Kreis Heinsberg: Einbrüche: „Zeit ist ein Faktor, den der Täter nicht hat“

Kreis Heinsberg : Einbrüche: „Zeit ist ein Faktor, den der Täter nicht hat“

Wenn man Wolfgang Ulbrich nach einem sicheren Fenster fragt, dann fällt die Antwort zunächst etwas kryptisch aus: „EN 1627 RC2“, sagt Ulbrich. Das sei der Sicherheitsstandard, den er empfehlen könne. Wolfgang Ulbrich ist Polizist, er berät Hauseigentümer im Kreis Heinsberg, wie sie ihr Zuhause gegen Einbrecher sichern können.

Und EN 1627 ist eine europäische Norm zur Einbruchshemmung, RC2 eine Widerstandsklasse. Auf andere Sicherheits-Labels möge man sich lieber nicht verlassen, sagt Ulbrich.

 Mehr Sicherheit für das Zuhause: Wolfgang Ulbrich erklärt, wie man sich vor Einbrechern schützt.
Mehr Sicherheit für das Zuhause: Wolfgang Ulbrich erklärt, wie man sich vor Einbrechern schützt. Foto: Gerhards

Im Vergleich von 2015 zu 2016 sind die Wohnungseinbrüche im Kreis Heinsberg um sieben Prozent zurückgegangen. Auch für das laufende Jahr sei die Tendenz, dass die Einbruchszahlen weiter zurückgehen, sagt Polizeisprecher Karl-Heinz Frenken. Das liegt natürlich nicht nur an der Präventionsarbeit der Polizei. Die Gründe, warum die Zahlen zurückgehen, sind wahrscheinlich vielfältig. Trotzdem führt Ulbrich noch eine weitere Statistik an: In 40 Prozent der polizeilich registrierten Fälle sei es bei Einbruchsversuchen geblieben. Vor einigen Jahren habe diese Zahl einmal bei rund 33 Prozent gelegen. „Das ist vielleicht ein Beleg dafür, dass unser Präventionsarbeit erfolgreich ist“, sagt Ulbrich.

Jährlich führt die Polizei 200 bis 250 Beratungsgespräche zum Schutz vor Einbrechern — sehr oft mit Einbruchsopfern. „Ein Einbruch ist ein Schock. Etwas für die Sicherheit des eigenen Hauses tun zu können, hilft vielen Menschen dabei, ihr Trauma zu bewältigen“, sagt Ulbrich.

Bei seinen Beratungen erklärt Ulbrich, dass man Einbrechern den Zugang zum Haus mechanisch erschweren solle. Eben mit Fenstern und Terrassentüren, die nach der erwähnten Norm geprüft sind. Diese Fenster verfügen über sogenannte Pilzkopfzapfen, die weit widerstandsfähiger sind als herkömmliche Rollzapfen. „Es geht darum, den Widerstandszeitwert zu erhöhen. Zeit ist ein Faktor, den der Täter nicht hat“, sagt Ulbrich. Ein herkömmliches Fenster könne ein Einbrecher mit einem Schraubendreher in fünf Sekunden aufhebeln. Bei einem geprüften Sicherheitsfenster benötige er 15 bis 20 Minuten. „Wenn der Täter merkt, dass er nicht direkt reinkommt, geht er weiter“, sagt Ulbrich.

Der beste Zeitpunkt, solche Fenster einzubauen, sei beim Neubau, deshalb liege jedem Bauantrag im Kreis ein Informationsblatt zum Beratungsangebot der Polizei bei. Es sei aber auch möglich, ältere Fenster mit neuer Sicherheitstechnik nachzurüsten, sagt Ulbrich. Wünschen würde er sich, dass ein gewisser Sicherheitsstandard Vorschrift wird — so wie bei der Energiebilanz neuer Häuser.

Einbrüchen wirke man aber nicht nur mit stabiler Mechanik entgegen. Es gehe auch darum, sich richtig zu verhalten. Das bedeute, dass Einbrecher nicht gleich erkennen sollen, dass man nicht zu Hause ist. Die Rollladen sollten zu einer üblichen Zeit schließen, und abends sollte Licht brennen. Hilfreich sei auch, zu zeigen, dass man sich um die Sicherheit seines Hauses Gedanken gemacht hat, sagt Ulbrich. Wenn eine Haustür vor dem Schlüsselloch zum Beispiel eine bewegliche Schutzblende hat, die das Aufbohren verhindert, sehe man, dass der Hauseigentümer vorgesorgt hat.

Das sagt Ulbrich vor dem Hintergrund, dass für Einbrecher meistens die Tatgelegenheit entscheidend ist. Das zeige etwa die Kölner Studie, in der viele Einbrüche analysiert wurden. „Es geht den Tätern darum, leicht und schnell ins Haus zu kommen. Ob da viel zu holen ist, wissen sie vorher nicht“, sagt Ulbrich.

Ins Haus wollen die Einbrecher leicht, schnell und unbemerkt. Deshalb schrecke auch eine Lampe mit Bewegungsmelder ab, der „sabotagesicher“, also zum Beispiel in einigen Metern Höhe, angebracht ist.

Alle weiteren elektronischen Haussicherheitssysteme seien vor allem als Ergänzung zu verstehen, sagt Ulbrich. Eine Kamera, die Bilder vom Täter aufzeichnet und an den Besitzer sendet, sei zwar sinnvoll, um den Einbruch schnell an die Polizei zu melden. Diese Technik könne aber nicht verhindern, dass die Täter ins Haus gelangen.

Die Polizei bietet kostenlose Beratungsgespräche zum Einbruchsschutz an. Informationen unter der Telefonnummer 02452/9205555