Emotionale Verlängerung

Emotionale Verlängerung

Männer sehen sich ja oft dem Vorwurf ausgesetzt, dass sie ihre Gefühle nicht zeigen können. Dass das totaler Quatsch ist, wird gerade heute wieder deutlich. Abstiegskampf pur in der Fußball-Bundesliga.

Wer heute Nachmittag einen Blick in die Mönchengladbacher Nordkurve wirft und dort muskelbepackte, tätowierte Männer mit glasigen Augen und angstverzerrtem Gesicht sieht, der wird nie wieder behaupten, dass Männer das starke Geschlecht sind.

Ausgerechnet die Borussen-Fans dürfen heute in die emotionale Verlängerung. Der direkte Abstiegskampf-Konkurrent Bayer Leverkusen hat es da leichter. Die Chemie-Elf wäre schon froh, wenn sie überhaupt Fans hätte, die beim Abstieg enttäuscht sein könnten. Und der dritte Kandidat, Arminia Bielefeld, hat in der Bundesliga eh nichts verloren. Deren beste Platzierung seit Bestehen der Liga war Platz acht in der Saison 82/83. Bei solchen Referenzen würde ich ja freiwillig absteigen wollen.

Wenn es also einen Fußballgott gibt - und seit der Last-Minute-Niederlage von Bayern München gegen Manchester 1999 wissen wir, dass es ihn gibt - ist doch wohl klar, dass Gladbach nicht absteigen darf. Schon deshalb nicht, weil der Lieblings-Feind, der 1. FC Köln, wieder aufsteigt. Dadurch wird die nächste Saison - aufgrund der dann auf jeden Fall sicheren sechs Punkte - deutlich entspannter als in diesem Jahr. Und egal wie es ausgeht, wir werden dann wieder sehen, wie weinende Männer einander in den Armen liegen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen.