Aachen: Einfach zur falschen Zeit im falschen Bus

Aachen : Einfach zur falschen Zeit im falschen Bus

Seit seiner Kindheit ist Tim S. (Name von der Redaktion geändert) Fan von Alemannia Aachen. Inzwischen ist er Student und bei fast jedem Spiel der Aachener dabei. Nur beim 0:1 gegen Osnabrück am vergangenen Wochenende fehlte er. Doch das hatte nichts mit der Insolvenz des Noch-Drittligisten zu tun, sondern mit der Aachener Polizei. Die hatte ihm nämlich eine „Aufenthaltsbereichsverbot“ für den Tivoli erteilt, weil er zur falschen Zeit im falschen Bus saß.

Gemeinsam mit der Karlsbande

Denn Tim S. war auch beim Auswärtsspiel der Alemannia in Stuttgart eine Woche zuvor dabei und reiste hin und zurück mit dem Bus der Karlsbande, deren Mitglieder auf der Rückreise auf einem Rastplatz bei Pforzheim ein Auto beschädigten. Folglich wurde der Bus, in dem sowohl Mitglieder als auch Nichtmitglieder der Karlsbande saßen — wie berichtet — von der Polizei nach Aachen eskortiert, dort direkt zum Polizeipräsidium geleitet, wo die Personalien der Businsassen festgestellt wurden. Gegen 46 von ihnen wurde schließlich das besagte „Aufenthaltsbereichsverbot“ für die nächsten beiden Heimspiele der Alemannia ausgeprochen — darunter auch Tim S.

Auf der Toilette

Doch der hatte, wie er unserer Zeitung berichtete, von dem Zwischenfall auf dem Rastplatz gar nichts mitbekommen, „weil ich zu der Zeit wie die meisten Mitinsassen des Busses auch auf der Toilette war“. Er sieht sich nun zu Unrecht in eine Reihe mit bestimmten Gewalttätern gestellt, „frei nach dem Motto: Mitgefangen, Mitgehangen“. Tim S.: „Hier werden Unschuldige verurteilt, bevor überhaupt ein Gerichtsverfahren eingeleitet wurde.“ Und mehr noch: Tim S. befürchtet außerdem, nun automatisch in die Datei „Gewalttäter Sport“ aufgenommen worden zu sein.

Diese Befürchtung konnte Polizeisprecher Paul Kemen allerdings entkräften. Zwar seien tatsächlich zwölf Businsassen den Behörden aus der Datei „Gewalttäter Sport“ bekannt, „einen Automatismus zwischen Feststellung der Personalien und Aufnahme in diese Datei gibt es aber nicht“, so Kemen.

Was den Vorwurf der Vorverurteilung betrifft, sieht der Polizeisprecher allerdings das Polizeigesetz auf seiner Seite.

Ziel der Gefahrenabwehr

„Ungeachtet des Ausgangs des Ermittlungsverfahrens wegen Landfriedensbruch und Sachbeschädigung haben wir gegen 46 Personen das Aufenthaltsbereichsverbot erlassen, weil aus dieser Gruppe in der Gesamtheit eine Gefahr ausging“, erläuterte Paul Kemen. Dem Ziel der Gefahrenabwehr werde in diesem Fall untergeordnet, „dass unter Umständen auch Unschuldige betroffen sind“, räumte Kemen ein. Im Übrigen sei das Tivoliverbot auch nicht gegen alle Businsassen ausgesprochen worden. „Erkennbar Unschuldige, wie etwa der Busfahrer, sind von dem Verbot ausgenommen worden.“

Tim S. und den anderen, die vom „Aufenthaltsbereichsverbot“, das auch für das nächste Heimspiel der Alemannia am kommenden Samstag gegen Arminia Bielefeld gilt, betroffen, aber unschuldig sind, kann unter Umständen geholfen werden.

Unter Umständen zu den Akten

Paul Kemen rät: „Sie sollten sich am besten mit einem Zeugen an die Aachener Polizei wenden.“ Unter Umständen könnte das Tivoliverbot dann schnell zu den Akten gelegt werden.