Kreis Heinsberg: Einblicke in das Leben eines Drogensüchtigen

Kreis Heinsberg : Einblicke in das Leben eines Drogensüchtigen

In den Niederlanden ist Jan Willem die Hauptfigur. „Das kurze Leben von Thomas” heißt das Stück von Frank van Erven im Deutschen, das vom Volkstoneel Kerkrade, einer niederländischen Theatergruppe, jetzt erstmals auch in Heinsberg aufgeführt wurde.

Die Lionsclubs Selfkant und Übach-Palenberg hatten dazu sogenannte Multiplikatoren in die Aula der städtischen Realschule eingeladen. Rund 80 Zuschauer waren der Einladung an Schulen, Jugendheime, Polizei und andere soziale und kirchliche Einrichtungen gefolgt, schließlich geht es darum, einen Beitrag zu leisten zur Prävention von Drogenmissbrauch.

„Ich habe das Stück vor fünf Jahren in Holland gesehen”, so Marcel Ballas vom Lionsclub Selfkant, der seinerzeit die Initiative für eine deutsche Fassung des Stücks ergriffen hatte. In den Niederlanden hätten es mittlerweile schon Schüler von insgesamt 63Schulen gesehen. Dort sei das rund einstündige Stück auch schon verfilmt und im Fernsehen ausgestrahlt worden.

Eine Einführung gab Karl-Heinz Ophey, Präsident vom Lionsclub Selfkant. Es gehe um Thomas, der im Alter von 14 Jahren mit Drogen in Kontakt komme und mit 17 an einer Überdosis sterbe. „Es geht nicht darum, dies kognitiv zu verarbeiten. Sie sollen vielmehr befähigt werden, sich auf eine emotionale Ebene einzulassen.”

Und so waren dann auch die „äußeren Gegebenheiten” der Aufführung schon angelegt. Eine Bühne in gewohnter Form des Theaters gab es gar nicht. Die Zuschauer saßen im Karree, das in der Mitte als einziges Requisit eine zwei Quadratmeter große Spiegelfläche aufwies. Diese wurde während des Stücks vielfältig genutzt: als Grab und als Fußballplatz, als Diskothek, Bett und Toilette.

Die fünf Darsteller saßen verteilt im Publikum. Freund Etienne, die Lehrerin, der Sozialarbeiter, sein Vater und seine Mutter agierten zunächst nur von dort und berichteten retrospektiv über die vergangenen Jahre. Die Mutter lieferte den Zuschauern dann die erste Möglichkeit der direkten Betrachtung. „Er ist weg. Er ist wieder weg”, berichtete sie dem Vater.

Die Mischung aus Rückblicken und immer wieder eingestreuten Dialogen vor dem Tod, über Thomas und fiktiv mit ihm erforderten die Aufmerksamkeit der Zuschauer, die dabei dank fehlender optischer Ablenkung vor allem zu Zuhörern wurden.

Dabei wurde vieles deutlich, was letztlich in dramatischer Konstellation zum tragischen Ende führte: etwa die Schule, die Thomas nur noch als störendes „Element” sah und ihn von dort verwies, oder der Vater, der eigentlich nie zu Hause war und für den der Sohn selbst dann noch nicht drogensüchtig war, als er ihn selbst auf der Toilette der Diskothek fand, mit Drogen vollgepumpt.

Und schließlich auch die Mutter, die immer zu ihm gestanden hatte, ihn dann aber plötzlich völlig aufgab, kurz bevor er aus dem Gefängnis entlassen wurde. Nach seinem Tod kam dann die Erkenntnis: „Wir hätten gemeinsam kämpfen müssen”, sagte etwa die Lehrerin. „Aber Sie haben nie wirklich versucht, mit dem Kopf durch die Mauer des Elends zu brechen. Sie wollten es immer leicht haben”, sagte der Sozialarbeiter dem Vater.

„Stark, sehr authentisch gespielt”, sagte Hermann-Josef Ronkartz, Abteilungsleiter Gefährdeten- und Behindertenhilfe des Caritasverbandes nach der Vorstellung. „Das ist tatsächlich der Alltag, denn unsere Kolleginnen und Kollegen täglich erfahren.”

Wer sich für eine Aufführung des Stücks „Das kurze Leben von Thomas” interessiert, erhält nähere Information bei Jo Piefer, Vorsitzender der Stichting Volkstoneel Kerkrade, Telefon 0031/45/5710450.ere Informationen sind im Internet zu finden unter http://www.volkstoneelkerkrade.nl.