesen, als er bei der Polizei eintraf, um Anzeige zu erstatten. Erste Ermittlungen ergaben, dass Pia wahrscheinlich von den USA oder der Elfenbeinküste aus ins Internet gegangen ist, was die weiteren Ermittlungen erschwert. Im Moment ist unklar, ob Pia Mitglied einer in größerem Stil operierenden Bande ist, oder ob sie und andere junge Frauen allein und unabhängig voneinander Männer über das Internet erpressen.

Pia soll 21 Jahre alt und 1,60 bis 1,70 Meter groß sein. Sie ist schlank, dunkelhaarig, hellhäutig und bezeichnete sich als gebürtige Spanierin. Sie ist deutschsprachig. Pia war, wie andere Erpresserinnen auch, in unverdächtigen Chatforen unterwegs und stellte einen unauffälligen Kontakt her. Als es intimer wurde, sei per Bildtelefonie via Skype weiterkommuniziert worden.

Höhere Dunkelziffer

Die bis zu acht Opfer aus der Aachener Region waren ausschließlich Männer zwischen 20 und 45 Jahren. Polizeisprecher Kemen geht allerdings davon aus, „dass die Dunkelziffer höher liegt“. Für manche Männer sei es eine geringere Überwindung, 500 Euro zu bezahlen als der Polizei die Chatinhalte und die intimen Vorgänge zu übermitteln. Kemen warnte Donnerstag „noch einmal ausdrücklich davor, persönliche Daten, geschweige denn Intimitäten im Internet preiszugeben“.