"Entsorgung darf nicht sein"

"Entsorgung darf nicht sein"

Erkelenz (an-o) - Wenn es nach Markus Forg ginge, könnte der Entwurf des neuen NRW-Bestattungsgesetzes getrost wieder zu Grabe getragen werden. "Dann wäre auch die Gefahr gebannt, dass man Verstorbene irgendwann einfach entsorgt", sagt der Bestattungsunternehmer aus Erkelenz.

Als erstes Bundesland will Nordrhein-Westfalen mit der geplanten Neuregelung unter anderem den "Friedhofszwang bei Urnenbestattungen" aufheben. Wie in den USA, der Schweiz oder den Niederlanden könnten dann auch hier zu Lande Angehörige die Asche ihrer Verstorbenen in einer Urne daheim aufstellen oder in alle Winde verstreuen. Dies, so sagt Gesundheitsministerin Birgit Fischer (SPD), die für den Gesetzentwurf verantwortlich zeichnet, trage einem veränderten Umgang mit dem Tod Rechnung. Zudem werde den Wünschen von immer mehr Menschen entsprochen.

"Wer kümmert sich dann um die Urne?"

Markus Forg schüttelt den Kopf. Richtig sei zwar, dass es immer mehr Menschen gebe, die sich frühzeitig mit der Endlichkeit ihres Daseins auseinander setzten, sagt er. Falsch sei hingegen, dass es eine quantifizierbare Unzufriedenheit mit den derzeitigen Möglichkeiten der Bestattung gebe. "Sicher, hin und wieder sagt schon mal jemand, dass es eigentlich ganz schön wäre, die Urne mit der Asche des Verstorbenen zu Hause auf den Kaminsims stellt zu können", so der Bestatter. Aber die Allermeisten könnten mit dem Status Quo sehr gut leben. Die geplante Neuregelung ist für ihn nicht unproblematisch. "Das klappt nämlich alles nur so lange, wie ein persönliches Verhältnis zwischen einem Hinterbliebenen und dem Verstorbenen besteht", gibt er zu bedenken. Also: "Was ist, wenn die Witwe auch stirbt? Wer kümmert sich dann um die Urne?" Das Beispiel Niederlande, wo bei der Reinigung der Grachten auch jede Menge Urnen gefunden worden seien, müsse zu denken geben. Und die Würde des Toten sei endgültig dahin, wenn die Asche in alle Winde verstreut werde. Markus Forg: "Dann haben wir die Entsorgung".

Hygienische Aspekte

Für absolut wirklichkeitsfern hält er die Idee, die Sargpflicht zu streichen. Tote könnten dann, wie es etwa im Islam Vorschrift ist, nur in Tücher gehüllt beigesetzt werden. "Der Sarg gehört aber nicht deswegen zu unserer Bestattungskultur, weil die Bestatter damit Geld verdienen", sagt er. Vielmehr seien es hygienische Aspekte, die eine Rolle spielten. Vom Moment des Todes bis zur Bestattung vergingen in aller Regel fünf Tage.

Eine Zeitspanne, während der fast jeder Leichnam anfange, sich zu verändern. "Da treten zum Teil übel riechende Flüssigkeiten aus", lässt Markus Forg wissen. Und ein Sarg, der entsprechend ausgekleidet sei, nehme diese Substanzen eben auf, so dass eine Beerdigung noch nach acht Tagen ohne weiteres möglich sei. "Im Islam ist es so, dass Verstorbene am Tag ihres Todes beigesetzt werden. Da treten solche Probleme gar nicht auf", sagt er. In der geplanten Streichung der Sargpflicht sieht er den urdeutschen Versuch, es allen Recht zu machen. "Und das funktioniert am Ende sowieso nicht", sagt Markus Forg.