Kreis Heinsberg: Energiesparen bietet Chancen für Handwerk

Kreis Heinsberg : Energiesparen bietet Chancen für Handwerk

Ist es noch fünf vor oder schon fünf nach zwölf? Der Kreishandwerksmeister warf diese Frage beim zwölften Frühjahrstreffen des Heinsberger Handwerks am Sonntagvormittag im Wegberger Forum (das musikalisch vom Städtischen Musikverein Erkelenz begleitet wurde) zwar auf, er überließ es aber den rund 200 Gästen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Eines stand für Wilfried Wiesenborn aber fest: „In jedem Fall werden wir unsere Einstellung zur Energie ändern müssen, wenn wir das Weltklima noch positiv für unsere Nachkommen beeinflussen wollen.”

Folgerichtig lautete das vorsichtig formulierte Kernthema einer Podiumsdiskussion dann auch „Energiesparen um jeden Preis?”. Fachleute aus Politik und Wirtschaft machten sich unter der Diskussionsleitung von ZVA-Regionalredakteur Dieter Schuhmachers daran, den komplexen Sachverhalt im Spannungsgefüge zwischen ökologischer Notwendigkeit und ökonomischer Nützlichkeit zu erörtern.

Einig war sich die Expertenrunde in dem Anspruch, dass der nationale Energieverbrauch nachhaltig nur im Einklang mit der zu gewährleistenden Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und der Unterstützung einer Bevölkerungsmehrheit weiter gesenkt werden könne. Der Forderung nach einem radikaleren Kurs erteilten die Redner eine klare Absage. Es gehe vielmehr darum, positive Veränderungen „mit Augenmaß” herbeizuführen.

Prof. Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW, sagte: „Die Leute sparen nicht Energie, um die Klimaproblematik zu entschärfen oder um künftiger Generationen willen.” Es müsse sich „lohnen”, so der Energieexperte. Anreize seien daher in erster Linie finanzieller Natur.

Der Energiepreis werde weiter steigen, davon zeigte er sich überzeugt. Leider wüssten viele Menschen noch nicht, dass es gar keiner großen Investitionen zur Einsparung bedürfe. Die Energieagentur wolle daher ihre Beratungsaktivität steigern, kündigte er an. Großer Beliebtheit erfreue sich bereits jetzt der Gebäude-Energie-Check. Generell sei es dringend angeraten, technische Wirkungsgrade permanent zu verbessern.

„Bewusstsein ist da”

Und an dieser Stelle soll das Handwerk ins Spiel kommen und Marktchancen nutzen. Denn wer sonst könnte zum Beispiel Niedrigenergiehäuser errichten oder Altbauten auf den neuesten Stand der Technik bringen? „Das Bewusstsein in der Öffentlichkeit ist jetzt da”, zeigte sich Rainer Nolten, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkskammertages, verhalten optimistisch. Von der Einführung eines „Gebäudeenergieausweises” nach EU-Richtlinien im nächsten Jahr verspricht er sich weitere Impulse.

„Politik erzeugt oder verkauft keine Energie”, sagte Christian Weisbrich (CDU), Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft, Mittelstand und Energie im nordrhein-westfälischen Landtag. Ihre Aufgabe sei es gleichwohl, Rahmenbedingungen für eine „sichere, umweltverträgliche und wettbewerbsfähige Energieversorgung” zu schaffen.

Weltweit müsse der Kohlendioxid-Ausstoß unbedingt gesenkt werden, wolle man den Klimawandel noch begrenzen. An ein Versiegen des Erdöls und anderer fossiler Brennstoffe aus Ressourcenknappheit in absehbarer Zukunft glaubt Weisbrich trotzdem nicht: „Die Steinzeit ist ja auch nicht zu Ende gegangen, weil es keine Steine mehr gab.”

Dr. Wolfgang Hüppe, Geschäftsführer der NEW Energie GmbH, wies auf den Umbruch auf dem Energiemarkt durch dessen weitgehende Liberalisierung hin. Mit 18 Prozent erneuerbarer Energien beim Stromherkunftsmix liegt der Anteil „moralisch hochwertiger Energie”, so Hüppe, bei dem regionalen Unternehmen über Bundesdurchschnitt. Er bemängelte die Praxis des Staates, die Energieversorger als „Packesel” zu benutzen: 40 Prozent bestünden nämlich aus Steuern und Abgaben.