Hückelhoven: „Eine Katastrophe für die Förderschule”

Hückelhoven : „Eine Katastrophe für die Förderschule”

„Was heute an schulsozialpädagogischer Arbeit eingespart wird, fällt in absehbarer Zeit und mit weitaus höheren Kosten wieder an die Jugend- und Sozialämter zurück”.

Auf diesen Umstand wiesen das Kollegium der Förderschule In der Schlee sowie die Mitglieder des Fördervereins zur Unterstützung der Interessen der Schülerinnen und Schüler aus einem ganz bestimmten Grund hin: Im Sommer wird die auf zwei Jahre befristete Stelle der Schulsozialpädagogin ersatzlos gestrichen.

Schulleiter Leo Lowis betonte im Verlauf einer Gesprächsrunde mit Vertretern aus Rat und Verwaltung, dass es nicht darum gehe, einen Schuldigen für die Misere zu finden. Doch wolle die Schule auf die bisher geleistete, „äußerst sinnvolle Arbeit” von Christiane Henn aufmerksam machen.

Der Wegfall der Stelle bedeute „eine Katastrophe für die Förderschule” - davon sind Eltern und Lehrer überzeugt. Statt das Arbeitsverhältnis zu kündigen, sei angeraten, ein weiteres zu schaffen. Denn: „Die Fülle an Aufgaben und Tätigkeitsfeldern ist von einer Fachkraft allein höchstens unbefriedigend zu bewältigen”, so Sonderschullehrerin Andrea Baumann.

Weiterhin wünscht sich das Kollegium, die Aufgabenfelder einer Pädagogin oder eines Pädagogen in der Schulkonferenz selbst festlegen und kontrollieren zu dürfen. Zu jeder Zeit müsse den politisch Verantwortlichen klar sein: Schulsozialpädagogik wirke nicht nur unmittelbar, sondern rentiere sich gerade auch langfristig.

„Das Umfeld unserer Schüler ist vielfach geprägt von Arbeitslosigkeit, sozialer Schwäche, Alkohol, Gewalt und schwierigen familiären Situationen”, berichtete Sozialpädagogin Henn aus ihrem Arbeitsalltag. Dies alles habe einen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung, mache den Aufbau sozialer Bindungen schwierig und überfordere nicht selten die Eltern.

Zurzeit unterrichte die Förderschule 36 erziehungsschwierige, 144 lernbehinderte und elf sprachbehinderte Schüler. „Die meisten Schüler sind nicht klar einem Förderbereich zuzuordnen”, so Henn. Die Aufgabe der Schulsozialpädagogik besteht darin, jugendspezifische Problemsituationen, Verhaltensauffälligkeiten und -störungen frühzeitig zu erkennen und einen maßgeblichen Beitrag zu ihrer Beurteilung und der Entwicklung von Lösungsangeboten zu leisten.

Die beiden Sonderschullehrer Jörg Lankes und Janine Frohnhofen zeichneten anhand von zwei Fallbeispielen die positiven Effekte sozialpädagogischer Anleitung nach. „Im Augenblick werden wir keine Verbesserung herbeiführen können”, legte Hückelhovens Schuldezernentin Angelika Stöcker offen.

„In einigen Jahren sieht das sicherlich anders aus.” Stöcker sieht hinsichtlich der Lehrstellen-Besetzung ganz klar das Land NRW und nicht die Stadt in der Verantwortung. „In allen Bereichen wird gekürzt”, machte der stellvertretende Bürgermeister Bernd Jansen deutlich. „Wir in der Politik müssen die Gesamtsituation betrachten.”

Die Stadt tue, was sie könne und übernehme gezwungenermaßen Aufgaben, für die normalerweise das Land zuständig wäre. In Kooperation mit dem Jugendamt will die Förderschule ihr Anliegen der Bezirksregierung Köln persönlich vortragen. Auch der Stadtrat wird die Situation der Förderschule beraten und gegebenenfalls eine Empfehlung an die Bezirksregierung aussprechen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt”, sagte Schulrätin Christel Preuschoff. „Und noch lebt sie.”