Wassenberg: Entsetzen nach der Bistums-Entscheidung: Viele offene Fragen

Wassenberg : Entsetzen nach der Bistums-Entscheidung: Viele offene Fragen

„Entsetzen, Unverständnis, tiefe Enttäuschung”, mit diesen Worten beschreibt Pfarrer Heinz Portz die Stimmung der Gemeindemitglieder in Wassenberg-Oberstadt, Myhl und Orsbeck nach der Entscheidung des Bischofs, alle sieben katholischen Wassenberger Pfarrgemeinden zu einiger einzigen Pfarre zu vereinigen.

Auf seine eigene Meinung angesprochen, hält sich der Pfarrer zurück: „Das sei dahingestellt”. Er lässt aber seine Skepsis gegenüber einem solchen künftigen Großgebilde durchblicken. Die jetzt beschlossene Fusion bezeichnet er als „mit heißer Nadel gestrickt”. Zum weiteren Vorgehen befragt, äußert Portz: „Der Ball liegt in Aachen”. Das bedeutet, das Bistum Aachen wird in den nächsten Tagen auf die Gemeinden zukommen und Vorschläge machen, wie der Zusammenschluss ablaufen könnte. Die Gemeinden beraten dann. Ihre Vorschläge müssen bis zum 15. Februar dem Bischof vorliegen.

Unklar ist vor allem: Welche Kirche wird Pfarrkirche, wo befindet sich das Pfarrhaus, welchen Namen erhält die Wassenberger Pfarrei, die dann identisch mit der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) ist?

Bisher gibt es unter dem Namen „Heilig Geist” eine GdG Wassenberg mit St. Georg Wassenberg, Birgelen, Effeld und Ophoven, unabhängig davon bestehen die drei Pfarren St. Mariä Himmelfahrt-Oberstadt, Myhl und Orsbeck, die in Heinz Portz einen gemeinsamen Pfarrer haben. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten der Fusion: Die sieben Gemeinden bleiben unter einem Dach oder sechs werden aufgelöst und verschmelzen mit der siebten.

Im Prinzip geht es also um die Frage: Wie kommen Vier plus Drei zusammen? Wobei interessant ist, dass auch gewisse theologische Unterschiede existieren: Pfarrer Portz vertritt, was anderenorts misstrauisch beäugt wird, eine konservative, traditionelle Linie mit großer Liebe zur alten Liturgie, die gerade durch Papst Benedikt aufgewertet wurde.

Gar nicht überrascht über die jetzige Lösung ist Matthias Pastoors, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates Birgelen: „Das war zu erwarten.”

Er verweist darauf, dass zunächst eine Fusion von St. Mariä Himmelfahrt mit der GdG von St. Georg vorgesehen war. Pastoors stellt die nahe liegende Frage: „Was wäre dann aber aus Myhl und Orsbeck geworden?

Offen sind die personellen Konsequenzen: Bleiben die bisherigen Priester auf ihren Posten oder kommt es zu Neubesetzungen? Wahrscheinlich wird die Fusion die Rolle der vier Subsidiare (ältere Priester), stärken. Sie vom Pfarr- dienst (bis auf Vertretungen) ausgeschlossen zu haben, bezeichnet Pastoors als „großen Fehler”, der freilich nicht einem einzelnen Pfarrer anzulasten sei.

Für Walter Windeln, Initiator des Fördervereins St. Mariä Himmelfahrt, ist eines klar: „Wir werden um unsere Gemeinde und Kirche weiter kämpfen, notfalls mit rechtlichen Mitteln.”

Erleichterung an St.Vincentius in Beeck

Ralf Wolters, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates von St.Vincentius in Wegberg-Beeck, zeigt sich „sehr erleichtert”, dass die Zusammenlegung mit St. Peter und Paul Wegberg und seiner Pfarrgemeinde und damit „die unselige Insellage” in Wegberg vorerst vom Tisch ist. Die Zusammenarbeit beider Pfarren, auf diese Feststellung legt Wolters wert, habe in der Vergangenheit „immer gut geklappt”.

Der vom Bistum geplanten Zusammenlegung aller zehn Pfarreien im Wegberger Stadtgebiet in vier Jahren sieht Wolters gelassen entgegen: „Was in vier Jahren ist, wollen wir erstmal abwarten”. Er geht davon aus, dass „darüber noch zu reden ist”.

Wie diese „Riesengemeinde” geleitet werden soll, das ist Ralf Wolters „ein Rätsel”. Und ob so eine Zusammenlegung glücklich wäre, sei „eine berechtigte Frage”.