Ernste Konkurrenz für die Fernsehrichter

Ernste Konkurrenz für die Fernsehrichter

Wassenberg (an-o/rk) - Alexander Hold und Konsorten haben ernsthafte Konkurrenz. Und um diese an Beständigkeit überbieten zu können, fehlen den Fernsehrichtern einige Jahrzehnte.

Die Rede ist natürlich von dem närrischen Gerichtshof zu Wassenberg, der in jedem Jahr am Rosenmontag tagt; Verhandlungsbeginn natürlich um 11 Uhr 11. Hier wird das Recht nach dem "Lex Carnevalis Loco Celtus Rosstoris" gesprochen.

Den Vorsitz dieser ungewöhnlichen Strafgerichtskammer hat Richter Walter Windeln, Stadtdirektor a.D.. Außer den Betroffenen weiß vorher natürlich niemand, wer auf der Anklagebank sitzt. Gerade diese Tatsache macht die Verhandlungen jedes Jahr aufs neue spannend. Windeln, der den Vorsitz inzwischen seit 40 Jahren führt, bereitet sich immer sehr intensiv auf die Sitzungen vor. "Damit sich die Angeklagten auch auf die Verhandlung vorbereiten können, bekommt jeder vorher eine Anklageschrift", so Windeln.

Lehrer verhaftet

Das Gericht besteht, solange er denken kann. "Als ich ein kleiner Junge war, haben wir am Rosenmontag immer darauf gewartet, dass die Garde in unserer Schule die Lehrer verhaftet", erinnert sich der 74-Jährige. "Die wurden dann in eine Gaststätte abgeführt, wo ihnen der Prozess gemacht wurde. Teilweise wurden sie zu hohen Geldstrafen verurteilt."

Das passiert heute natürlich nicht mehr. Heutzutage bestehen Strafen darin, jemanden zum Ehrensenator zu "verknacken" oder eine Geldstrafe zu verhängen, die dem Mitgliedsbeitrag der KG Kongo für mehrere Jahre entspricht, die dann auch in der entsprechenden Jahresfrist zu zahlen ist.

Das Besondere an den Sitzungen: Es ist zwar einiges vorbereitet, aber es wird auch sehr viel aus dem Stegreif agiert. "Zwei Drittel der Sitzung wird vorher geplant, der Rest spontan improvisiert", so Windeln. "Darauf kommt es dem Publikum auch an." So wird jede Sitzung zum Unikat, das seines Gleichen sucht.

In unserer Region ist das närrische Gericht der KG Kongo das einzige seiner Art. In jeder Sitzung wird ungefähr einem halben Dutzend Angeklagten der Prozess gemacht.