Hückelhoven: Erdrutsch auf der Politbühne

Hückelhoven : Erdrutsch auf der Politbühne

„Frauenpower” stand bei der Lambertus-Theatergruppe auf dem Programm. Der Dreiakter von Bernd Gombold ist bereits die zehnte Produktion der Theatergruppe, in der Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam auf der Bühne stehen.

Entstanden ist die Gruppe aus einem Seniorentheater, an der auch einige „Schnorrenberger” teilnahmen. Dabei sei die Arbeit mit den Geistig- und Mehrfachbehinderten durchaus anspruchsvoll, wie Regisseurin Ulrike Niehsen betonte. „Ebenso wie alle anderen Laienschauspieler genießen sie es, auf der Bühne zu stehen”, erklärte sie.

Beim diesjährigen Stück waren insgesamt fünf Heimbewohner mit von der Partie, wobei mit der Kandidatin Gerda Scharf (Siegline Schulz) und dem Brauereibesitzer Karl Fässle (Bernd Hilgers) neben drei Statisten- auch Schlüsselrollen des Stückes besetzt worden waren.

An Spielfreude und Wortwitz standen sie ihren Kollegen im Ensemble nicht nach. Vor allem Hilgers überzeugte immer wieder durch derben Humor und Wortspiele, die ihm einigen Szenenapplaus einbrachten.

Gerade angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl im August hätte das Stück nicht besser ausgesucht sein können. Denn es ging um eine Gemeinderatswahl, bei der eine Frauenliste antritt, um erstmals die selbstherrliche Regentschaft von Bürgermeister Heinz Gscheidle (Friedhelm Specks) zu brechen. Der hatte sogar eine Tür zwischen seiner Amtsstube und der „Ratsstube” einbauen lassen, um schneller von der Kommunalpolitik zur Wirtschaftspolitik beim stocktauben Wirt Paul (Georg Schmitz) wechseln zu können.

Angetreten zum Umsturz waren Kunigunde Schlotterbeck (Elke Esser), besagte Gerda Scharf, Emma Hering (Anne Wender) und Gisela Keusch (Brigitte Esser). Unzufrieden waren sie schon lange mit der Politik ihrer Männer. Als die jedoch noch zuließen, dass das Striplokal „Roasroter Panther” in einem Gemeindegebäude einzieht, brachte das das Fass zum Überlaufen. Denn dort hatten die Damen eigentlich eine Frauenbegegnungsstätte geplant.

Unerwartete Unterstützung bei ihrem politischen Erdrutsch bekamen sie dabei von Hannes Klug (Uwe Zahren), denn der Gemeindeinspektor hatte von Bürgermeister Gscheidle den Auftrag bekommen, sich als Frau verkleidet in die Gruppe einzuschleichen und sie auszuspionieren. Natürlich ging der Plan schief, denn Klug spielte die beiden verfeindeten Fraktionen gegeneinander aus und verliebte sich zu allem Überfluss auch noch in die Tochter des Bürgermeisters, Anni (Heike Krings).

Nach einigen Verwirrungen und einem schlüpfrigen Auftritt im Striplokal zogen schließlich beide Gruppen ihre Kandidatur zurück. Bardame Marylin (Christiane Meder), die kurz zuvor noch die Herren der Schöpfung mit Beweisfotos zu erpressen versucht hatte, entdeckte am Ende ihr Interesse für die Kommunalpolitik und schaffte den Einzug in den Rat.

Weitere Mitwirkende waren Arnold Schweden (Metzgermeister August Scharf), Fredi Niehsen (Feinkosthändler Peter Hering) und die Statisten Bernd Ahrens, Martin Tymczuk und Peter Menz. Für die Maske zeichnete Brigitte Lenz und für die Bühne Andreas Keller und Heinz Vieten verantwortlich.

Auch wenn der Eintritt zu den Aufführungen frei war, freuten sich die Akteure trotzdem über jede Spende. Denn in diesem Jahr unterstützen sie mit dem erspielten Geld das Nigeria-Projekt „Sauberes Wasser” der Armen Dienstmägde Jesu Christi (ADJC), die sich für den Bau von Brunnen einsetzen. Ein Brunnen kostet rund 10000 Euro und ermöglicht es, die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Das ist wichtig, weil die oberirdischen Wasserstellen mit Parasiten verseucht sind, die schlimme Infektionskrankheiten auslösen.

Nach den drei Auftritten im St. Lambertus wird die Truppe das Stück im September noch einmal in Gangelt im Wohnprojekt der Elisabeth-Stiftung aufführen.