Einsparpotenziale sind weitgehend ausgeschöpft

Einsparpotenziale sind weitgehend ausgeschöpft

Kreis Heinsberg. „Das Jahr 2003 wird sicherlich eines sein, das aus vielerlei Gründen im Gedächtnis haften bleibt.” In der letzten Kreistagssitzung des Jahres blickt Landrat Karl Gruber immer auf die vergangenen zwölf Monate zurück.

„Die immensen Schutzmaßnahmen an der NATO-Airbase in Geilenkirchen während des Irak-Krieges zeigten deutlich, dass selbst weit entfernte Konflikte in die ganze Welt und auch in den Kreis Heinsberg ausstrahlen können”, stellte der Landrat fest.

Es habe sich aber auch gezeigt, welch ein wichtiger NATO-Standort Geilenkirchen sei. „Die Airbase ist für uns ein bedeutender Faktor, vor allem ein wirtschaftlicher. Wir stehen zu diesem Standort, und ich hoffe auch, dass sich auf niederländischer Seite die Einsicht einstellt, dass diese Region einen solch bedeutenden NATO-Standort braucht. Die wirtschaftliche Existenz von einigen tausend Menschen in dieser Region dürfen meines Erachtens nicht an einigen wenigen Hektar Baumbestand hängen.”

„Ein Jahr der Suche”

Für Kreistag, Räte und die Verwaltungen ist 2003 nach Grubers Darstellung „ein Jahr der Suche”, vor allem nach Einsparmöglichkeiten, nach neuen Wegen, um die nicht selbst verschuldete Finanzmisere zu bewältigen. Der Kreis Heinsberg habe seine Einsparpotenziale genutzt und weitgehend ausgeschöpft. Gleiches erkannte Gruber auch bei den zehn Städten und Gemeinden. Doch irgendwann könne man weder die Bürger noch die Bediensteten der Verwaltungen weiter belasten oder Leistungen vorenthalten. Letztlich sei die finanzielle Ausstattung der Gemeinden auch von Bedeutung für die öffentlichen Aufträge, „denn auch dies hilft unserer heimischen Wirtschaft”.

Nicht nur an den Vorzeigeprojekten Siemens und QVC machte Gruber den Erfolg der Umstrukturierungsbemühungen fest. „Mit vielen mittelständischen Betrieben haben wir im Kreis Heinsberg einen gesunden Branchenmix geschaffen und gefördert, der die Region vor überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit schützt. Viele qualifizierte Handwerksbetriebe sorgen dankenswerterweise für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Aber gerade diese Betriebe benötigen Aufträge, oftmals auch öffentliche Aufträge, um diese Stellen zu schaffen und zu erhalten.”

Öffentliche Aufträge seien ein wichtiger Bestandteil der Strukturförderung. Mit der Kfz-Halle am Berufskolleg Erkelenz und der neuen Rettungswache in Geilenkirchen seien in diesem Jahr zwei größere Projekte fertiggestellt worden, an denen Betriebe aus dem Kreis maßgeblich beteiligt gewesen seien.

Gruber betonte abermals den Zusammenhang zwischen Umstrukturierung und Ausbildung. Deshalb werde auch an den Schulen nicht gespart. „Der Ausbau der Berufskollegs Geilenkirchen, Maßnahmen am Kreisgymnasium Heinsberg sowie die Erweiterung der Rurtal-Schule in Oberbruch sollten als diesbezügliches Zeichen gewertet werden.”

Gruber sprach die fehlenden Bausteine in der Verkehrsinfrastruktur wie die ausstehenden Ausbaumaßnahmen an der B 221 mit ihren Ortsumgehungen, wie die Weiterführung der A 46 als B56n bis zur A2 in den Niederlanden und den Anschluss des Gebietes für flächenintensive Großvorhaben in Geilenkirchen-Lindern an.

In allen Fällen sei im vergangenen Jahr Bewegung zu verspüren gewesen, „was alle Beteiligten ermuntern sollte, im kommenden Jahr noch nachdrücklicher auf eine baldige Verwirklichung hin zu arbeiten”.

Die Freigabe des ersten Kreisverkehrs an der ehemaligen Transitstraße im Bereich Saeffelen/Höngen in diesem Jahr sei jedenfalls ein gutes Vorzeichen und darüber hinaus ein Symbol für das gute Miteinander von niederländischen und deutschen Behörden gewesen.

Bürger-Service-Center

Auch auf das eigene Haus blickte Gruber: Einen bedeutenden Schritt in Richtung modernes Dienstleistungsunternehmen und Bürgerfreundlichkeit habe die Kreisverwaltung mit der Inbetriebnahme der Bürger-Service-Centers vollzogen. Es habe aber auch schmerzliche Einschnitte unter anderem mit Stellenabbau und Stellenbesetzungssperre gegeben.

Auch wenn dies auf Stimmung und Motivation der Mitarbeiter drückte, habe die Arbeitsleistung in der Kreisverwaltung trotzdem nicht gelitten. Sie sei auch 2003 ihrem Ruf gerecht geworden, „gut und schnell, sachkundig und bürgerfreundlich zu arbeiten”.

Lobende Worte fand Landrat Karl Gruber in seinem Jahresrückblick ausdrücklich auch für die Rurtal-Schule in Oberbruch, die Schule des Kreises Heinsberg für Geistigbehinderte.

Mit dieser Schule und ihrer Partnerschaft mit dem Heilpädagogischen Zentrum in Pskow sowie den unvergleichlichen Aktivitäten der Schülerband „Rur-Rock” erweise sich diese Einrichtung als einer der herausragenden Botschafter des Kreises Heinsberg, sagte Gruber.

Die vielen überregionalen Preise, die die Schule und die Band in diesem Jahr erhalten hätten, „stimmen mich stolz und glücklich”, erklärte der Landrat. „Wie in so vielen Dingen beweist der Kreis Heinsberg hier, weder provinziell noch durchschnittlich zu sein.”