Wassenberg: Eine Belagerung, wie sie schöner nicht sein kann

Wassenberg : Eine Belagerung, wie sie schöner nicht sein kann

Die geschichtsträchtige Stadt Wassenberg ist belagert, und mit dem „1. Mittelalterlich Phantasie Spectaculum” zum traditionellen Kapuzinermarkt lebt die Historie der Stadt wieder auf. Zwischen den alten Burgmauern und Wehranlagen, die wahrlich eine vollendete Kulisse für das Spektakel bieten, schlugen die alten Ritter, Söldner, Handwerker, Gaukler, Artisten und sämtliches anderes „Gesindel” ihre Heerlager und Zeltstädte auf, um in Wassenberg das Rad der Zeit zurückzudrehen.

Zur Eröffnung des „1. Mittelalterlich Phantasie Spectaculum” mit großem Rahmenprogramm wandte sich Vogt Eduard von Sonnenberg von seinem „Hochsitz” aus an die Menschenmenge und hoffte, dass sich das Volk pünktlich zum Spectaculum den Muff des Winters vom Leib gewaschen habe.

Nach einer Gehörprobe der Mittelalterband „Saltatio Mortis” warf Vogt Eduard den Spielern jeweils einen Silberling zu und forderte sie auf, den Menschentross in einem kleinen Umzug zur Bühne zu begleiten. Dort nämlich ließ der Vogt sämtliche Handwerker wie Schmied, Messerschärfer, Gewandungsschneiderin und Perlendreherin „antanzen”, um sich von deren Künsten zu überzeugen.

Einen Jubel für den Gaumenschmaus entlockte Vogt Eduard den Besuchern bei dem Antrittsbesuch der „Versorger” und Bierschenks, die mit Fladenbrot, Brezeln, Fleischspießen, Nudeln, Wein, Mocca, Tee, Süßigkeiten und Gerstensaft auf ihre Leckereien hinwiesen. In Ritter „Nike” wurde sogleich ein standfester Ritter gefunden, der auf des Schenks Kosten in einem Zuge einen Humpen Bier zu leeren hatte.

„Was wäre der Kapuzinermarkt ohne die Honoratioren der Stadt und ohne die Ausrichter des Gewerbevereins”, rief Vogt Eduard von Sonnenberg in die Menge und holte die „gewichtigen Männer” wie Bürgermeister Manfred Winkens, Georg Hensgens (Vorsitzender des Gewerbevereins) und Leonhard Schröder (Geschäftsführer des Gewerbevereins) auf die Bühnenbretter. Bürgermeister Manfred Winkens erinnerte daran, dass eine Belagerung nie ohne Plünderung vonstatten gehe und so setzte er für die „Plünderung” den verkaufsoffenen Sonntag an.

Vor der herrlichen Kulisse der Wassenberger Burg rief Manfred Winkens völlig mittelalterlich aus: „Sauft und fresst und holt euch dabei dicke Bäuche. Dann müssen die Händler reichlich Gewerbesteuern zahlen und das Gehalt des Bürgermeisters wird erhöht.” Mit diesem Ausspruch war sodann der Kapuzinermarkt eröffnet und die Gäste schwärmten auf den Belagerungsflächen unterhalb des Bergfrieds aus.

Auch am heutigen Samstag ab 13 Uhr und am morgigen Sonntag ab 11 Uhr lassen wieder viele hundert Darsteller und Mittelalter-Bands das Mittelalter aufleben und geben Einblicke in längst vergangene Tage. Der Samstag ist der ultimative „Festivaltag” mit einer furiosen Show, mit allen Künstlern und phantastischen Feuerkunststücken sowie mit abendlichem Tavernenspektakel sowie Gänsehaut bereitendem Pestzug, nachdem der Nachtwächter verkündet hat, dass die Pest ausgebrochen sei.

Das von Gisbert Hiller konzipierte „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum” ist nun schon seit 15 Jahren als größtes Mittelalterfestival Europas bekannt und tourt an 22 Wochenenden mit zum Teil mehr als 1000 Teilnehmern durch ganz Deutschland. In Wassenberg macht Hiller nun erstmals Station mit rund 40 Prozent seiner Möglichkeiten und Aktionen. Ob es im nächsten Jahr eine gewaltige Aufstockung bis in die Stadt gibt, bleibt abzuwarten, doch sprechen die Besucherzahlen schon jetzt Bände. Nicht zu vergessen bei dem mittelalterlichen Spektakel sind aber auch die „waschechten” Wassenberger Kapuziner, die am Samstag und Sonntag jeweils ab 11 Uhr in ihrer Kapuzinerklause auf der Graf-Gerhard-Straße die „Kutten” überziehen.

Bei frischem Hellem vom Fass, bei Zwiebelkuchen und Gulaschsuppe können sich die Besucher so manches über das Kapuzinerleben erzählen lassen, während für die Kinder Pferdereiten (14.30-16 Uhr) und die Vorführung einer Schafschur jeweils um 14 und 16 Uhr angeboten wird.