Entsetzen nach grauenhafter Bluttat

Entsetzen nach grauenhafter Bluttat

Kreis Heinsberg. Dienstagmorgen, 9.30 Uhr. Polizei und Feuerwehrleitstelle in Erkelenz erhalten von aufgeregten Menschen mehrere Anrufe, dass ein junger Mann blutüberströmt die Carlstraße in Übach entlanglaufe - mit einem menschlichen Kopf in der einen und einem Messer in der anderen Hand.

Als die Polizei eintrifft, bestätigen sich die Anrufe. Vor dem ankommenden Streifenwagen will der Mann - den Kopf in der Hand - in Höhe der Schwimmhalle die Straße überqueren. Die Beamten können den Mann festnehmen. Der Frauenkopf wird mit einem Tuch zugedeckt und später zur Polizeiwache nach Geilenkirchen gebracht.

Vor dem Haus, in dem der 24-Jährige aus dem früheren Jugoslawien derzeit bei seinem Bruder wohnt, fahren Polizei, Notarzt und Rettungswagen vor. Aus dem Haus ist lautes Weinen zu hören. In der Wohnung im ersten Stock des dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshauses am Carlsplatz machen die Helfer die schreckliche Entdeckung.

Vor dem Sofa liegt der Körper einer toten Frau, die später als die 25-jährige Schwägerin des Tatverdächtigen identifiziert wird. Viele Menschen stehen schon auf der Straße und vor dem Drogeriemarkt unterhalb der Wohnung, in der das entsetzliche Geschehen seinen Lauf nahm.

Eine Frau erleidet einen Schock, als sie hört, was geschehen ist. Sie konnte es kaum glauben: Minuten zuvor ist der blutüberströmte 24-Jährige - den Kopf wie eine Trophäe hochhaltend - an ihr vorbeigelaufen. Die Frau wird von Polizeibeamten und den Rettungsassistenten beruhigt. Ein Hausbewohner erzählt, dass er gerade beim Frühstück gesessen habe.

Als er viel Krach hörte, habe er aus dem Fenster geschaut und sah den Mann mit dem abgetrennten Kopf über den Carlsplatz gehen. Sofort habe er die Polizei angerufen und per Telefon auf dem Laufenden gehalten. Vor dem Schwimmbad sei es dann zum Zugriff gekommen, bei dem sich der Mann von der Polizei relativ widerstandslos habe festnehmen lassen.

Udo Spenger von der Apotheke gegenüber dem Carlsplatz hatte lautstarke Streitigkeiten aus der Wohnung über dem Drogeriemarkt vernommen. „Das hat so gegen 9 Uhr angefangen”, sagt er unserer Zeitung. Es gab großen Tumult, bei dem auch Mobiliar geflogen sei.

Als er um 9.20 Uhr wieder dort vorbeikam, habe eine Frau ängstlich geschrieen. Kurze Zeit danach sei der Mann barfuß, mit dem Kopf in der Hand davongelaufen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich auch die eineinhalbjährige Tochter der Getöteten noch in der Wohnung. Vermutlich hat sie das schreckliche Geschehen miterlebt.

Aufmerksam gemacht durch die vielen Einsatzfahrzeuge haben sich zahlreiche Neugierige rund um den Carlsplatz am Eingang der Carolus-Magnus-Straße versammelt. Einige kennen die Familie und erzählen, dass der Ehemann der getöteten 25-Jährigen auf einer Baustelle arbeite. Sein Bruder sei vor Wochen aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Übach-Palenberg gekommen und wohne in der Wohnung mit Schwägerin und Kind.

Um 11.25 Uhr trifft dann die Spurensicherung der Mordkommission Aachen am Tatort ein. Die beiden Männer ziehen ihre weißen Schutzanzüge über und gehen in das Haus. Um 14.30 Uhr gibt Staatsanwalt Alexander Geimer vor der Polizeiwache in Übach zahlreichen Medienvertretern eine erste Schilderung der Ereignisse.

Mittlerweile hat sich die Tat bereits herumgesprochen, und rund 50 jugendliche, aber auch erwachsene Schaulustige drängen sich am Tatort. Als der Leichenwagen um 15.40 Uhr vorfährt, um das enthauptete Opfer abzuholen, kommt es sogar zu Streitigkeiten um den besten Platz für einen Blick auf den Leichnam.

Der Leichenwagen fährt zur Polizeiwache nach Geilenkirchen und nimmt dort um 16.05 Uhr den abgetrennten Kopf der 25-Jährigen auf. Über das Tatmotiv gaben die Ermittlungsbeamten noch keine Auskünfte.